Spendensammlung: Ein Alpaka braucht seine Mama . Mutter des dreibeinigen Alpakafohlens Benita darf dank Spendenaktion beim Tag der offenen Tür auf Esperanza bleiben.

Von Karin Katona. Erstellt am 01. November 2019 (03:25)
Gerhard Rötzer
Esperanza-Leiterin Martina Kotzina, Konrad, Robert und Betreuerin Alina Reisenbichler (von links) freuen sich, dass das dreibeinige Alpaka-FohlenBenita (ganz vorn) seine Mama bei sich behalten darf.

Einen Platz finden, wo man erwünscht ist und akzeptiert wird, mit allen Stärken und Schwächen – ein Gefühl, das Martina Kotzina und ihr Team auf dem Therapie-Hof Esperanza bei Oberndorf Jugendlichen in sozial schwierigen Situationen geben wollen. Neun Kinder und Jugendliche und 70 Tiere leben im Zentrum für tiergestützte Pädagogik, das als Österreichs erste Einrichtung dieser Art vor Kurzem sein 25-jähriges Jubiläum feierte.

Der tierische Neuzugang auf dem Hof ist Benita, ein Alpakafohlen, das aufgrund eines Unfalls ein Bein verlor und eingeschläfert werden sollte. „Die Vorbesitzer zeigten Herz und stellten seine Mutter für ein halbes Jahr zur Verfügung, bis Benita von der Muttermilch entwöhnt wird. Dann sollte sie wieder zurück in den Zuchtbetrieb“, erzählt Martina Kotzina.

„Die Themen der Tiere spiegeln oft die Themen der Kinder. Das Schicksal des kleinen Alpakas hat sie sehr berührt.“Martina Kotzina

Der Plan, Benitas Mutter wieder herzugeben, stieß bei den Kindern auf Esperanza jedoch auf heftigen Widerstand. Die Themen der Tiere, sagt Esperanza-Leiterin Martina Kotzina, spiegeln oft die Themen der Kinder: „Die bei uns lebenden Kinder wissen oft um das Gefühl, alleingelassen zu werden. Benitas Situation und die bevorstehende Trennung von Mutter und Kind haben sie daher sehr berührt.“

Schnell stand der Entschluss fest: Mama Bibiane muss bleiben! Doch mit welchem Geld? Die Idee, beim bevorstehenden Tag der offenen Tür Spenden zu sammeln, war naheliegend, erforderte aber den völligen Einsatz aller Esperanza-Bewohner: Kräuterkissen wurden genäht, Alpakawollseifen gemacht, Hauben aus Alpakawolle gestrickt, ein Flohmarkt vorbereitet, eine Jugendliche hatte den Mut, auf der Bühne das gemeinsame Anliegen zu erklären.

„Am Ende des Tages konnten wir verkünden: Wir haben es geschafft! 80 Prozent des notwendigen Betrags haben wir selber aufgebracht, die fehlenden 20 Prozent hat Bürgermeister Walter Seiberl noch beim Fest als private Spende zugesagt“, sagt Martina Kotzina und freut sich doppelt: „Das ist auch eine unbezahlbare Erfahrung für unsere Kinder und Jugendlichen: Sie haben sich für ein schwächeres Lebewesen eingesetzt, das unsere Unterstützung braucht, von sich aus etwas auf die Beine gestellt, sich ein Ziel gesetzt – und sie haben es erreicht.