Ratscher gehen auch im Bezirk Scheibbs wieder auf Tour. Unter Berücksichtigung der Covid-Maßnahmen werden heuer vielerorts die Ratschen im Bezirk geschwungen.

Von Anna Faltner, Claudia Christ und Karin Katona. Erstellt am 24. März 2021 (05:33)
Josef, Karoline und Magdalena Pernkopf, im Bild mit der kleinen Schwester Valerie, sind in der Wieselburger Pfarrgemeinde von Dechant Daniel Kostrzycki auch heuer mit den Ratschen unterwegs. Foto: Heigl/Pfarre Wieselburg
Heigl/Pfarre Wieselburg

Josef, Karoline und Magdalena Pernkopf sind in Weinzierl mit den Ratschen unterwegs. Sie sind von dieser Aufgabe total begeistert und wollen sich das Ratschen auf gar keinen Fall nehmen lassen.

Das Brauchtum des Ratschens wird auch heuer in der Pfarre Wieselburg stattfinden. Geratscht wird am Karfreitag um 6 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr. Die Ratschenkinder sind nicht flächendeckend in ganz Wieselburg unterwegs, eher in den Siedlungen wo Ministranten wohnen. Normalerweise sind 15 bis 20 Ratschenkinder unterwegs, heuer werden es etwas weniger sein.

„Durch das Ratschen werden die Menschen an das Gebet erinnert und es ist uns wichtig, dass dieser Brauch erhalten bleibt“, erklärt die 17-jährige Magdalena Pernkopf entschlossen. Außerdem mache es Spaß, den Tag mit Geschwistern und Freunden zu verbringen, sind sich die Wieselburger Ratschenkinder einig.

„Ostern ohne Ratschen wäre fast wie Weihnachten ohne Tannenbaum!“ Magdalena Pernkopf

Alle, die nicht in einem Haushalt leben, werden heuer mit Masken und Abstand unterwegs sein. Der Freude am Ratschen tut das keinen Abbruch. Auch das zeitige Aufstehen scheint den Kids nichts auszumachen. Sie treffen sich immerhin schon vor sechs Uhr bei der Pfarrkirche, wo sie die großen Ratschen abholen und vom Pfarrer gesegnet werden.

Die Karwoche ist für die Ratschenkinder, die alle auch Ministranten sind, recht anstrengend und vor allem der Karsamstag oft stressig. „Da hat man sich Ostern dann richtig verdient“, gestehen sie lächelnd. Trotz allem und gerade deshalb gehört das Ratschen zu Ostern dazu: „Ostern ohne Ratschen wäre fast wie Weihnachten ohne Tannenbaum!“

Kurz nachdem bekannt wurde, dass das Ratschen heuer erlaubt ist, hatten sich in der Pfarre Purgstall schon 30 Ministranten dafür angemeldet. „Es werden sicher noch ein paar mehr werden“, sagt Pastoralassistentin Hemma Putschögl. „Wir werden unser Möglichstes tun, alle Gebiete abzudecken, bitten aber um Verständnis, dass vielleicht nicht überall in der Pfarre jemand ratschen geht.“

Am Karfreitag werden die Kinder durch die Straßen gehen und ratschen, am Karsamstag kommen sie zu den Häusern und sagen ihren Spruch auf. „Es werden Geschwister und Kinder aus der gleichen Klasse unterwegs sein, sie gehen nicht in die Häuser und werden den Abstand zu anderen Personen einhalten“, kündigt Putschögl an.

„Angesichts der steigenden Infektionszahlen und einem Telefonat mit der Bezirkshauptmannschaft glaube ich fast nicht daran, aber wir werden uns erst endgültig in der Karwoche entscheiden.“Elisabeth Mitterauer aus St. Georgen an der Leys

In St. Georgen/Leys betreut Elisabeth Mitterauer seit Jahren die Ratschenkinder. Dass in ihrer Pfarrgemeinde heuer diese Tradition stattfinden kann, bezweifelt sie stark. „Angesichts der steigenden Infektionszahlen und einem Telefonat mit der Bezirkshauptmannschaft glaube ich fast nicht daran, aber wir werden uns erst endgültig in der Karwoche entscheiden“, meint sie.

Bedenken von Eltern hat Mitterauer bislang nicht vernommen, „aber für die Kinder tut es mir sehr leid, denn die freuen sich jedes Jahr sehr darauf, besonders auf die Süßigkeiten und das Geld, dass sie dabei sammeln und das normalerweise für den gemeinsamen Ausflug verwendet wird.“

Deshalb wird bei einer Absage der Ratschenaktion in St. Georgen/Leys Plan B in Kraft treten. Wie schon auch im Vorjahr will man hier dann auf das „Ratschen in Patschen“ setzen. „Dann werden wir halt alle, wie im Vorjahr am Karfreitag, um 15 Uhr im Garten stehen und die Ratschen schwingen lassen“, sagt Mitterauer.

Diese Option wäre auch für Pastoralassistent Gregor Puchegger für seine Gaminger Pfarrgemeinde eine mögliche: „Wir werden natürlich kein Risiko eingehen.“ Ob die 70 Kinder der Pfarrgemeinschaft in Kleingruppen durch die Pfarren Lunz, Gaming und Lackenhof ziehen werden, will er sich noch offen halten. „Wir müssen erst noch beraten, wie wir das heuer machen werden. Eine Entscheidung soll aber noch in dieser Woche fallen.“

In Steinakirchen orientiert sich die Ratschenaktion heuer ein wenig an der Sternsingeraktion. Mit Mund-Nasenschutz und in Kleingruppen (meist drei Kinder) aufgeteilt werden die knapp 80 Ministranten im gesamten Pfarrgebiet unterwegs sein. 50 davon sind in Steinakirchen und Wolfpassing unterwegs, 20 in Wang und acht in Pyhrafeld.

„Bei uns ist das Ratschen den Ministranten vorbehalten. Für sie ist das zugleich eine Anerkennung, weil sie das ganze Jahr über ministrieren“, betont Pfarrer Hans Lagler. Fremde Häuser dürfen die Kinder heuer natürlich nicht betreten. Die Spenden werden per Kasse entgegengenommen. Dass die Aktion, anders als im Vorjahr, wieder möglich ist, freut alle Beteiligten sehr. Immerhin hat die Tradition einen wichtigen Stellenwert in der Pfarrgemeinde.

Auch in Puchenstuben und St. Anton/Jeßnitz findet die Ratschen-Aktion unter Einhaltung der Bestimmungen statt.

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