Ritter Rüdiger: „Spaß lässt sich nicht inszenieren“

Erstellt am 27. Juli 2022 | 18:02
Lesezeit: 4 Min
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Für Regisseurin Victoria Rottensteiner ist es wichtig, den Schauspielern Freiheiten beim Spielen zu lassen. Diese bekommt auch Bernhard James Lang in seiner Rolle als Nebukator.
Foto: Lena Hackl
Am 5. August feiert „Ritter Rüdiger – Die Zeitreise“ auf der Burgarena Reinsberg Premiere. Die NÖN traf Regisseurin Victoria Rottensteiner und Mimen Bernhard James Lang zum Interview.
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Aus den Burgmauern ist leise Musik zu hören, Arbeiter sind mit dem Bühnenaufbau beschäftigt, Darsteller holen sich einen Kaffee. Mittendrin unser Gespräch mit Regisseurin Victoria Rottensteiner und Nebukator-Darsteller Bernhard James Lang. Ein Gespräch über die Bedeutung, die Schwierigkeiten und die Anfänge des Musicals.

NÖN: Was ist das Besondere an „Ritter Rüdiger“?

Bernhard James Lang: Ich liebe Freilichtspiele. Ritter Rüdiger ist ein Familienmusical mit Inhalten für Menschen von 5 bis 99 Jahren wie bei einem guten Märchen. Es ist witzig, dauert „elendslang“, ohne dass es den Kindern langweilig wird.

Victoria Rottensteiner: Besonders ist für mich die unfassbare Begeisterung der Kinder und Erwachsenen des Orts. Sie lieben wirklich das Stück und nicht die Schauspieler.

Welche Botschaft wollen Sie mit dem Stück vermitteln?

Rottensteiner: Im Vordergrund steht für mich, dass man zu seinen Gefühlen stehen soll und um Hilfe bittet. Gemeinsam mit Freunden kann man Probleme lösen. Das sind die großen Themen, die Kinder beschäftigen.

Herr Lang, Sie spielen den Bösewicht Nebukator. Wie geht es Ihnen mit einer solchen Rolle?

Lang: Als Bösewicht muss ich intelligent sein. Es stellt sich die Frage „Was ist böse?“. Ich watsche Menschen hin und her, eigentlich spiele ich Gott. Ist das böse? Als Nebukator muss ich immer draufzahlen. Und ich zahle gern drauf.

Sie sind schon seit 2007 dabei und haben mit vielen Regisseuren gearbeitet. Wie wirkt sich das auf die Rolle aus?

Lang: Jeder Regisseur hat eine unterschiedliche Vorstellung, wie denn der Schurke angelegt werden soll. Ich muss mich immer wieder neu darauf einstellen. Aber so bleibe ich in Übung und frisch.

 

 

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Regisseurin Victoria Rottensteiner probt mit den Schauspielern die Szenen zuerst ohne und dann mit Musik - bis sie sitzen.
Foto: Foto Lena Hackl

Wie laufen die Proben bisher?

Rottensteiner: Die Probenzeit ist sehr kurz. Normalerweise hat man für ein solches Musical sechs Wochen Zeit. Wir haben ein bisschen mehr als die Hälfte. Es ist eben eine klassische Probenzeit, mit Höhen und Tiefen.

Lang: Ich finde sie bis jetzt noch "unnervig". Mehr kann ich noch nicht sagen, wir werden sehen, wie sie sich entwickeln.

Rottensteiner: "Unnervig"? Das ist ja fast ein Kompliment.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung?

Rottensteiner: Am schwierigsten ist, die Energie der mitspielenden Kinder zu lenken, aber ihnen nicht den Spaß zu nehmen. Da muss man die Waage halten. Denn Spaß kann ich nicht inszenieren, der muss echt sein.

Lang: Für mich geht es darum, den Facetten-Reichtum zu wahren. Die Rolle also in vielen Stimmungen, Tempi und Charakterfärbungen schillern zu lassen, ohne das große Ganze, nämlich das Stück, aus den Augen zu verlieren. Denn die Rolle dient dem Stück.

Wie haben Sie sich auf das Stück vorbereitet?

Lang: Ich habe die Rolle des Nebukator inzwischen bis zu einem gewissen Grade internalisiert. Am Anfang 2007 in Ehrenberg war das noch die große Unbekannte – wir dachten erst: wir werden eingehen! Als ich an einer Stelle das Publikum aufforderte, mir als Bösewicht zuzujubeln, buhten sie mich aus. Es irritierte mich völlig, aber dann war klar – es funktioniert.

Rottensteiner: Es ist schwierig, ein so gut bekanntes Stück zu inszenieren. Zur Vorbereitung habe ich mir Teile von alten Aufführungen angesehen. Dennoch ist es mir wichtig, dass das Stück auch meine eigene Handschrift trägt.

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Auch viele Kinder finden sich unter den Darstellern. Valentin Zebenholzer, Karoline Frühwald, Emilia Heigl, Viola Zebenholzer, Samira Gassner sowie Lisa Falkensteiner und viele mehr werden bei den Aufführungen mitwirken.
Foto: Lena Hackl

Herr Lang, sind Sie nach so vielen Jahren als Nebukator vor den Vorstellungen noch nervös?

Lang: Eine gewisse Nervosität ist immer da. Man muss auf Betriebstemperatur kommen. Theaterspielen ähnelt dem Extremsport – innerhalb von zwei Stunden muss man alles geben

Rottensteiner: Jedes Publikum ist ja anders.

Lang:  Und es herrscht immer eine neue Dynamik zwischen Publikum und Ensemble.

Und wie ist die Gruppendynamik bei Ihnen?

Rottensteiner: Ich habe ja gut überlegt, als ich die Gruppe zusammengestellt habe.

Lang: Es muss wahrhaftig sein. Wahrhaftigkeit bedeutet Ehrlichkeit. Man muss Konflikte führen können und dabei respektvoll miteinander umgehen. Und all das haben und tun wir.

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