Randegg: Die Ruine zeigt, was in ihr steckt. Gewölbebauer Anton Wagner hat die Ruine Perwarth „ausgegraben“. Wie es weitergeht, hat er der NÖN verraten.

Von Anna Faltner. Erstellt am 02. August 2021 (15:09)

„Ich bau‘ dir ein Schloss“, ist auf der Heckscheibe von Anton Wagners Auto zu lesen. So ganz verkehrt ist der Spruch auch nicht. Denn der Neuhofner Gewölbebauer hat hinter viel Schutt und Grünwuchs rund um die Ruine Perwarth einen wahren Schatz ausgegraben.

„Die nördliche Burgmauer war quasi unsichtbar. Bis zu den Bögen hinauf lag Schutt“, berichtet Wagner. Zur Erinnerung: Den Kaufvertrag – der Kaufpreis lag bei 30.000 Euro – hat er im September 2020 unterzeichnet. Ende November startete er mit der Revitalisierung der alten Gemäuer. Das Mauerwerk wurde mithilfe von Hubsteigern entgrünt, der Bewuchs von den Mauern entfernt und anschließend wurden die Ruine sowie der Weg von Schuttkegeln befreit.

„Das waren einige hundert Kubik an Schutt und Erdmaterial, was wir entfernt haben. Seit dem Brand wurde nichts mehr saniert. Der Bund ließ die Ruine verfallen“, erzählt Wagner. Die Marktgemeinde wollte da nicht länger zusehen und erwarb das gesamte Grundstück 1998. Für eine Restaurierung fehlten allerdings das nötige Know-how und auch das Kleingeld.

Bundesdenkmalamt bei Restaurierung vor Ort

Anton Wagner hat dieses Know-how und vor allem auch die Begeisterung dafür. „Mittlerweile haben wir eine gute Arbeitsebene rund um die Ruine geschaffen. Den Schutt haben wir vorerst hinter der Ruine abgelegt. Für die Restaurierung wird er dann wieder verwendet“, erklärt der Gewölbebauer. Begleitet wurden die Maßnahmen übrigens von drei Archäologen, die die Schritte für das Bundesdenkmalamt dokumentiert haben. Da die Ruine unter Denkmalschutz steht, muss nämlich jeder Renovierungsschritt mit dem Bundesdenkmalamt abgeklärt und besprochen werden.

Der Boden im Eingangsbereich stammt übrigens noch original aus dem 16. Jahrhundert. „Damit er erhalten bleibt, haben wir jetzt eine Schuttschicht darüber gelegt. Später werden wir ihn wieder freilegen“, verspricht Wagner.

Wie es weitergeht?

Bis zum September werden 3D-Laserscan-Aufnahmen mit Bildplänen und Wandabwicklungen erstellt. „Dadurch bleiben die Restaurierungsvorgänge nachvollziehbar und eine bauhistorische Untersuchung der Bestandsruine wird möglich“, erklärt der Profi. Darüber hinaus wird die Entgrünung fortgesetzt, die Schuttkegeln bei den Arkadenbögen im Innenhof werden entfernt und die Mauerkronen im Süd- und Westtrakt sollen statisch gesichert werden. Dann steht auch noch die Sanierung und teilweise Wiederherstellung der Fensterbögen an der Westfassade an.

Wagner plant außerdem die Mauersicherung an der Ostfassade durch stückweises Erneuern der Fundamente – „Pilgerschrittverfahren“ genannt. „Mein Ziel wäre es, die Außenmauern ganz zu schließen“, ergänzt er. Interessant: Laut Anton Wagner war die Ruine Perwarth ähnlich gebaut wie etwa das Schloss Wolfpassing sowie das Schloss Weinzierl.

Ein sicher begehbares Kulturjuwel soll auch die Ruine Perwarth einmal werden. „Ich möchte das Bauwerk instandsetzen, sodass es ungefährlich besichtigt und für Veranstaltungen genutzt werden kann“, hofft Wagner. Als Hochzeits- oder Eventlocation könnte er sich die Ruine ebenfalls gut vorstellen. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – bis auf die Sicherheit.“