Ein Baum im kreativen Häkelkleid. Bettina Hölbling aus Purgstall verpasst im Winter Bäumen gern einen bunten Schmuck. Ihr bisher größtes Projekt ist eine riesige Linde in der Busatisstraße in Purgstall.

Von Karin Katona. Erstellt am 06. Dezember 2017 (05:44)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7115744_erl49pgs_baumstrick_3.jpg
Das bunte Häkelkleid wird im Frühjahr wieder abgenommen. „Das grüne Laub ist Schmuck genug“, findet Bettina Hölbling.
NOEN, Karin Katona

Ein Blickfang ist die riesige Linde auf dem Areal der Firma Busatis in der Purg-staller Busatisstraße sowohl im Sommer als auch im Winter. Zur Zeit ist der Baum durch sein buntes Kleid noch auffallender. Die Idee dazu stammt von Bettina Hölbling.

NÖN: Wie kommt man darauf, Bäume zu umhäkeln?

Hölbling: Ich habe zuerst daheim begonnen, mit kleineren Sachen, dann einem Sessel. Dann wollte ich etwas Öffentliches machen, was auch andere sehen. Gemeinsam mit einigen Helferinnen habe ich dann den ersten Baum vor dem Haus meiner Mutter mit gestrickten Fleckerln „angezogen“. Bei einem anderen Baum haben wir die Äste umhäkelt. Diesmal sind es gehäkelte Flecken in verschiedensten Farben und Mustern, die ich zusammengenäht habe.

Warum keine Pullover oder Socken?

Hölbling: Das ist nicht meins. Ich lasse gern meine Phantasie spielen. Und ich liebe es bunt.

Woher kommt die Inspiration für die Projekte?

Hölbling: Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht mehr. Ich habe schon von ähnlichen Sachen gehört und Fotos gesehen. Aber so etwas Großes, da bin ich mir sicher, gibt es weit und breit nicht. Das freut mich besonders.

Warum ist es gerade dieser Baum geworden?

Hölbling: Ich wollte einmal etwas Größeres machen. Da habe ich bei einem Besuch bei meiner Mutter im Sommer den Baum gesehen und gewusst: der ist es. Die alte Linde ist so wunderschön und einzigartig. Ich kenne keinen anderen Baum, der so viele Stämme und dabei so eine schöne Krone hat. Wir haben dann die Erlaubnis von Busatis-Geschäftsführer Christoph Jordan bekommen, den Baum zu schmücken. Seit dem Sommer haben wir dann zu sechst gehäkelt.

Wie schafft man es, dass der „Anzug“ so perfekt passt?

Hölbling: Jede aus der Gruppe durfte nach Lust und Laune kreativ sein und machen, was sie wollte, nur bunt sollte es sein, mit weißem Rand, damit die Stücke am Ende zusammenpassen. Wochenlang bin ich dann gesessen und habe alles zusammengenäht. So ist aus dem Mix der verschiedensten Stile schließlich ein harmonisches Ganzes entstanden.

Wie haben Sie die praktische Umsetzung geschafft? Mit Kran?

Hölbling: Kran haben wir keinen gebraucht, aber eine sehr lange Leiter. So ungefähr nach Maß zusammengenäht waren die Schläuche ja schon, aber das Anbringen war eine Herausforderung. Der gehäkelte Überzug geht bis auf eine Höhe von sechs bis acht Metern, unten bei den Stämmen laufen die Schläuche zusammen.

Haben Sie eine besondere Beziehung zu Bäumen?

Hölbling: Ich liebe die Natur. Und Bäume sind für mich eine Energiequelle und Inspiration. Wenn man zwischen den Stämmen des Baums in der Busatis-straße steht, spürt man, dass das ein einzigartiger Kraftplatz ist. Ich freue mich, dass jetzt noch mehr Menschen darauf aufmerksam werden, was für ein einmaliger Baum direkt in ihrer Nachbarschaft steht. Denn an dem, was man immer hat, geht man leider oft vorbei.

Wird es noch weitere Projekte geben?

Hölbling: Sicher. Ich kaufe eigentlich immer so nebenbei Wolle, möglichst bunt und günstig. Es ist so, dass ich die Ideen habe und plane, wie ich etwas machen will. Bei der Verwirklichung helfen mir dann Freundinnen, Familie und Arbeitskollegen. Es finden sich immer begeisterte Helfer, die dabei sein wollen, etwas Originelles und Kreatives zu machen.

Was ist die Motivation, sich so einen Haufen Arbeit zu machen?

Hölbling: So sehe ich es nicht. Ich liebe es, kreativ zu sein und das mit anderen Menschen zu teilen, ihnen eine Freude zu machen, wenn sie im Vorbeigehen unser Werk sehen. Und ich möchte auch den Bäumen etwas zurückgeben, für das, was sie im Sommer für uns tun. Das Kleid bleibt nur so lange, wie die Natur Pause macht. Im Frühling, wenn der Baum wieder grün wird, kommt es weg. Dann braucht er keinen Schmuck.