ZKW in Wieselburg: „Standort in die Zukunft führen“

16 Millionen Euro für neues Logistikzentrum. Standort Wieselburg ist der Kompetenzleader und weltweiter Vorreiter im Konzern.

Erstellt am 17. November 2021 | 14:45
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Oliver Schubert, CEO der ZKW Group (links), und Stefan Hauptmann, Standortleiter der ZKW Lichtsysteme Wieselburg GmbH, im NÖN-Gespräch über die aktuelle Entwicklung bei ZKW.
Foto: Eplinger

NÖN. Die Autobranche steckt in der Krise. Aufgrund des Halbleiter- und Chipmangels gibt es lange bis sehr lange Lieferzeiten. Wie sehr spürt ZKW diesen stockenden Automarkt?

Oliver Schubert: Es ist bitter, dass nach dem schwierigen Corona-Jahr jetzt die Lieferengpässe den Aufschwung am Markt bremsen. Der Bedarf an Halbleitern und Elektronikkomponenten ist weltweit massiv gestiegen – für alle Produkte. Das spürt auch die Automotive-Branche. Die Endkunden wollen Autos kaufen, unsere Kunden Autos produzieren. Nur fehlt ein Teil, dann steht die Produktion. Das betrifft ZKW insoweit, dass kurzfristig der Kunde seine angekündigte Stückzahl nicht abruft.

Hat ZKW auch selbst Schwierigkeiten, Vormaterial zu bekommen?

Schubert: Wir haben auch für den Einkauf und die Beschaffung eine Task Force gegründet, die sich intensiv dem Thema widmet. Damit gab es bei uns noch keine längerfristigen Ausfälle. Wegen uns musste noch kein Kunde seine Produktion abstellen.

Bei ZKW spricht man trotz aller Problematiken von der höchsten Auftragslage in der Geschichte des Konzerns. Rechnet man damit, dass sich der Markt rasch erholt?

Schubert: Ja, wir haben eine sehr gute Auftragslage. Ein Auftragseingang jetzt bedeutet eine Serienproduktion in rund drei Jahren. Wir erhalten Planzahlen und Absatzvolumen von den Kunden und richten uns entsprechend aus. Kann der Kunde die geplanten Stückzahlen nicht produzieren, hat es auch Auswirkungen auf unser Geschäft. Ich rechne nicht mit einer Erholung des Marktes vor 2023.

Wie spiegelt sich das im Umsatz von ZKW wider? 2020 erwirtschaftete die Gruppe einen Jahresumsatz von über 1 Milliarde Euro. Ursprünglich war heuer wieder eine Steigerung geplant. Schafft man diese?

Schubert: Für 2021 hatten wir ursprünglich eine Steigerung geplant. Diese Steigerung gegenüber dem Umsatz-Vorjahr können wir leider nicht realisieren.

Wie hat ZKW darauf reagiert?

Schubert: Wir nützen Kurzarbeit in jenen Ländern, wo es die Möglichkeit gibt, vor allem auch, um qualifizierte Mitarbeiter langfristig zu halten. Gleichzeitig bedeutet aber die hohe Auftragslage auch hohe Anforderungen an unsere Entwicklungsabteilung, weil mehrere Projekt parallel anlaufen. Dafür stellen wir uns bestmöglich auf.

Das neue Logistikzentrum ist ein Instrument dafür. Was bringen automatisierte Lager- und Beförderungswege durch die gesamte Produktion konkret?

Stefan Hauptmann: Die Komplexität unserer Produkte hat enorm zugenommen. Die produzierte Stückzahl wird zwar kleiner, aber die Anzahl der verbauten Teile pro Stück ist gewachsen. Mit dem neuen Logistikzentrum haben wir eine vollkommen digitale Lösung für unsere Produktströme. Wir versorgen damit unsere Mitarbeiter an den Montagebändern effizient mit sämtlichen Teilen, die bei der Produktion benötigt werden. Gleichzeitig schaffen wir an jenen Flächen, die wir zuvor für Lagermöglichkeiten benötigt haben, Platz für neue Produktionstätigkeiten.

Schubert: Der Kunde bezahlt uns nicht dafür, dass unsere Mitarbeiter mit Stapler Kisten durch das Werk chauffieren. Die Themen Automatisierung und Effizienz sind für die künftige Standortentwicklung sehr entscheidend. Wieselburg ist mit diesem System Vorreiter in der gesamten Gruppe, auch weil hier die komplexesten Lichtsysteme produziert werden.

Automatisierung wird oft mit Arbeitsplatzabbau verbunden. Wie ist das bei ZKW?

Hauptmann: Die Arbeitsplätze verändern sich. Wir brauchen jetzt neue Fachkräfte für Logistik – von der Steuerung über die Wartung bis hin zum Service.

Wie geht es ZKW beim Mitarbeiter-Recruiting?

Hauptmann: Fachkräfte werden überall gesucht. Wir positionieren uns daher verstärkt als attraktiver Arbeitgeber, der auch die Soft-Skills betont – von der Krabbelgruppe für Kleinkinder über das Betriebsrestaurant bis hin zum ZKW-Fit-Programm für die Mitarbeiter. Das sind auch alles Teile unserer neuen Standortstrategie „SICHA“, die wir uns auferlegt haben (Anmerkung: nähere Infos dazu auf Seite 6). Hier werden für jeden Bereich intensiv in Arbeitsgruppen optimale Lösungen für die Zukunft gesucht.

ZKW will bis 2025 weltweit CO 2 -neutral produzieren?

Schubert: Die ZKW Group hat sich eine Nachhaltigkeitsstrategie auferlegt. Das gehört für uns als Unternehmen zum Selbstverständnis.

Hauptmann: Alle österreichischen Standorte werden sogar schon 2022 CO 2 neutral produzieren. Dabei geht es nicht nur um die eigene Produktion, sondern auch um die Energieeffizienz – von den Lieferketten, über die Produktion bis zu den Produkten selbst. Energieeffiziente Produkte bringen auch den Kunden einen Mehrwert.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind auch bei der Lichttechnik selbst Schlagworte. Wohin geht die Entwicklung?

Hauptmann: Auch die Lichttechnik wird immer digitaler. Es zählt aber nicht mehr nur die Anzahl der Pixel, sondern auch deren Effizienz. Lichtverteilungen werden zukünftig über Videosignale angesteuert. Das autonome Fahren ist vielleicht etwas nach hinten gerückt, aber die Unterstützung beim Autofahren ist heute schon Standard. Und wir sind da mit dem Licht mittendrin.