Kickl, Teufel & Migration: Aufreger im Bezirk Scheibbs. Kickl-Radtour mit Gegendemos, Teufel-Kontakte und eine besondere Plattform.

Erstellt am 24. September 2019 (03:43)
Die Scheibbserin Eva Hottenroth vom „Verein Willkommen (rechts) beim Pressegespräch der Plattform „Sechs Fragen“ mit Erika Kudweis, Katharina Stemberger und Lukas Gahleitner (von links).
Unger

Am Samstag radelte FPÖ NÖ-Spitzenkandidat Herbert Kickl mit Edith Mühlberghuber und 30 Parteifreunden von Garsten nach Waidhofen. Dabei sah sich der FP-Politiker immer wieder mit Protestkundgebungen konfrontiert. Beim Mittagessen in Seitenstetten demonstrierte ein überparteiliches Bündnis unter dem Motto „Zwickl statt Kickl – Kundgebung gegen Rechtsextremismus“ lautstark.

Ein Pfeifkonzert empfing Kickl dann auch in Waidhofen, wo sich gut 200 Demonstranten versammelt hatten. Die Initiative „Waidhofen stellt sich quer“ hatte zum Protestempfang geladen. Kickl nahm es gelassen: „Die sind zwar die Lauteren, aber wir sind die Gescheiteren.“

96.000 Kilometer und Nachrichten von Sellner

In Verteidigungsposition musste sich auch Kickls ehemaliger Kabinettschef FPÖ-Landtagsabgeordneter Reinhard Teufel in der Vorwoche gleich zwei Mal begeben. Am Samstag sah sich der FPÖ-Bezirksparteiobmann aus Lackenhof, Nummer drei auf der Wahlkreisliste, mit Vorwürfen von „profil“ und dem „ORF“ wegen seiner Dienstwagennutzung als Kabinettschef (mehr als 96.000 Kilometer in 17 Monaten Amtszeit) konfrontiert, die Teufel selbst als „Schmuddelkampagne im Vorfeld der Nationalratswahl“ abtat. „Alles ist rechtlich sauber wie es der Dienstfahrtenerlass, der für alle Führungskräfte gilt, vorsieht“, betont Teufel .

Reinhard Teufel (FPÖ) wurde in der Vorwoche mit zwei Vorwürfen konfrontiert.
Kerschbaummayr

Am Sonntag berichtete „Österreich“, das in einem Bericht des Verfassungsschutzes enge Kontakte zwischen Identitären-Chef Martin Sellner und dem FPÖ-Politiker aufgetaucht seien. „Es gab ein Treffen von mir mit Herrn Sellner 2015. Damals habe ich als Büroleiter von Heinz-Christian Strache mit allen möglichen Gruppierungen vom rechten bis zum linken Rand kommuniziert. Danach hat er mir hin und wieder Nachrichten auf mein Handy geschickt, die ich fallweise beantwortet habe.

Das habe ich aber bereits im August klar gestellt. Als Kabinettschef im Innenministerium hatte ich keinen Kontakt mehr mit ihm“, erklärte Teufel der NÖN und interpretiert diese neuerlichen Vorwürfe als bewussten Schädigungsversuch. Rückendeckung erhält Teufel dabei sowohl von Herbert Kickl als auch von Norbert Hofer, der dabei nichts Verwerfliches erkennen konnte. Kickl sprach gar von einem „Rufmord an einer untadeligen Person.“

Auf Initiative von „Willkommen. Verein zum Finden einer neuen Heimat“ aus Scheibbs haben sich mehrere Vereine im Asyl- und Menschenrechtsbereich sowie Künstler wie Josef Hader und Katharina Stemberger zu einer Plattform zusammengeschlossen und sechs Fragen zum Thma Migration an die wahlwerbenden Parteien gestellt. Die Ergebnisse – alle Parteien bis auf die FPÖ haben geantwortet – wurden nun präsentiert. „Die Entwicklungen der letzten Jahre haben in uns die Sorge um das gute Miteinander in Österreich wachsen lassen. Eine Sorge, die nicht unbegründet ist, wie man an den Antworten vor allem auch bei der ÖVP sieht“, erklärt Eva Hottenroth ( www.willkommen-in-oesterreich.at).

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