Hannes Schadenhofer: „Lieber kündigen als Konkurs“. Unruhe in der Bauernschaft nach Vertragskündigung von Milchfrächter. Berglandmilch beruhigt.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 30. Oktober 2019 (03:21)
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Die Meldung sprach sich unter den Milchlieferanten der Berglandmilch rasch herum und sorgte wenige Wochen vor der Generalversammlung der Berglandmilch am 12. November in der Pölz-Halle in Amstetten für eine gewisse Unruhe: Hannes Schadenhofer hat den Frächtervertrag mit der Berglandmilch gekündigt. Nach der sechsmonatigen Kündigungsfrist wird Hannes Schadenhofer mit Ende März 2020 keine Touren mehr für die Berglandmilch fahren.

Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer beruhigt: „Für Lieferanten wird sich nichts ändern.“Berglandmilch
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Die sechs Milchtransportautos von der Firma Schadenhofer – zwei weitere hat das Unternehmen in Reserve – holen aktuell sieben Tage die Woche die Milch von rund 700 Milchbauern in den Bezirken Melk, Scheibbs, Amstetten sowie in Oberösterreich – und das das ganze Jahr hindurch. Hannes Schadenhofer hat 2000 das Mitte der 50er-Jahre in Krummnußbaum von seinem Großvater gegründete Milchtransportunternehmen übernommen.

„So schwer mir dieser Schritt fiel, musste ich die Notbremse ziehen. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen kann ich keinen kostendeckenden Transport mehr anbieten. Das wäre auf lange Sicht grob fahrlässig gegenüber meinen 27 Mitarbeitern. Da ich den Betrieb ansonsten in den Konkurs führen würde, bin ich gezwungen, den Vertrag zu kündigen und muss mich wirtschaftlich neu orientieren“, erklärte der 42-jährige Hannes Schadenhofer auf Nachfrage der NÖN.

Die Tarife liegen auf Niveau vom Jahr 2012

Die Berglandmilch, für die Schadenhofer seit über 20 Jahren tätig war, habe die Tarife bei der letzten Preisanpassung so gekürzt, dass man am Niveau von 2012 angelangt sei. Gleichzeitig wären die Kosten für die Frächter (Personal, Diesel) gestiegen. „Wirtschaftlich ist das einfach nicht mehr machbar“, sagt Schadenhofer.

„Ich kann die Wirtschaftlichkeitsberechnung von Hannes Schadenhofer nicht beurteilen, da ich seine betrieblichen Kennzahlen nicht kenne. Wir haben mit ihm ganz normal verhandelt so wie mit allen unseren Frächtern. Wenn er sagt, das gehe sich nicht mehr aus, müssen wir das akzeptieren. Es tut mir leid, dass damit eine jahrelange Partnerschaft endet. Aber das ist so im Geschäftsleben. Ich wünsche Hannes Schadenhofer alles Gute für seine Zukunft und meine das in keiner Weise zynisch“, sagt Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer gegenüber der NÖN.

Die Aufregung unter den rund 700 Milchlieferanten, deren Milch aktuell von der Firma Schadenhofer abgeholt wird, sei völlig unbegründet, versucht Braunshofer zu beruhigen: „Für den Großteil der Routen von der Firma Schadenhofer haben wir bereits neue Verträge mit Frächtern, die diese künftig übernehmen werden. Auch den Rest werden wir noch absichern. Für unsere Lieferanten wird sich daher nichts ändern, außer dass ein anderes Milchauto zu ihnen kommt“, erklärt Braunshofer.