Obsternte im Erlauftal: Die Keller sind voll. Guter Ertrag, wegen wenig Sonne und viel Regen war der Zuckergehalt etwas niedriger. Mostbauern sind zufrieden.

Von Karin Katona und Anna Faltner. Erstellt am 12. November 2020 (06:09)

Herbstzeit ist Obstzeit – und somit die Ernte- und Produktionszeit des Getränks, das dem Mostviertel seinen Namen gibt. Die Mostbauern der Region haben die Ernte hinter sich. Vier von ihnen zogen für die NÖN Bilanz über den Jahrgang 2020.

Der Obstkeller von Familie Adelsberger in Randegg ist voll. Von Mitte September bis Ende Oktober wurden rund 50 Tonnen Obst von der Familie verarbeitet. Generell war es eine erfolgreiche Ernte mit genügend Obst.

Ob auch die Qualität stimmt? „Von außen betrachtet sind es wirklich schöne große Früchte, die schön reif sind. Weil sie heuer genug Wasser gehabt haben. Aber innen lässt es zu wünschen übrig“, berichtet Leopoldine Adelsberger.

„Die Speckbirne ist bei uns der beliebteste Most. Wir sind sehr froh, dass die Ernte da heuer so stark war.“Leopoldine Adelsberger

Denn durch die starken Niederschläge konnten die Birnen nicht sehr viel Zuckeraroma einlagern. „Das ist zumindest unsere Vermutung. Quer durch die Bank dürfte dieses Phänomen heuer im ganzen Mostviertel aufgetreten sein. Das hatten wir schon viele Jahre nicht mehr“, erzählt Adelsberger. Daher sei es nun wichtig, durch sauberes und sorgfältiges Arbeiten trotzdem schmackhaften Most zu produzieren.

Das Produktsortiment von Familie Adelsberger lässt sich auch sehen. Bis zu zehn verschiedene Sorten Most (reine Birne, Apfel, Schmiedmost, Jungspund, etc.) und Säfte werden in Randegg produziert. „Die Speckbirne ist bei uns der beliebteste Most. Wir sind sehr froh, dass die Ernte da heuer so stark war. Vor allem im Vergleich zum letzten Jahr. Deswegen haben wir den Keller gleich voll angefüllt, damit wir notfalls damit auch über schlechtere Jahre kommen können“, betont die Landwirtin.

Eine intensive Ernte war es auch bei Familie Frühwald in Reinsberg. In den knapp sieben Wochen, die die Ernte dauerte, wurden an vier bis fünf Tagen gepresst. „Wir hatten wirklich sehr viel, mit der Ernte sind wir sehr zufrieden“, sagt Daniela Frühwald. Das ganze Lager ist jetzt voll. „Wir haben auch genug für die nächsten Jahre. Reserven, falls die Ernte nächstes Jahr schlechter ist“, lässt Frühwald wissen.

„Ich habe den Eindruck, dass die Leute das Eigene wieder mehr schätzen.. Das ist sehr positiv.“Daniela Frühwald

Der erste Most, nämlich der Jungspund, wird schon in zwei Wochen zum Verkauf bereit stehen. Verkostet können auch schon die Säfte werden. Für die beliebtesten alkoholischen Getränke, wie Speckbirnen-Most, Schmiedmost und Most-Cider, müssen sich die Konsumenten noch gedulden.

Was die Familie noch bemerkt hat: „Ich habe den Eindruck, dass die Leute das Eigene wieder mehr schätzen. Wir haben wieder mehr Lieferanten, mehr Leute klauben selbst Obst und machen was daraus. Das ist sehr positiv“, sagt Frühwald.

Der erste Most von Familie Fenzl aus Scheibbs darf ebenso bald aus den Fässern – in etwa zwei bis drei Wochen. Die Ernte der etwa vierhundert Birn- und Apfelbäume sei im heurigen Jahr besonders gut gewesen, verrät Jürgen Fenzl. „Wobei wir besonders großes Glück haben, denn unsere Bäume stehen allesamt in hervorragenden Lagen, sodass fast jedes Jahr bei uns ein gutes ist.“

Etwas zu wünschen übrig ließ – wegen zu viel Regen und fehlender Sonnenstunden im Sommer – der Zuckergehalt des Mosts. Jungspund gibt es bei Familie Fenzl nicht, dafür kommen in Kürze die sortenreinen Moste Rote Pichlbirne und Grüne Winawitz auf den Markt. Auf Schmiedperle und andere Spezialitäten müssen die Kunden in der Zwischenzeit nicht verzichten, versichert Jürgen Fenzl: „Davon haben wir vorerst noch genug auf Lager.“

„Die Tradition des Obstbaus in unserer Region kommt in unseren Produkten zum Ausdruck.“Roman Brandhofer, Fruchtsaft Manufaktur

Arbeitsintensiv waren die vergangenen Wochen auch im Obstgarten und Keller der Familie Brandhofer in Wieselburg, wo man von einem „überdurchschnittlichen Erntejahr“, vor allem bei den Birnen, spricht. Erstmals werden heuer in der Fruchtsaft Manufaktur sortenreine Bio-Säfte von Früchten, die ausschließlich von eigenen Bäumen stammen, gepresst.

„Wir haben die Bäume vor zehn Jahren gepflanzt und ernten heuer zum ersten Mal“, erklärt Roman Brandhofer. Eine Spezialität, auf die man sich in Zukunft noch stärker konzentrieren wolle. „Der Schwerpunkt liegt auf alten Sorten, so wie sie früher auf den Streuobstwiesen im Mostviertel üblich waren. Dieses Bewusstsein für die Tradition im Obstbau unserer Region tragen wir auch in unseren Produkten mit“, sagt Brandhofer.

Alkoholischen Most gibt es bei der Fruchtsaft Manufaktur Brandhofer keinen, dafür elf Sorten naturbelassene Direktsäfte. Mit seinen edlen Produkten beliefert er die gehobene Gastronomie und betreibt einen Onlineshop.