Göstlingerin für Einsatz gegen Pandemie ausgezeichnet. Maria Swittalek war eine der ersten ehrenamtlichen Covid-19- Tester. Für ihr Engagement wurde sie geehrt.

Von Anna Faltner. Erstellt am 04. November 2020 (04:57)
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Eine Siegerin des Votings „Österreicher des Jahres“ im Team. RK-Bezirksstellenleiter Kurt Schlögl ist stolz auf seine ehrenamtliche Mitarbeiterin Maria Swittalek und gratulierte mit Blumen zur Auszeichnung.
Anna Faltner

Mitte März 2020. Tag eins allein im Rettungsauto. Maria Swittalek hat eine lange Liste vor sich. Sie fährt elf Stunden lang durchs ganze Mostviertel und führt Testungen durch, die es ein paar Tage zuvor noch gar nicht gab. Und zwar an Personen, die Klarheit suchen. Die kann sie ihnen allerdings nicht geben. „Ich hab‘ ja selber nicht gewusst, auf was ich mich da genau einlasse. Niemand wusste zu dem Zeitpunkt, wie gefährlich das Virus wirklich ist“, erzählt die 23-jährige Göstlingerin. Trotzdem war sie eine der ersten, die sich freiwillig beim Roten Kreuz meldeten, um Covid-19-Testungen durchzuführen. 23 Tests waren es an ihrem ersten Tag. Und es wurden nicht weniger.

Das Prozedere zu Beginn der Coronakrise war fast immer dasselbe. „Wir wussten schon in der Früh, dass wir nicht alles schaffen werden. Aber wir haben uns die bestmögliche Route zusammengestellt, damit wir so viele Tests wie möglich an einem Tag schaffen“, berichtet Swittalek. In der Anfangszeit mussten die Tester sogar vor Beginn und nach Ende ihrer Testroute nach St. Pölten fahren, um die Teststäbchen abzuholen und dann wieder abzuliefern.

 „Ich hab‘ selber nicht gewusst, auf was ich mich da einlasse. Niemand wusste zu dem Zeitpunkt, wie gefährlich Corona ist.“ Maria Swittalek

 Wie groß ist da die Sorge, sich selbst zu infizieren? „Klar denkt man daran. Ich wollte am Anfang nicht mal meine Jausensemmel angreifen. Das Virus konnte überall sein. Wir hatten ja keine Erfahrungswerte“, erinnert sich die 23-Jährige. Nach jeder Testung wird die komplette Schutzausrüstung abgelegt und entsorgt. Neben der FFP3-Maske werden noch Schutzbrille und ein Mantel benötigt. Getestet wurde übrigens nie im Haus der Verdachtspersonen. „Immer nur im Garten oder direkt an der Haustüre“, betont Swittalek. Nach einem langen (ehrenamtlichen!) Tag als Testerin war das Thema Corona für die Medizinstudentin aber noch nicht abgehakt. Zwar hat sie nach ihrem Einsatz direkt in der Rot-Kreuz-Stelle geduscht und ihre Kleidung getauscht, um auf Nummer sicher zu gehen, wiederholte sie das zuhause noch einmal. „Ich habe umgehend gelernt, mit dem Virus umzugehen und Abstand zu halten. Man hat das Gefühl, diese Schutzausrüstung trennt einen von der Welt, aber eben auch vom Virus.“

Gerade in den ersten Tagen hat sie sich selbst öfter gefragt, warum sie sich dieser Gefahr aussetzt, eventuell sich selbst und auch Angehörige zu infizieren. „Meine Familie hat mich aber extrem unterstützt und mich ermutigt, weiterzumachen“, erzählt sie dankbar. Und so war sie von März bis Mai regelmäßig unterwegs, um Verdachtsfälle aufzuklären – ohne sich dabei zu infizieren. Eine Entlastung kam dann mit der Einführung der Covid-Drive-In-Station in Amstetten.

Eine Vertreterin für die freiwilligen Test-Trupps

Ein paar hundert Kilometer legte die Göstlingerin in dieser Zeit oft an einem Tag zurück. Hochgerechnet auf alle 15 ehrenamtlichen Covid-Tester vom Roten Kreuz Scheibbs waren es bisher 45.000 Kilometer. In den vergangenen eineinhalb Monaten wurden 555 Testungen durchgeführt. Dass die Schutzausrüstung nach wie vor notwendig ist, hebt auch RK-Bezirksstellenleiter Kurt Schlögl hervor: „Der Schutz unserer Leute an vorderster Front ist uns extrem wichtig.“ War Not an Material, wurden sogar Regenponchos (die eine ähnliche Funktion haben) verwendet.

Für Maria Swittalek startete im August das Medizinstudium in Salzburg. Ihr Engagement für das Rote Kreuz und die Menschen in ihrer Heimat bleibt aber unvergessen. Dafür sorgten die Leser der Tageszeitung „Die Presse“, indem sie die junge Göstlingerin in der Kategorie „humanitäres Engagement“ beim Voting zum „Österreicher des Jahres“ ganz nach vorne gewählt haben. Das Preisgeld von 10.000 Euro geht an das Rote Kreuz. Dort wird es für den Bereich Freiwilligendienst eingesetzt. „Wir sind sehr stolz auf unsere Maria. Sie ist eine besonders engagierte Mitarbeiterin“, lobt RK-Bezirksstellenleiter Kurt Schlögl. Die Siegerin selbst bleibt bescheiden. Sie sieht sich dabei als Vertreterin für alle Ehrenamtlichen.