Coronavirus fordert Pflegedienste. Mitarbeiter von Hilfswerk, Caritas und Volkshilfe sind derzeit mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, denn Pflegen mit Abstand ist nicht möglich.

Von Hermann Knapp, Claudia Christ und Michael Bouda. Erstellt am 10. April 2020 (03:45)

„Ich betreue zwei Klienten, die positiv auf Covid-19 getestet worden sind. Das heißt, dass ich ihr Zuhause nur mit Schutzkleidung, Schutzmaske mit Filter und Schutzbrille betreten kann“, erzählt Sabina Grillnberger von der Hauskrankenpflege des Hilfswerks in Aschbach. Rund eineinhalb Stunden hat sie pro Person zu tun, bei einem Verbandswechsel noch länger.

„Da kommt man ganz schön ins Schwitzen“, sagt die 56-Jährige. Sie ist aber froh, dass sie jetzt die Schutzkleidung hat. Denn als das positive Testergebnis für die Klienten kam, musste ein paar Tage lang die Familie die Pflege übernehmen, bis dem Hilfswerk die Schutzkleidung vom Landessanitätsrat zugeteilt wurde. Die Ausrüstung ist weltweit knapp. Natürlich ist Grillnberger auch besorgt, sich selbst zu infizieren. „Da geht es aber weniger um meine eigene Gesundheit, sondern um die Angst, womöglich unbemerkt selbst Klienten anzustecken.“

Pflegemanagerin Gabriele Seyer berichtet, dass es für ihre Mitarbeiterinnen schwer einschätzbar ist, ob Klienten nun am Coronavirus oder „nur“ an der Grippe erkrankt sind. Es würden auch längst nicht alle getestet. „Ich habe mich bei zwei selbst dafür eingesetzt. Aber bis man Gewissheit hat, vergehen auch noch ein paar Tage und die Leute müssen von uns ja trotzdem weiter betreut werden. Da besteht natürlich hohe Ansteckungsgefahr.“

„Da geht es weniger um meine eigene Gesundheit, sondern um die Angst, womöglich unbemerkt selbst Klienten anzustecken.“Sabina Grillnberger, Hilfswerk

Tatsächlich ist im Bezirk Amstetten eine Hilfswerkmitarbeiterin erkrankt und zehn sind in Quarantäne. Die Versorgung aller Klienten sei dennoch gesichert, betont Hinterholzer. „In der Hauskrankenpflege ist es eben unmöglich, Körperkontakt zu vermeiden. Ich habe daher höchsten Respekt vor meinen Leuten.“ Die Hilfswerkpräsidentin ortet einen Rückgang bei der Nachfrage nach Heimhilfen, weil ja viele Angehörige nun zuhause sind und diese Aufgaben selbst übernehmen. Hoch ist hingegen der Bedarf an diplomierten Kräften und zunehmend auch im Bereich der 24-Stunden-Pflege.

Mit besonderen Herausforderungen sind auch die 400 Caritas-Pflegefachkräfte in den 16 Sozialstationen im Mostviertel konfrontiert. Aktuell sind Dienstbesprechungen aus Sicherheitsgründen auf Eis gelegt. „Wir telefonieren und schreiben uns Nachrichten – es ist schwer, wenn man sich mit den Kolleginnen nicht bei einem Kaffee austauschen kann. Da geht viel Emotion verloren“, betont Gabriela Zoufal, Leiterin der Sozialstation in Purgstall.

Zudem ist die Pflege der Kunden durch die strengeren Hygienerichtlinien erschwert. „Den empfohlenen Sicherheitsabstand von 1,5 Meter einzuhalten ist bei der Pflege von Kranken und Hilfsbedürftigen unmöglich. Daher brauchen wir professionelle Schutzbekleidung. Die Ausstattung mit Atemschutzmasken, Kittel, Handschuhen und Desinfektionsmittel müssen gesichert sein“, fordert Elena Steinmaßl, Regionalleiterin für Mostviertel Ost.

Hier seien Bund und Länder gefordert, genauso wie bei der Testung von Pflegepersonen und Kunden. „Wir können nicht Mitarbeiter tagelang vom Dienst freistellen, bis ein Testergebnis vorliegt. Das überfordert andere Mitarbeiter, die für ihre freigestellten Kollegen einspringen müssen und verschärft weiter die akute Personalnot in der Pflege“, ergänzt Markus Lurger, Regionalleiter für Mostviertel West.

Hohe Hygienestandards legt auch die Volkshilfe an – von der Basishygiene wie Händewaschen und Desinfizieren bis zu besonderen Maßnahmen. „Für Corona-Verdachtsfälle oder -Erkrankte sind unsere Kollegen mit Schutzausrüstung vom Sanitätsstab des Landes ausgerüstet und betreuen dann auch nur mit Schutzausrüstung“, schildert Ilse Lenk, Regionalleiterin für das Mostviertel. Die Betreuung ist durch die aktuelle Pandemie aber nicht gefährdet. Lenk: „Es kommt derzeit zu keinen Beeinträchtigungen bei der Versorgung unserer Kunden.“