30 SBS-Mitarbeiter wieder arbeitslos. Das Team des Purgstaller Unternehmens Social Business Service wird nach einem Jahr – trotz Erfolges – zerrissen.

Von Karin Katona. Erstellt am 02. Mai 2019 (04:56)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Ab 30. April wieder arbeitslos: Ludmilla Enigl, Brigitte Endler, Elvid Bojic, Marion Pitzl, Helene Oberroithmair, Werner Pitzl, Serif Bulut und Tajdar Hussein (von links).Katona
Karin

Volle Auftragsbücher und ein ständig wachsender Kundenstock, unter dem sich auch namhafte Unternehmen aus der Region finden, sind die Erfolge, auf die Werner und Marion Pitzl ein Jahr nach der Gründung ihres Unternehmens Social Business Service (SBS) zurückblicken können. Mit ihrem Outsourcing-Angebot, das von manueller Fertigung, Assembling, Montage und Zusammenbau von Bauteilen bis zur Grünraumpflege reicht, haben die Unternehmer den Nagel auf den Kopf getroffen. Zur Freude kommt aber auch Wehmut: Die 30 derzeitigen Mitarbeiter können nicht im Betrieb bleiben und gehen Ende April wieder in die Arbeitslosigkeit. „Die Aktion 20.000, die geförderte Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Menschen über 50 Jahren schaffen sollte, war der Grundstein, auf dem wir unseren Betrieb aufgebaut haben. Die jetzige Regierung hat diese gestrichen – bisher ersatzlos“, schildert Werner Pitzl die für ihn unverständliche Entscheidung.

„Die Frage, ob es besser ist, wenn jemand zuhause sitzt und Sozialleistungen bezieht oder ob er an einem geförderten Arbeitsplatz tätig ist, Geld verdient, am Wirtschaftsleben teilnimmt und ins Sozialsystem einzahlt, beantwortet sich von selbst“, argumentiert SBS-Chef Werner Pitzl. Mit dem Betrieb bei SBS wird es weitergehen. Ab 6. Mai kommt ein neues Team, mitfinanziert durch die Aktion gemA 50+, zunächst einmal für drei Monate. Als Arbeitgeber sehen sich Werner und Marion Pitzl dennoch in einem Dilemma: „Unsere Mitarbeiter sind im vergangenen Jahr zu einem eingeschweißten Team zusammengewachsen. Jetzt wird das Team auseinandergerissen, die Menschen wieder arbeitslos. Unser Wunsch wäre gewesen, unseren Mitarbeitern einen dauerhaften Arbeitsplatz bieten zu können.“ Das könne man nur mit dauerhafter Förderung erreichen: „Die Schaffung eines neuen Modells ist im Segment der Arbeitslosen über 50 dringend nötig“, weiß Werner Pitzl. Denn trotz sinkender Arbeitslosenzahlen sei die Arbeitslosenquote bei den Über-Fünfzigjährigen gleich geblieben. „Darüber hinaus beschäftigen wir bei SBS Menschen, die aufgrund körperlicher oder anderer Beeinträchtigungen nicht mehr voll am Arbeitsleben teilnehmen können.“ Die beiden werden weiterhin für ihre Betriebsphilosophie kämpfen: „Der soziale Arbeitsmarkt ist ein unverzichtbarer Wirtschaftszweig. Es wird Zeit, dass die Politik das anerkennt und Maßnahmen setzt, um Menschen, die arbeiten wollen, eine Chance zu geben.“