Die Gräuel der NS-Zeit

Erstellt am 04. April 2022 | 06:28
Lesezeit: 3 Min
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Alljährlich wird beim Gedenkstein im Schliefaugraben in der Gemeinde Rand egg dem grausamen Tod von 100 ungarischen Juden gedacht.
Foto: NÖN Archiv/Scholler
Am 13. April 1945 steckten SS-Männer das Barackenlager in Göstling in Brand und ermordeten 76 Menschen. Das größte Massaker in Randegg kostete kurz darauf an die 113 Menschen das Leben.
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Kurz vor Kriegsende 1945 ereigneten sich in Göstling und Randegg furchtbare Gräueltaten.

In Göstling wurde das Barackenlager in der Nacht vom 12. auf den 13. April von einem Sonderkommando der SS angezündet, und sämtliche Insassen, 76 Männer, Frauen und Kinder, wurden durch Maschinengewehr- und Maschinenpistolenfeuer bestialisch ermordet. In der Göstlinger Chronik erinnert sich Rosa Dippelreuther: „In der besagten Nacht war unser Knecht für den Abtransport bestellt worden. Er sollte das Gepäck zum Bahnhof bringen. Als er aber vor vier Uhr früh zum Lager fahren wollte, brannte bereits alles lichterloh. Der ganze Himmel war rot und es krachte furchtbar vom Feuer und der Schießerei.“

Menschen, die aus den brennenden Baracken fliehen wollten, wurden am Zaun erschossen. Die Leichen blieben liegen. Bald herrschte weithin übler Verwesungsgeruch, und die Schulkinder mussten das Grauen am Schulweg mit ansehen. Eine Frau überlebte das Massaker, die Ärztin Charlotte Wieser. Sie war von der Lagerleiterin einen Tag davor nach Wien geschickt worden. Sie war es auch, die sich nach dem Krieg um eine würdige Bestattung der Toten kümmerte. Ein Grabdenkmal mit den Namen der Ermordeten und eine Gedenktafel am ehemaligen Lager-Standort erinnern heute an diese schreckliche Tat.

Massaker im Schliefaugraben

Das größte Massaker im Bezirk Scheibbs fand wenige Tage später im Schliefaugraben (Randegg) statt. Die Angaben zur Zahl der dort ermordeten ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter variieren in der Literatur zwischen 96 und 113 Toten. Die Opfer – fast zur Hälfte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren – waren im Zuge von Evakuierungsmärschen aus Zwangsarbeiterlagern aus dem Bezirk Lilienfeld gekommen. Am 15. April 1945 wurden sie im Schliefaugraben von SS-Männern erschossen und von sechs Hitlerjungen des Wehrertüchtigungslagers Reinsberg verbrannt. Tags darauf wurden die sterblichen Überreste am Tatort verscharrt.

Im September 1947 gab das Amt der NÖ Landesregierung den Auftrag zur Errichtung eines Gedenksteins am Tatort des Massakers. Zum Zeitpunkt der Anbringung des Steins waren die sterblichen Überreste jedoch bereits exhumiert und auf dem jüdischen Friedhof im ungarischen Szeged beigesetzt worden. Der Gedenkstein wurde daher in adaptierter Form beim Massengrab der Opfer des Massakers Hofamt Priel aufgestellt. Auf Initiative des katholischen Pfarrers von Randegg, Adalbert Waser, wurde zum 35. Jahrestag des Massakers im Schliefaugraben ein Gedenkstein errichtet. Seither finden alljährlich im April Gedenkfeiern am Ort des Massakers statt.

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