Scheibbs: Jubel und Kritik an Physio-Institut-Deal . Während sich ÖVP und die Betreiber auf die neue Privatkrankenanstalt, die 2022 eröffnen soll, freuen, hagelt es von der Opposition weiterhin Kritik an Bürgermeister.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 18. August 2021 (05:59)

Die geplante Privatkrankenanstalt für Physiotherapie, Bewegungstherapie und Logopädie der Meta Beteiligungs GmbH bleibt aktuell der politische Dauerbrenner in der Bezirkshauptstadt.

Grundsätzlich begrüßen zwar alle Parteien die Errichtung dieses Gesundheitszentrums in Scheibbs, doch der Verkauf des Gemeindehauses in der Bahnhofstraße 6 zum Preis von 180.000 Euro, wie in der Gemeinderatssitzung nur mit den Stimmen der ÖVP beschlossen (die NÖN berichtete), erhitzt weiterhin die Gemüter und sorgt für politischen Zündstoff in der Bezirkshauptstadt, wie auch der offene Brief des ehemaligen ÖVP-Wirtschafts-Stadtrates Gerhard Radinger in der NÖN zeigt (siehe unten). Doch der Reihe nach.

Die geplante Privatkrankenanstalt

In der Vorwoche präsentierten Christian Endl, Geschäftsführer der Meta Beteiligungs GmbH, und Ex-ÖSV-Damencheftrainer Herbert Mandl, der gebürtige Göstlinger ist an der GmbH beteiligt, die Pläne für das künftige „Physio-Institut Scheibbs“.

Nach dem Vorbild der fünf anderen Metagil-Institut-Standorte (zwei Mal in Salzburg und je eines in Oberndorf bei Salzburg, Knittelfeld und Lienz) sollen hier in Scheibbs ab Jänner 2022 rund 15 Physiotherapeuten pro Tag um die 150 Patienten ambulant behandeln. Die Öffnungszeiten sollen täglich von 7 bis 20 Uhr gehen.

„Insgesamt werden in unserem Institut um die 25 bis 35 Personen beschäftigt sein, von Ärzten über Therapeuten und Masseuren bis hin zu anderem medizinischen Personal.“  Christian Endl, Geschäftsführer der Meta Beteiligungs GmbH

„Insgesamt werden in unserem Institut um die 25 bis 35 Personen beschäftigt sein, von Ärzten über Therapeuten und Masseuren bis hin zu anderem medizinischen Personal. Auch Wahlärzte können bei uns ordinieren“, schildert Endl. Als private Krankenanstalt unterliegt das Institut den Auflagen des NÖ Landeskrankenanstaltengesetzes, wird alle zwei Jahre überprüft, hat aber mit allen Sozialversicherungsträgern Direktverrechnungsverträge.

„Der Vorteil für die Patienten ist daher, dass sie nichts vorab bezahlen müssen“, weiß Endl und ist gemeinsam mit dem künftigen Ärztlichen Leiter des Instituts, Doktor Christian Weihrauch, auch in enger Absprache mit der Orthopädie des Landesklinikums Scheibbs. Diese hat ja heuer eine Aufwertung erfahren. Mehr Patienten in diesem Bereich steigern auch die Nachfrage nach einer entsprechenden Nachbehandlung.

„Beide haben aber ihr grundsätzliches Interesse einer Genehmigung signalisiert“ Christian Endl

Genau hier will Endl ansetzen. Denn laut Studie der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) ist die Region mit Therapieplätzen unterversorgt. Rund 70.000 Einwohner im Nahbereich und bis zu 187.000 Einwohner, für die eine zumutbare Anfahrt von 35 Minuten in Frage kommt, seien auch laut GÖG eine „gesunde Basis“, erklärt Endl. Wenngleich die Verhandlungen mit der Österreichischen Gesundheitskasse selbst und der Landesgesundheitsagentur noch nicht ganz abgeschlossen sind. „Beide haben aber ihr grundsätzliches Interesse einer Genehmigung signalisiert“, sagt Endl.

Mit Ex-ÖSV-Damencheftrainer Herbert Mandl kommt aber auch die sportärztliche Komponente ins Spiel. Der in Tirol lebende Göstlinger bringt seine Erfahrungen im Spitzensport mit ein. Neben der Behandlung zur raschen Mobilisierung nach Operationen oder Unfällen sollen auch Sport- und Leistungsdiagnostik im Institut möglich sein. Dabei setzt man unter anderem auf Einheiten mit dem Anti-Schwerkraft-Laufband AlterG (Kostenpunkt rund 35.000 Euro).

„Wir wollen alle bedienen. Vom Leistungs- und Hobbysportler bis hin zu Hüftprothesen-Patienten“ Herbert Mandl, Ex-ÖSV-Damencheftrainer

„Wir wollen alle bedienen. Vom Leistungs- und Hobbysportler bis hin zu Hüftprothesen-Patienten“, sagt Mandl. Insgesamt investiert die Meta Beteiligungs GmbH in den Standort Scheibbs zusätzlich zum Grundstückskaufpreis von 180.000 Euro weitere rund 350.000 Euro. Darin inkludiert sind auch die erforderlichen Umbaumaßnahmen im Gebäude Bahnhofsstraße 6. Von den Böden bis hin zur Barrierefreiheit (ein Lift wird eingebaut) ist in privaten Krankenanstalten alles genau vorgeschrieben. „Wir arbeiten hier mit lokalen Professionisten zusammen und hoffen, dass sich alles bis Ende des Jahres ausgeht, sodass wir im Jänner 2022 eröffnen können“, sagt Endl.

Warum muss es dieses Gebäude sein? 13 Objekte habe man in Scheibbs gemeinsam besichtigt, erklärt ÖVP-Bürgermeister Franz Aigner. Für Christian Endl sei aber letztendlich nur jenes Objekt in der Bahnhofstraße 6 zur Auswahl gestanden.

„Wir brauchen ein Institut, das sowohl mit Bahn und Bus als auch mit dem Auto gut erreichbar ist. Daher ist dieses Gebäude direkt in Bahnhofsnähe ideal“, sagt Endl. Für Bürgermeister Franz Aigner ist der Verkauf des Gebäudes unter dem Marktwert (liegt je nach Berechnung bei rund dem doppelten Preis) daher auch als Wirtschaftsförderung zu sehen.

„Das Institut wird auch ein entsprechender Frequenzbringer sein und hat damit einen Mehrwert für die gesamte Stadt“ Martin Luger, Vizebürgermeister

Pachtvarianten seien auch aufgrund der Auflagen für eine private Krankenanstalt für die Gemeinde (beziehungsweise die ÖVP) kein Thema gewesen. Außerdem: „Wer ein Haus selbst besitzt und hier investiert, hat noch mehr Interesse am Erfolg“, ist Aigner überzeugt und bekommt dabei Unterstützung von Vizebürgermeister Martin Luger (ÖVP): „Das Institut wird auch ein entsprechender Frequenzbringer sein und hat damit einen Mehrwert für die gesamte Stadt“, ist Luger überzeugt. Außerdem würde der Kaufpreis nicht ins Budget fließen, sondern werde für Sanierungen von anderen Gemeindewohnungen zweckgebunden, verspricht Luger, der zugleich auch Finanzreferent der Stadt ist.

So sieht es die Opposition

Alles Argumente, die die Opposition (SPÖ und BUGS) nach wie vor so nicht gelten lassen wollen. Bürgermeister Franz Aigner und seine Leute nehmen gravierende Kollateralschäden offenbar in Kauf, heißt es in einer Aussendung der Liste BUGS und führt explizit an: „Mieter mussten – zum Teil sehr verärgert – ausziehen, Gemeindeeigentum ist nicht mehr für unsere Nachfahren verfügbar, der marktverzerrend niedrige Verkaufspreis wirft ein Licht von Korruption und Steuerschonung auf den Deal, das Prinzip Ansiedelungsförderung wird ad absurdum geführt.“

Tatsächlich sei der Bürgermeister mit Unterstützung seiner Parteifreunde dabei, Gemeindeeigentum im Wert von 200.000 Euro an ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen zu verschenken, kritisiert die Liste BUGS rund um Stadtrat Joseph Hofmarcher. „Die Wirtschaftspartei ÖVP spricht oft vom Sparen, verschenkt aber dann Gemeindeeigentum. Das ist ein krasser Widerspruch“, sagt Hofmarcher.

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