Viel Geschichte in Lunz. Die Wissenschaftshistoriker Katja Geiger und Thomas Mayer haben begonnen, die Geschichte der Biologischen Station Lunz aufzuarbeiten. Ziel: Start eines FWF-Projektes.

Von Silke Hager. Erstellt am 30. Oktober 2014 (05:51)
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Zeitzeugen im Gespräch mit Gertrud Haidvogl von der Universität für Bodenkultur Wien, die das Projekt mitinitierte: Hans und Gudrun Malicky sowie Erich Lanzenberger und Maria Leichtfried (von links).
NOEN, NÖN
Der WasserCluster Lunz wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, die Arbeiten der Biologischen Station Lunz (BSL) weiterzuführen und die Erforschung aquatischer Ökosysteme in Lunz neu zu beleben. Der Geschichte der BSL, die am östlichen Ufer des Lunzer Sees liegt und von 2009 bis 2011 saniert wurde, schenkten im vergangenen halben Jahr zwei Wissenschaftshistoriker besondere Aufmerksamkeit.

„Wissen, dass wir viel noch nicht wissen“

Im Zuge einer Vorstudie für ein FWF-Projekt waren Katja Geiger und Thomas Mayer von der Universität Wien im August zu Gast in Lunz und durchforsteten die Bibliothek in der BSL, die im Stil der „Alten Biologischen Station“ adaptiert wurde. Dort und unter anderem in den Archiven der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin und der Universität Wien wurden sie fündig.

Geiger und Mayer arbeiteten Literatur zur 1905 gegründeten und 2003 geschlossenen BSL auf, erste Ergebnisse präsentierten sie am Freitag im WasserCluster. „Wir wissen jetzt, dass wir viel noch nicht wissen“, so die einleitenden Worte ihres Vortrages.

Sie spannten einen Bogen von der Gründung der BSL als private Stiftung des Industriellen Karl Kupelwieser über die Hochphase in den 1930er- und frühen 1940er-Jahren bis hin zur Verlagerung des Schwerpunktes von Seenforschung auf Fließgewässerforschung unter dem letzten Leiter Gernot Bretschko.

Biologische Station Lunz: beispielhaft

Wenn der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) das Projekt - der Antrag wird in den nächsten Wochen eingereicht - genehmigt, dann betreten die Historiker mit der detaillierten Aufarbeitung der Geschichte der BSL Neuland. Denn wissenschaftshistorische Vorbilder gebe es keine, teilte Carola Sachse vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien mit.

Erstmals könne man sich der Bedeutung der Biologischen Stationen für die Entwicklung der Biowissenschaften widmen. Die BSL diene dabei als Beispiel für Biologische Stationen überhaupt. Das dreijährige Projekt würde außerdem die BSL in der Zeit des Nationalsozialismus, unter anderem die politischen Aktivitäten des damaligen Leiters Franz Ruttner, beleuchten.

Über Biologische Meeresstationen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die „Vorläufer“ der Biologischen Süßwasserstationen, referierte an diesem Abend Hans-Jörg Rheinberger vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Bereits damals waren Biologische Stationen ein Hotspot für internationale Forscher, so auch die BSL.

Denn für bis zu 60 Gastwissenschaftler pro Jahr war es ein Ort, an dem sie sich ihren wissenschaftlichen Problemen ungestört widmen konnten. Vom Arbeitsalltag in der BSL erzählten abschließend Erich Lanzenberger, Maria Leichtfried sowie Gudrun und Hans Malicky, die in der Forschungseinrichtung beschäftigt waren.