Elisabeth Kellnreiter: „Ich mache jetzt den Weg frei“. VP-Frauen-Bezirksvorsitzende Elisabeth Kellnreiter legt nach 23 Jahren Amt zurück. Auch Stellvertreterin Anni Wurzenberger geht.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 05. September 2017 (05:01)
Elisabeth Kellnreiter schmökerte beim NÖN-Gespräch über ihren Rücktritt auch in alten Protokollbüchern der ÖVP-Frauen.
Eplinger

Schwarz, weiblich, stark – dieses Motto hatte sich Elisabeth Kellnreiter seit 23 Jahren auf ihre Fahnen geheftet. Damals, am 1. August 1994, hat sie den Vorsitz über die ÖVP-Frauenorganisation im Ötscherland-Bezirk übernommen. Eine Funktion, die sie nun mit 10. September zurücklegt.

"Darüber werden sich einige freuen"

„Ich mache den Weg frei“, sagt die 59-jährige Steinakirchner Hauptschuldirektorin. „Darüber werden sich jetzt einige sicherlich freuen“, ergänzt sie in Anspielung auf etliche innerparteiliche Konflikte, die sie in den letzten Jahren und Jahrzehnten sowohl in der Ortspartei als auch bei den VP-Frauen hatte.

Bei der letzten Wiederwahl von Kellnreiter zur Bezirksvorsitzenden 2013 hatten ja zwölf Frauen Einspruch gegen die Wahl erhoben. Dieser wurde vom ÖVP-Schiedsgericht des Landes aber abgewiesen. Seit damals hängt der Haussegen unter den sechs Ortsgruppen bei den ÖVP-Frauen im Bezirk endgültig schief.

Auch VP-Bezirksobmann Anton Erber und Elisabeth Kellnreiter werden wohl keine wahren Busenfreunde mehr. „Seit ich bei der letzten Landtagswahl als Frau offensiv eine Frau und nicht ihn unterstützt habe, bin ich bei ihm in Ungnade gefallen. Aber damit kann ich leben“, sagt Kellnreiter, die erst im Vorjahr nach dem privaten Kauf des ehemaligen Gasthauses Neckar und damit innerparteilich verbundenen Zwistigkeiten mit der Steinakirchner ÖVP ihr Gemeinderatsmandat zurückgelegt hatte.

Keine Weichenstellung, keine Wunschkandidatin

Weichen für ihre Nachfolge bei den Bezirksfrauen hat sie nicht gestellt. „Ich schicke da niemanden ins Feuer und habe auch keine Wunschkandidatin. Die wird es eh von anderer Seite her geben“, vermutet Kellnreiter. Mit ihr legt auch ihre Stellvertreterin Anni Wurzenberger aus Oberndorf ihr Amt zurück. Damit sind Neuwahlen bei den VP-Frauen im Herbst ohnehin unumgänglich.

Kellnreiters politisches Engagement begann 1990. Damals holte sie der ÖAAB auf die Kandidatenliste der Gemeinderatswahlen. Zwei Jahre später rückte sie in den Steinakirchner Gemeinderat nach und wurde fast gleichzeitig zur neuen Vorsitzenden der Frauen-Ortsgruppe Steinakirchen gewählt. Diese Funktion hatte sie bis 2001 inne. Unter ihrem Bezirksvorsitz stieg die Mitgliederanzahl der Frauenbewegung signifikant in die Höhe. Auch neue Ortsgrupppen wurden gegründet, sodass es in der Hochblüte acht Frauen-Ortsgruppen im Bezirk gab.

Auf Kellnreiters Engagement hin wurden auch die Frauen Aktiv-Wochen ins Leben gerufen. Diese fanden heuer im März zum 17. Mal statt. Auch die vier verschiedenen Ötscherland-Kochbücher entstanden und brachten der Frauenbewegung viel Renommee und jede Menge Einnahmen. Die Bücherbestände und das vorhandene Geld müsse sie diese Woche noch übergeben, dann habe sie sich aller Verpflichtungen entledigt.

„Bleibe ein sehr politischer Mensch“

„Ich bleibe aber natürlich nach wie vor ein politischer Mensch und verfolge das Geschehen weiter. Aber ich wollte jetzt bei den anstehenden Entscheidungen im Vorfeld der Landtagswahl 2018 nicht mehr mitwirken. Das sollen andere machen“, erklärt Kellnreiter, die aber betont, nicht im Groll zu gehen. „Der Schritt ist lange überlegt und für mich einfach jetzt der richtige.“

Den Bezirksvorsitz beim Hilfswerk Ötscherland wird Kellnreiter ebenso weiter innehaben wie das Obfrauenamt beim Verein Steinakirchen Aktiv.

ÖVP-Bezirksparteiobmann Anton Erber nahm den Rücktritt Kellnreiters zur Kenntnis, wollte ihn aber nicht weiter kommentieren. Nur so viel: „Kellnreiter hat durchaus viel für die Frauenbewegung geleistet, war sehr fleißig und hatte viele Ideen. Aber sie hatte auch immer ihre eigene Meinung und diese vehement vertreten. Nur haben sich nicht immer alle mitgenommen gefühlt. Das bedingte ein gewisses Konfliktpotenzial.“ Eine Aussage, die übrigens Elisabeth Kellnreiter selbst unterstreichen würde: „Ich hatte immer meine eigene Linie, zu der stehe ich.“