Purgstaller Kurvenwirt sagt zum Abschied "leise Servus"

Mit der Schließung des Gasthauses Kurvenwirt von Roswitha und Franz Steinmetz geht eine Ära der Gastlichkeit zu Ende.

Karin Katona
Karin Katona Erstellt am 25. August 2021 | 05:17
Franz und Roswitha Steinmetz
Abschied von einer Institution: Franz und Roswitha Steinmetz haben vor vierzig Jahren das Gasthaus Kurvenwirt in Purgstall übernommen. Am 12. September ist der letzte Öffnungstag, dann gehen die Wirtsleute in Pension.
Viele Gäste kommen jetzt noch ein letztes Mal auf ein Schnitzel.
 
Foto: Karin Katona

Genau vierzig Jahre ist es her, dass Franz und Roswitha Steinmetz das Gasthaus Kurvenwirt in der Purgstaller Pöchlarnerstraße übernommen haben. Das Jubiläum ist zwar ein freudiger Anlass, für die beiden aber auch ein Zeitpunkt, sich in den Ruhestand zu verabschieden.

Der 12. September wird der letzte Tag sein, an dem beim Kurvenwirt noch Gäste begrüßt werden, dann schließt das Gasthaus Steinmetz für immer.
Dass der Abschied nicht leicht fällt, ist klar. „Es ist, wie man so banal sagt, mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Roswitha Steinmetz. Einerseits freuen sie und ihr Mann sich auf mehr Ruhe, Reisen, Urlaube, die auch einmal länger und spontaner sein dürfen als die maximal vierzehn Tage im Jahr, in denen man das Wirtshaus allein lassen konnte oder wollte. Andererseits werde der Abschied von den Stammgästen hart werden.


„Viele Gäste sind schon ein Teil der Familie“

„Viele kommen von Tag eins an zu uns, sind in all den Jahren enge Freunde, fast ein Teil der Familie, geworden“, sagt Franz Steinmetz. Den Umgang mit ihren Stammgästen haben Franz und Roswitha Steinmetz weit über den Stammtisch hinaus gepflegt. Jedes Jahr haben sie sich im Herbst eine Woche Zeit genommen, um mit ihren Stammgästen einen „Betriebsausflug“ zu unternehmen. Durchschnittlich 45 Personen seien bei den Reisen dabeigewesen, schildert Roswitha Steinmetz. Noch heute schwelge man ab und zu gemeinsam in Erinnerungen an diese Zeiten.
Als ganz junges Pärchen – Franz Steinmetz war 22, seine Frau 20 Jahre alt – hatten sie sich drübergetraut, allein ein Wirtshaus in Purgstall zur Pacht zu übernehmen.

Der Wirt in der Küche, die Wirtin im Service. „Wir haben einen Restaurantbetrieb mit gutbürgerlicher Küche aufgebaut, der von unseren Gästen sehr geschätzt wurde. Auch die Mittagsmenüs waren extrem beliebt“, erzählt Franz Steinmetz. Der schöne, große Gastgarten war im Sommer ein besonderer Anziehungspunkt und in den vergangenen Jahren beliebter Rastplatz für Wanderer aus der Erlaufschlucht und Radfahrer. Kartenrunden, eine Singrunde, die Naturfreunde, eine Wieselburger Wandergruppe – sie alle haben sich bei regelmäßigen Stammtischrunden beim Kurvenwirt wohlgefühlt.


Wenn man ihn fragt, was einen guten Wirt ausmacht, hört man von Franz Steinmetz spontan: „Die Freude im Umgang mit Menschen. Das gilt auch für meine Frau. Das ist der Grund, warum wir mit dem Gasthaus angefangen haben. Und es keinen einzigen Tag bereut haben.“ Ein guter Zuhörer müsse man sein, für die Gäste eine Atmosphäre bieten, in der sie sich wohlfühlen: „Da gehört der persönliche Kontakt unbedingt dazu. Das ist auch die Stärke eines Familienbetriebs. Der Wirt muss selber im Lokal sein, sonst wird das nichts. Wenn man die Arbeit nicht mit Liebe macht, tut man sich so ein Gasthaus am besten gar nicht an.“

„Die Ruhe wird, besonders am Anfang, gewöhnungsbedürftig sein“ Roswitha Steinmetz

Mit der Schließung des Kurvenwirts geht in Purgstall eine lange Wirtshaus-Ära zu Ende. Den Kontakt mit den Stammgästen werde man weiterhin so gut wie möglich halten. „Wir leben zwar in unserem Haus in Mühling, aber wir sind ja nicht aus der Welt. Durch unsere Töchter, die in Purgstall leben, und viele Freunde sind wir weiter mit Purgstall verbunden. Man wird sich sicher weiter treffen, nur in kleinerer Runde.“ Trotzdem: „Die Ruhe wird, besonders am Anfang, gewöhnungsbedürftig sein“, sagt Roswitha Steinmetz nachdenklich.