Feuerwehr-Historiker: „Aus der Vergessenheit holen“. Feuerwehr-Historiker Franz Wiesenhofer hat zum 150-jährigen Jubiläum der FF Purgstall ein Buch verfasst.

Von Karin Katona. Erstellt am 03. September 2020 (13:11)
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Ein perfekt eingespieltes Team: Franz und Hildegard Wiesenhofer. Die Chronik „150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Purgstall“ ist um 25 Euro bei den Purgstaller Banken, auf dem Gemeindeamt und im Feuerwehrmuseum erhältlich.
Katona

NÖN: Eine Chronik schreiben – wie fängt man da an?

Franz Wiesenhofer: Ich habe in den Archiven der Gemeinden recherchiert, unserem eigenen Feuerwehrarchiv und denen anderer Feuerwehren. Ich habe das für meine anderen Bücher schon sehr ausführlich getan, daher weiß ich, wie ich vorgehen muss.

Ist das wirklich alles nötig?

Wiesenhofer: Mir ist es immer wichtig, fundierte Arbeit abzuliefern. Durch das Recherchieren in den Quellen bin ich aber auch auf große Ereignisse gestoßen, die in Vergessenheit geraten waren und die es wert sind, dass darüber geschrieben wird.

Warum war es Ihnen ein Anliegen, der Freiwilligen Feuerwehr Purg stall ein Buch zu widmen?

Wiesenhofer: Ich bin seit 41 Jahren bei der Feuerwehr und das nach wie vor mit großer Begeisterung. Und da mir neben der Geschichte unserer Region auch die Geschichte der Feuerwehr am Herzen liegt, war klar, dass ich zum 150-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Purgstall eine Chronik schreiben werde.

Wie lang dauert so eine Arbeit?

Wiesenhofer: Ich habe etwa zweieinhalb Jahre veranschlagt und war am Ende schon ein wenig gestresst, weil das Buch ja im Mai präsentiert werden sollte. Hätte ich gewusst, dass Corona kommt und alles abgesagt wird, hätte ich mir im Nachhinein mehr Zeit lassen können.

Was ist so spannend an der Geschichte der Feuerwehr?

Wiesenhofer: Die Geschichte der Feuerwehr ist immer nur ein Teil der Geschichte der Gesellschaft der damaligen Zeit. Die Freiwilligen Feuerwehren sind in unserem Land nicht mehr wegzudenken. Sie sind nicht nur für die Sicherheit da, sondern sind auch ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens.

Wie hat also die Gründung der FF Purgstall ausgesehen?

Wiesenhofer: Initiator der Gründung im Jahr 1870 war der Gemeinderat und praktische Arzt Gustav Bergwald. Er erkannte den Nutzen dieser Organisation und suchte nach Freiwilligen. Seit dieser Zeit bewältigen die Feuerwehrmitglieder unzählige Einsätze und helfen bei vielen Großschadensereignissen.

Welcher Teil des Buchs ist für Sie besonders wichtig?

Wiesenhofer: Die Aufzeichnung von bisher noch nie veröffentlichten Einsätzen und Ereignissen in Purgstall und den Gemeinden des Bezirks. Ein großes Anliegen war mir auch die Dokumentation der Feuerwehrtelefonleitung des Bezirksfeuerwehrverbandes Scheibbs. Sie war 1883 ein technischer Meilenstein in der Geschichte.