E-Werk: Bauarbeiten gehen weiter. Kraftwerk in der Erlaufschlucht soll im Frühjahr 2021 Betrieb aufnehmen.

Von Karin Katona. Erstellt am 21. Mai 2020 (14:25)
Die Kraftwerksbaustelle an der Lautermühl-Sohlstufe in der Purgstaller Erlaufschlucht. Im März 2021 soll das Kraftwerk fertig sein.
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Für die einen ist es ein gutes Beispiel für den doppelten Nutzen aus der Gewinnung von Wasserkraft, für die anderen eine unwiederbringliche Zerstörung eines Naturdenkmals: Am Wasserkraftwerk an der Lautermühl-Sohlstufe in der Purgstaller Erlaufschlucht scheiden sich die Geister. Seit März wird an der Endversion gebaut, im kommenden März soll das Kleinkraftwerk fertig sein.

Fakt ist: Die Sohlstufe selbst ist bereits im vergangenen Jahrhundert durch eine kleine Mühle genützt worden, die bei einem Hochwasser zerstört wurde. Die Wehr musste jedoch erhalten bleiben, um den Grundwasserspiegel im Umfeld nicht drastisch zu senken und ein Unterspülen der umliegenden Felsen zu verhindern. Jahrzehntelang blieb die Sohlstufe ein idyllischer Wasserfall, bevor 2008 Klement Florian, der Besitzer von Schloss Purgstall, den Plan bekannt gab, hier ein Wasserkraftwerk zu errichten.

Bauarbeiten sollen im März 2021 fertig sein

Nach langem Hin und Her erhielt das Projekt, das sowohl im Naturdenkmal Erlaufschlucht als auch im Natura 2000-Gebiet liegt, 2013 neben der wasserrechtlichen auch die naturschutzrechtliche Genehmigung. Mittlerweile ist die N-R-gie Lautermühlstufe GmbH Errichterin und Betreiberin des Kraftwerks. Im Herbst 2017 wurden die Bauarbeiten aufgenommen. Durch die Insolvenz der ausführenden Baufirma im Juli 2018 herrschte bis März 2019 Stillstand.

Schon damals war klar geworden: Die Bauarbeiten in der Erlaufschlucht können aufgrund der geologischen Bedingungen nur unter sehr schwierigen Bedingungen stattfinden. Immer wieder dringt Grundwasser in die Baugrube ein, muss abgepumpt werden. „Die Bedingungen waren aufgrund der erfolgten Erkundungsbohrungen von Anfang an klar. Die damals ausführende Firma war damit aber überfordert“, erklärt Marian Dabrovsky von der an der N-R-gie GmbH beteiligten Kapsch Holding.

„Die Baugrube wird laut Vorgaben des Geotechnikers gesichert. Dazu sind teilweise Anker- und Spritzbetonsicherungen erforderlich, so wie dies auch laut Bewilligungsbescheiden und Auflagen vorgesehen war.“

Die Anrainer klagen indes über extremen Baulärm und befürchten durch die aufgrund dieser Arbeiten entstehenden Erschütterungen Schäden an ihren Häusern. Dabrovsky ist dennoch zuversichtlich, dass das Kraftwerk im März 2021 Strom liefern wird: „Um mit dem Bau beginnen zu können, mussten Teile der Arbeit der vorigen Baufirma beseitigt werden. Wir haben jetzt mit den Firmen Stöckl und Oberrater zwei kompetente und zuverlässige Partner gefunden und werden nun zügig weiterbauen.“ Das Kraftwerk werde schon bald seinen Betrieb aufnehmen können: „Wir können dann mit der Leistung des Wasserkraftwerks etwa 550 Haushalte mit Strom beliefern.“