Engelbert Wieser über Pilotprojekt: "Birnbäume brauchen Pflege"

Erstellt am 28. Juli 2022 | 04:14
Lesezeit: 3 Min
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Engelbert Wieser (kleines Bild) ist treibende Kraft beim dreijährigen Pilotprojekt zur Erhaltung der alten Birnbäume. Ab sofort kann man sich für das Pilotprojekt anmelden: Alle Infos unter: https://birnbaumschnitt.agrarplus.at.
Foto: Foto Eplinger/Breinesberger
Engelbert Wieser aus Randegg ist Obmann des Vereins „Streuobsterhaltung Mostviertel“. Dem Verein ist es gelungen, den NÖ Landschaftsfonds für ein Pilotprojekt zu gewinnen.
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Seit 30 Jahren gibt es die Obstbaumpflanzaktion im Mostviertel. Nicht minder wichtig, als neue Bäume zu setzen, ist aber, die jahrhundertealten, mächtigen Birn- und Obstbäume zu erhalten – und vor allem deren Ertrag zu sichern.

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Foto: Eplinger/Breinesberger

Ein Pionier und Verfechter davon ist Mostbaron Engelbert Wieser aus Randegg, seines Zeichens auch Obmann des Vereins „Streuobsterhaltung Mostviertel“. „Unsere Region ist eine Kulturregion. Und ein von Menschenhand kultivierter Baum braucht die entsprechende Pflege. Diese wurde leider in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts total vernachlässigt. Die Bäume wurden dem Zufall überlassen. Daran war der wirtschaftliche Niedergang der Obstbauern schuld. Äpfel und Birnen waren nichts mehr wert. Erst mit dem Wiederaufkommen von Mostheurigen und den Mostbaronen hat sich deren Stellenwert wieder verändert“, sagt Wieser und weiß, dass gerade bei den Streuobstbäumen dennoch noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist. „Einen Marillen- oder Weinbauer muss man nicht überzeugen, dass er seine Bäume oder Reben pflegt“, betont Wieser und freut sich, dass es ihm und seinen Vereinskollegen jetzt gelungen ist, mit dem NÖ Landschaftsfonds ein dreijähriges Pilotprojekt zur Sicherung alter Streuobstbirnbäume ins Leben zu rufen.

Alte hochstämmige Mostbirnbäume werden dabei einem Verjüngungsschnitt mit einer Hebebühne unterzogen. Interessenten können mit mindestens vier und maximal zwölf Mostbirnbäumen teilnehmen. Durch die Förderung sind nur 80 Euro je Baum an Eigenleistung zu zahlen, das Projekt läuft drei Jahre lang. „Da die Baumanzahl für die Teilnahme am Projekt auch insgesamt mit 450 Bäumen beschränkt ist, wird um rasche Anmeldung ersucht“, sagt Engelbert Wieser. Teilnehmen können an diesem Projekt ausschließlich Mostbirnbäume, die auf landwirtschaftlichen Flächen in einer Eisen- oder Moststraßen-Gemeinde stehen und einem Erstschnitt unterzogen werden.

Die Baumpflege rechnet sich auch wirtschaftlich

Die alten Birnbäume seien nicht nur landschaftsprägend, sondern sie seien „echte Wunder der Biodiversität und hätten einen enormen ökologischen Wert. Und wenn sie richtig behandelt werden, tragen sie auch sehr schnell wieder Obst und werden wirtschaftlich interessant“, weiß Wieser.

Denn während man bei einem neu gepflanzten Baum rund 15 Jahre warten muss, bis sich ein wirtschaftlicher Ertrag einstellt, kann man bei alten Bäumen den Ertrag innerhalb zwei bis drei Jahre deutlich steigern.

„Ein ungepflegter, alter Baum bringt jetzt zwischen 200 und 400 Kilogramm Ernte ein. Durch den Schnitt steigert sich der Ertrag durchschnittlich auf rund 500 Kilogramm, in guten Jahren sogar auf bis zu 1.000 Kilogramm“, weiß Wieser. Das mache auch den wirtschaftlichen Anreiz größer. Zudem werde nicht nur die Menge mehr, sondern auch die Qualität des Obstes besser.

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