Scheibbs ringt um Hausärzte. Scheibbs könnte 2021 gleich zwei Allgemeinmediziner verlieren. Gemeinde will mit Förderung und Ärztezentrum entgegenwirken.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 25. November 2020 (06:09)
Das ehemalige Teufl-Haus bietet sich in Scheibbs als künftiges Ärztezentrum an. Doch wer trägt die Investitionskosten?
Christian Eplinger

Mit 13. November endete wieder einmal eine Ausschreibungsfrist für freie Kassenstellen für Allgemeinmediziner der Ärztekammer Niederösterreich. Zum bereits vierten Mal ausgeschrieben war dabei auch die ab 1. Jänner 2021 freie Kassenstelle von Dr. Paul Kupelwieser. Der 68-Jährige geht mit Jahresende in Pension.

„Eigentlich wäre ich ja schon seit zwei Jahren in Pension, habe dann aber verlängert, weil sich kein Nachfolger gefunden hat. Mit Jahresende ist jetzt aber endgültig Schluss“, erklärt Paul Kupelwieser gegenüber der NÖN. Seit 1990 war er in der Region als praktischer Arzt tätig, zuerst in St. Anton, seit 1992 in seiner Ordination in der Schulgasse in Scheibbs.

„Früher haben sich Ärzte Geld aufgenommen, um eine Ordination zu eröffnen – jetzt müssen das scheinbar die Gemeinden tun.“ Franz Aigner, Bürgermeister

Auch sein Berufskollege Dr. Karl Heinrich Exinger (62) spielt mit dem Gedanken, sich im Laufe des Jahres 2021 in den Ruhe stand zurückziehen. Wie es mit seiner Praxis, die vorerst noch nicht ausgeschrieben ist, weitergeht, ist offen. „Es laufen Gespräche in die unterschiedlichsten Richtungen. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn meine Praxis eins zu eins fortgesetzt werden kann. Vom Netzwerk her haben wir in Scheibbs eine sehr gute Zusammenarbeit unter den Ärzten. Die Kontinuität der Betreuung des Patienten und das Kennen des sozialen Umfeldes ist ein enormer, uneinholbarer Vorteil des Hausarztes. Aber um eine Ordination zu übernehmen, müssen für einen jungen Kollegen oder eine junge Kollegin die Rahmenbedingungen passen“, sagt Exinger.

Genau da ereilen die Scheibbser Ärzte (Allgemeinmediziner und Fachärzte) immer wieder auch Lockrufe aus der Stadtgemeinde Wieselburg. Dort winkt SP-Bürgermeister Josef Leitner mit einer hohen Förderung (siehe Artikel unten). „Mit der Höhe der in Wieselburg in Aussicht gestellten Förderung können wir leider nicht mithalten. Dennoch wollen wir ein Zeichen für die Stärkung der medizinischen Versorgung auch abseits des Landesklinikums in unserer Stadt setzen“, sagt der Scheibbser VP-Stadtchef Franz Aigner. Gespräche wegen einer möglichen Förderung für Ärzte laufen und könnten bereits in der Gemeinderatssitzung am 10. Dezember beschlossen werden.

Kommt Ärztezentrum?

Ein noch „ungelegtes Ei“ ist die Idee eines Ärztezentrums in Scheibbs in Verbindung mit dem Landesklinikum. Im Blickpunkt steht das Teufl-Haus, das seit acht Jahren im Besitz des Landes ist und unmittelbar zwischen Spital und dem Parkplatz des Klinikums liegt. Das aus den 60er-Jahren stammende Haus könnte abgerissen und an dessen Stelle ein modernes Ärztezentrum errichtet werden, das sowohl praktische Ärzte als auch Fachärzte und Therapeuten räumlich vereinen könnte.

„Um Ärzte nach Scheibbs zu holen, bedarf es auch einer passenden Infrastruktur. Das Teufl-Haus bietet sich an. Noch dazu wenn man bedenkt, dass viele Ordinationen in Scheibbs – auch von Fachärzten – nicht behindertengerecht sind. Und mit der Verbindung zum Landesklinikum könnten sich Synergien in beide Richtungen ergeben“, erklärt Bürgermeister Aigner.

Das Management dieses Ärztezentrums könnte vom Landesklinikum mitübernommen werden. Auch andere praktische Ärzte, die ihre Ordination weiterhin an anderen Orten (Scheibbs oder auch St. Anton) betreiben, könnten in dieses Zentrum eingebunden werden. Als Vorbild dazu dient das Primärversorgungsnetzwerk in der Region Mank, das im September als österreichweites Pionierprojekt gestartet ist. Dieses umfasst sechs Ärzte und verschiedene Gesundheitsdienstleister in insgesamt sechs Gemeinden.

Ob diese auch vom Klinikum Scheibbs unterstützte Idee in die Realität umgesetzt werden kann, hängt vor allem an den Investitionskosten. Denn irgendwer muss die Baumaßnahmen finanzieren. „Wir sind seit knapp einem Jahr in Gesprächen mit den Landespolitikern und den Vertretern der Gesundheitsagentur. Ich hoffe, dass wir bald einen positiven Abschluss zustande bringen“, schickt Bürgermeister Franz Aigner einen Wunschzettel an das Christkind.