Beschwerde zu Erlaufkraftwerk Lautermühle im Laufen. Umweltorganisation LANIUS beeinsprucht Bewilligungen, BH Scheibbs lässt Ufer-Unterspülung prüfen.

Von Karin Katona. Erstellt am 28. Februar 2019 (04:00)
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Die Kapsch-Holding will an der Lautermühl-Sohlstufe in der Erlaufschlucht ein Kleinwasserkraftwerk errichten. Deren Vertreter Marian Dabrovsky war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Karin Katona

Mehr als zehn Jahre dauert das Tauziehen um das geplante Kraftwerk an der Lautermühl-Sohlstufe bereits. Die 2017 begonnene Baustelle ist seit dem Konkurs der ausführenden Baufirma verwaist, bereits zwei Mal wurde die Baustraße durch Hochwasser beschädigt und wieder repariert. Anrainerin Gerda Petkov befürchtete, aufgrund der Verengung des Flussbetts Unterspülungen, des linken Flussufers und erstattete mehrmals Anzeige.

Diese waren nun Thema einer Besprechung im Rathaus am vergangenen Donnerstag, zu der die Bezirkshauptmannschaft Scheibbs neben Experten, Behörden- und Gemeindevertretern und Marian Dabrovsky vom Kraftwerk-Errichter NR-gie auch Anrainer geladen hatte. „Es war ein Treffen, keine Verhandlung. Uns ging es um eine ganzheitliche Abhandlung der Situation im Bereich Lautermühl-Sohlstufe“, erklärt Bezirkshauptmann-Stellvertreter Christian Pehofer.

Und bleibt optimistisch: „Im Jänner hat es eine erneute Begehung durch Sachverständige gegeben, bei der keine Gefahr im Verzug festgestellt werden konnte. Die Baustraße wurde nicht neu vermessen, augenscheinlich gab es aber auch keine Veränderung zu dem bereits festgestellten Zustand im Dezember 2018.“ Fazit: „Die Baugenehmigung bleibt weiterhin aufrecht.“ Im Anschluss an das Treffen werde ein Vermesserteam eine weitere Bestandsaufnahme durchführen.

Verein LANIUS erhebt gerichtliche Beschwerde

Gerda Petkov fühlt sich unverstanden: „Ich will nicht, dass mein Grund geschädigt wird, weder durch die Bauarbeiten, noch durch das Kraftwerk selbst. Meine Befürchtungen werden nicht ernst genommen. Stattdessen soll jetzt überprüft werden, ob Teile meines Gartens ins öffentliche Wassergut gehören oder ich beim Bau meines Pools die nötige Ausnahme vom Eingriffsverbot in das Naturdenkmal vorweisen kann – was ich bereits getan habe.“

Seit einiger Zeit beschäftigt sich auch die Naturschutzorganisation LANIUS mit dem Lautermühl-Kraftwerk. Im November hat die Forschungsgemeinschaft für regionale Faunistik und angewandten Naturschutz eine Beschwerde beim NÖ Landesverwaltungsgericht eingereicht. „Unsere Beschwerde richtet sich gegen den Verfahrensverlauf bei der Baubewilligung durch die Bezirkshauptmannschaft Scheibbs“, erklärt Biologe Erhard Kraus. „Die Behörde hat durch ein grob mangelhaftes Ermittlungsverfahren eine unrichtige Entscheidung getroffen.“ Der LANIUS-Obmann-Stellvertreter nennt die Begründungen für den Einspruch: „Die Beurteilung der Auswirkungen auf das Naturdenkmal sind absolut unzureichend. Das Kraftwerk widerspricht eindeutig den Zielen der Unterschutzstellung aus dem Jahr 1972.“ Weiters weist LANIUS auf die unzureichende geologische Abklärung hin.

Bezirkshauptmann-Stellvertreter Christian Pehofer will zu der LANIUS-Beschwerde nicht Stellung nehmen: „Das ist ein laufendes Verfahren, die Entscheidung ist abzuwarten. Noch zeichnet sich hier keine Entwicklung ab. Ich kann nur sagen, dass die Baubewilligung für die Kapsch-Holding weiterhin aufrecht bleibt.“