Gemeindearzt geht in Pension

Gemeindearzt Johannes Bergauer hatte vergangenen Freitag letzte Ordination und geht mit 1. Jänner 2019 in Pension.

Erstellt am 05. Oktober 2018 | 05:00
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Bürgermeister Christoph Trampler, Gemeindearzt Johannes Bergauer, Christa Bergauer und Hund Artus. Am vergangenen Freitag hat der Purgstaller Allgemeinmediziner seine Ordination zugesperrt. Der Bürgermeister versichert: „Wir werden von Seiten der Gemeinde alles tun, um eine Nachbesetzung zu finden.“
Foto: Karin Katona

Keinen einzigen Tag sei er seit der Eröffnung seiner Ordination 1985 in Krankenstand gewesen, betont Gemeindearzt Johannes Bergauer. „Jetzt muss ich meine Patienten bitten, dafür Verständnis zu haben, dass auch ein Arzt einmal krank werden kann.“ Am vergangenen Freitag hat er seine Ordination für immer geschlossen. „Ich habe mit 30. September meine Krankenkassenverträge zurückgelegt und bin ab 1. Jänner 2019 offiziell in Pension.“

Wer den Purgstaller Allgemeinmediziner kennt, weiß, dass ihm der Abschied nicht leicht fällt: „Ich quäle mich schon jahrelang mit einem Hüftleiden herum, habe wider besseren Wissens immer gehofft, dass es von selber wieder besser wird. Aber jetzt kann ich keinen Schritt mehr schmerzfrei gehen. Ich brauche dringend eine Hüft-OP.“

„Ich habe mir immer für jeden Zeit genommen, auch wenn andere dafür warten mussten. Die Patienten haben das geschätzt.“Johannes Bergauer

Einen Nachfolger, bedauert der zukünftige Pensionist, gebe es leider noch nicht: „Dass jemand gleich nachkommt, ist heutzutage ein Einzelfall. Ich wollte gern jemanden finden, der langsam hineinwächst, aber über Schnuppern ist es leider nie hinausgekommen.“

Volle Praxen, lange Arbeitszeiten und Wochenenddienste seien für junge Ärzte abschreckend. „Es ist verständlich, dass sich viele Junge eine Praxis als Landarzt nicht antun wollen. Die Arbeitsbedingungen sind alles andere als ideal. Aber es ist nicht so schlecht, wie viele jammern. Es ist trotz allem ein sehr schöner und abwechslungsreicher Beruf. Man muss diese Arbeit eben lieben und leben“, sagt Bergauer.

„Für mich war es schon ein Kindertraum, Arzt zu werden."

Er selbst habe sich nie einen anderen Beruf vorstellen können. „Für mich war es schon ein Kindertraum, Arzt zu werden. Mit 15 habe ich schon alle Fachbücher aus dem ersten Studienabschnitt daheim gehabt. Meine Mutter hat gesagt, ich soll mir endlich einmal etwas anderes wünschen.“

Ihm sei es immer wichtig gewesen, für seine Patienten eine Vertrauensperson zu sein: „Ich habe mir immer für jeden Einzelnen Zeit genommen, auch, wenn draußen andere länger warten müssen. Aber meine Patienten haben das gewusst und geschätzt.“

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Foto: Karin Katona

Herz und Humor seien im Arztberuf ebenso wichtig wie das Fachwissen: „Wer sich bei seinem Arzt gut aufgehoben fühlt, wird viel schneller gesund.“ Die eigene Gesundheit sei, gesteht Bergauer, dabei manchmal hintangestanden: „Das geht den meisten Ärzten so. Man erwartet von sich, dass man immer gesund bleibt. Und man sagt sich, es gibt andere, denen es noch schlechter geht als dir.“

Durch seinen raschen Abschied, weiß Bergauer, müsse er einige Gerüchte widerlegen: „Wir verkaufen unser Haus nicht und ziehen nicht weg. Auch meine Frau ist nicht krank, wie behauptet wurde.“

Bis 31. Oktober können Patienten jeden Dienstag und Mittwoch von 8 bis 11 Uhr, gegen telefonische Anmeldung, ihre Befunde abholen: „Wer einen neuen Hausarzt gefunden hat, kann auch durch diesen bei Bedarf die Befunde anfordern lassen.“

Jetzt heißt es für den Arzt, einmal selbst auf einen OP-Termin warten. Ein bisschen mulmig sei ihm dabei schon, gibt Bergauer gewohnt humorvoll zu: „Wie alle Ärzte habe ich Angst vor medizinischen Eingriffen.“