Ein Scheibbser Café mit viel(en) Geschichte(n). Drei Jahre lang war das „Stadtcafé“ geschlossen, ab Freitag feiert es als „sciBBess“ ein Comeback.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 11. Februar 2020 (05:06)

Über viele Jahrzehnte war das „Stadtcafé“ Scheibbs in der Hauptstraße der Treffpunkt in der Bezirkshauptstadt – tagsüber aber auch vor allem abends. „Wenn du da um 20 Uhr reingekommen bist, konnte es leicht passieren, dass du keinen freien Sitzplatz mehr bekommen hast“, erinnert sich Kulturamtsleiter Bernhard Hofecker, der in seiner Jugend Stammgast im „Stadtcafé“ war.

Drei Jahre dahingeschlummert, dank Initiative wieder wachgeküsst

1978 war das ehemalige Sparkassen-Gebäude von der Familie Janda umgebaut worden und das „Stadtcafé“ war geboren. Bis 2006 betrieb die Familie Janda das Café erfolgreich, ehe auch dieses Gebäude im Zuge des Konkursverfahren Janda unter den Hammer kam.

Die Familie Gruber kaufte das Haus und 2007 sperrte Sabine Gruber das „Stadtcafé“ wieder auf. Anfangs erfolgreich. Doch nach sechs Jahren gingen die Umsätze zurück, die Gäste blieben aus. Sabine Gruber beschloss, das „Stadtcafé“ nur mehr vormittags oder zu Veranstaltungen auch abends zu öffnen.

2017 war endgültig Schluss. Das „Stadtcafé“ schloss seine Pforten und schlummerte fast drei Jahre lang dahin, ehe es Ingrid und Ernst Hödl im Herbst des Vorjahres mit Unterstützung der Eisenstraße-Initiative „gründung findet stadt“ wieder wachküssten.

Sie kauften das Haus von der Familie Gruber, sanierten es und eröffnen diese Woche ihr „sciBBess – das Stadtcafé“. „Es ist eine neue Herausforderung für uns und gewisser Maßen Neuland, auch wenn meine Frau einmal eine gastronomische Ausbildung genossen hat. Aber wir kommen beide vom Dienstleistungsbereich und können mit Menschen umgehen. Das ist eine gute Basis für uns als Jungunternehmer, hoffen wir“, betont der 65-jährige Ernst Hödl mit einem Grinser. Seine Frau ist 13 Jahre jünger.

„Unser sciBBess bezieht sich also einerseits auf den Namen Scheibbs und andererseits auf den Genuss und das Essen.“Ingrid Hödl erklärt und freut sich auf die ersten Gäste

Der Name „sciBBess“ hat zu tun mit dem Schatz, den diese Räumlichkeiten in der Hauptstraße 13 beherbergen. Der bekannte Künstler Sepp Mayrhuber hat Scheibbs als wunderschönes Mosaik im Lokal verewigt – und somit war das Thema quasi vorgegeben.

Ein Ausflug in die Geschichte zeigt, dass der Name „Scheibbs“ vermutlich auf slawische Ursprünge zurückgeht. Mit der Völkerwanderung um 568 siedelten sich Slawen in der Region an und nannten die damalige Ansiedlung „Ščipéčje“, was „wildwachsende Heckenrose“ bedeutet. Mit dem Erlöschen der slawischen Sprache veränderte sich Ščipéčje und wurde so um 1160 zu Scibes, dann zu Schibes, Schibsa, Scheybs, Scheibs und so um 1800 schließlich zum heutigen Scheibbs.

„Unser sciBBess bezieht sich also einerseits auf den Namen Scheibbs und andererseits auf den Genuss und das Essen. Und so wurde aus dem alten Stadtcafé Scheibbs jetzt sciBBess – das Stadtcafé“, schildert Ingrid Hödl und freut sich schon, wenn sie am Freitag die ersten Gäste begrüßen und den ersten eigens für „sciBBess“ gerösteten Scheibbser Stadtkaffee in Bio-Qualität und direct-traded servieren darf.