Unhold oder unschuldig? 63-Jähriger freigesprochen. Durch sein Verhalten sollte Wiener Mädchen bei Badeplatz an der Melk sittlich gefährdet haben. Ob Tatbestand erfüllt war, musste Bezirksrichter klären.

Von Karin Katona. Erstellt am 10. Dezember 2020 (05:16)
APA (Symbolbild)

Wegen sittlicher Gefährdung von Personen unter 16 Jahren stand ein 63-jähriger Wiener vor Bezirksrichter Oliver Baumschlager. An einem Badeplatz an der Melk sollte er sich am 30. Juli und am 1. August vor drei Mädchen im Alter von 12, 13 und 14 zweimal entblößt und einmal dabei auch selbst befriedigt haben.

Was der Mann vehement bestritt. Einen Fehler habe er gemacht, gab er zu, nämlich den, sich nach einer Fahrradtour in der Nähe der Mädchen nackt gesonnt zu haben. Jedoch habe er angenommen, das an einer für die Teenager uneinsehbaren Stelle zu tun. Dem Richter präsentierte er eine Luftbildaufnahme des Platzes, auf der die Liegeplätze verzeichnet sind. „Sexuelle Handlungen habe ich nicht begangen“, versicherte der 63-Jährige. „Ich habe die Mädchen beim Ankommen gegrüßt, aber dann kaum gesehen oder beachtet.“ Eines der Mädchen hätte ihn jedoch im Vorbeigehen dabei überrascht, wie er sich gerade die Hose wieder anziehen wollte: „Dabei habe ich mich kurz mit der Hand bedeckt.“

Am nächsten Tag habe er, wie einige Tage zuvor, nach einer Radtour am Melkufer ein Sonnenbad nehmen wollen, wieder ohne Badehose. Dabei habe er sich nichts gedacht: „Im Vorbeifahren habe ich immer wieder Leute gesehen, die am Melkufer nackt gebadet haben.“ Das Melktal sei dennoch nicht die Lobau, mahnte der Richter: „Da ist FKK nicht üblich.“

Nicht an nackte Männer an ihrem Badestrand gewöhnt waren auch die jungen Mädchen, die den Wiener zu Gesicht bekamen. „Er hat zu uns rübergeschaut und sich einen runtergeholt“, sagten die drei einstimmig. Der Angeklagte konnte auch das erklären: „Alles war plötzlich voller Ameisen. Da habe ich hektisch an mir herumgewischt. Vielleicht hat das so ausgesehen, als würde ich masturbieren.“ Auf die – sehr einfühlsam gestellte – Frage des Richters, ob der Mann dabei erregt gewesen sei, konnten die Mädchen keine sichere Antwort geben. Das Urteil des Richters: „Durch Ausziehen wie am ersten Tag ist noch kein Tatbestand erfüllt, der Freispruch für den zweiten Tag ergeht im Zweifel für den Angeklagten.“