1,5 Millionen Euro für Primärversorgungszentrum. Grundsatzbeschluss über Zukunft der ärztlichen Versorgung in Purgstall.

Von Karin Katona. Erstellt am 09. Dezember 2020 (15:25)
Um Streitfälle zwischen Ärzten und Patienten außergerichtlich zu regeln, wurde die Schiedsstelle der Ärztekammer gegründet. Patienten können sich an die Stelle wenden, wenn sie glauben, dass eine Behandlung im Spital oder durch niedergelassene Ärzte fehlerhaft war.   
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Der erste Tagesordnungspunkt der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag war auch ihr Highlight: Der Grundsatzbeschluss für das Primärversorgungszentrum am Kirchenplatz. Koordinator für das Projekt ist der Purgstaller Allgemeinmediziner Leopold Auer, der den Mandataren in der Sitzung auch Auskunft über die Pläne gab. Insgesamt sechs Ärzte, fünf Allgemeinmediziner und ein Kinderarzt, werden gemeinsam eine Praxis betreiben, die von Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr geöffnet ist. „Dieses Projekt sichert die Zukunft der ärztlichen Versorgung in der Gemeinde. Es ist einzigartig in der Region“, erklärte Auer den Gemeinderäten.

In puncto medizinische Versorgung habe sich die Lage in der Gemeinde in den vergangenen Jahren zugespitzt: Beide praktizierenden Ärzte im Ort werden in den kommenden vier bis fünf Jahren in Pension gehen, die Nachbesetzung von Planstellen habe sich in vielen Orten der Region als äußerst schwierig erwiesen.

Schließt medizinische Versorgungslücke

„Durch die fehlenden Nachbesetzungen in Purgstall und den Nachbargemeinden ist eine Versorgungslücke entstanden“, informierte Auer die Mandatare. „Daraus ergibt sich für das Primärversorgungszentrum Purgstall eine absolute Versorgungsnotwendigkeit.“ Das PVZ sei darüber hinaus ein wesentlicher Baustein zur Ortskernbelebung.

Im zweiten Quartal 2022 werde das Zentrum seinen Betrieb aufnehmen. „Ein Projekt, an dessen Zustandekommen wir seit Jahren intensiv gearbeitet haben“, sagte VP-Vizebürgermeister Erik Hofreiter. „Und jetzt ist es soweit, wir sind in der Zielgeraden.“

Rund eineinhalb Millionen Euro sind für das Primärversorgungszentrum, das Auer und Bürgermeister Harald Riemer kommende Woche im Detail vorstellen werden, im Budgetvoranschlag 2021 vorgesehen. Der wurde – einstimmig – in derselben Sitzung beschlossen. Neben dem Ärztezentrum sind die letzte Tranche der Stadterneuerung mit 250.000 Euro und der Straßenbau mit 160.000 Euro die größten Posten. „Dann sind wir am Limit“, erklärte SP-Finanzausschuss-Vorsitzender Sepp Fuchs.

Eine dicke Börse hatte die Marktgemeinde Purgstall schon lange nicht mehr ihr Eigen nennen können. Coronabedingt ist die finanzielle Beweglichkeit eingeschränkter denn je. „Die Bedarfszuweisungen vom Land sind heuer um 400.000 Euro geschrumpft“, berichtete Fuchs. „Alle Gemeinden müssen jetzt ihre Gürtel enger schnallen.“ Dennoch wolle man die örtlichen Betriebe und die Vereine nicht hängen lassen. „Wir machen, was geht, denn unsere Betriebe brauchen Aufträge. Wir streichen auch nicht die freiwilligen Leistungen bei Kindergartentransporten und Vereinsförderungen.“ Für die Vereine gebe es statt Geld Purgstall-Gutscheine.