Interview: Friseurin Jutta Gloser verabschiedet sich. Friseurin Jutta Gloser verabschiedet sich von ihren Kunden und beginnt einen neuen Lebensabschnitt. Mit der NÖN sprach sie über 50 Jahre Frisuren-Geschichte.

Von Karin Katona. Erstellt am 16. September 2018 (05:00)
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Ein halbes Jahrhundert Friseurin: Jutta Gloser übergibt ihren Salon in der Purgstaller Pöchlarnerstraße und beginnt einen neuen Lebensabschnitt: „Endlich habe ich Zeit zum Reisen.“
Karin Katona

Mehr als vierzig Jahre hat Jutta Gloser ihren Friseursalon in der Pöchlarner Straße geführt. Nun zieht sie sich aus dem Geschäft zurück und beginnt einen neuen Lebensabschnitt.

NÖN: Wie ist es, wenn Sie, so wie jetzt, in Ihrem ehemaligen Geschäft stehen?

Gloser: Eigenartig. Immerhin habe ich mehr als ein halbes Jahrhundert hier gearbeitet. Meine Eltern haben den Friseursalon 1958 eröffnet, ich habe zwanzig Jahre später übernommen. Es gibt sehr, sehr viele schöne Erinnerungen. Aber ich habe einen klaren Schnitt gezogen, habe den Salon abgegeben, das Haus verkauft und bin umgezogen.

Ein halbes Jahrhundert Frisurenmode – was bringt Sie im Nachhinein zum Schmunzeln?

Gloser: Pepis, also Haarteile, waren etwas, worüber so mancher Witz gemacht wurde. Aber wenn sie professionell in eine Hochsteckfrisur eingearbeitet sind, schaut es toll aus. Auch über die „Minipli“ für Männer wird heute geschmunzelt. Die kam mit Schneckerl Prohaska in Mode.

Haben Sie selber auch experimentiert und verrückte Trends mitgemacht?

Gloser: Als junges Mädchen schon. In den siebziger Jahren war es zum Beispiel eine Zeitlang modern, Perücken zu tragen, als Zweitfrisur. Ich hatte eine schwarze Perücke. Aber getragen habe ich sie kaum, nur auf dem Faschingsumzug. Und niemand hat mich erkannt.

Also keine gewagten Farben oder extravaganten Strähnen?

Gloser: Eigentlich nicht. Bis auf einen Kupferton hatte ich nie eine andere Haarfarbe. Ich war immer für‘s Dezente und bin meinem Stil bis heute treu geblieben.

Empfehlen Sie das auch Ihren Kunden?

Gloser: Ich bin immer dafür, Frisur, Haarfarbe und Make-Up auf den Typ abzustimmen. Farb- und Typberatung hat mich immer sehr interessiert. Ich habe eine Ausbildung zur Farbberaterin absolviert und Beratungsabende für Banken oder Firmen gemacht. Eine schöne Ergänzung zum Beruf, die mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Was würden Sie tun, wenn jemand eine radikale Typveränderung möchte?

Gloser: Einmal wollte eine Dame ihre dunkelbraunen Haare ganz blond färben lassen. Es sollte eine Überraschung für ihren Mann sein, für ihren vierzigsten Geburtstag. Ich habe immer ungern etwas gemacht, was die Struktur des Haars so stark schädigt, und habe versucht, sie davon abzubringen. Aber sie wollte es unbedingt. Und das Ergebnis hat dann auch ganz gut ausgeschaut.

Hat sich auch die Einstellung zum Haarefärben verändert?

Gloser: Früher hat man Haare nur gefärbt, um graue oder weiße Haare zu verdecken. Das Färben wurde hinter einem Paravent gemacht, damit die Damen nicht dabei gesehen werden. Haarefärben für Männer war zu der Zeit undenkbar.

Wann und wodurch ist das anders geworden?

Gloser: In den Achtzigern hat es eine echte Färberevolution gegeben, die „American Colours“. Das waren Strähnen in mehreren Farben. Langsam haben sich dann auch Männer drübergetraut. Heute macht man eher Farbreflexe, das sieht viel natürlicher aus.

Hat sich auch die Einstellung zum Friseurbesuch geändert?

Gloser: Ja, besonders bei den Männern. In meinen Lehrlingszeiten sind die Männer hauptsächlich zum Rasieren gekommen. Der Mann von heute legt Wert auf Mode, Styling und Pflege. Und generell ist der Friseurbesuch heute nicht nur Haareschneiden, sondern ein Rundum-Wohlführerlebnis.

Was hat Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Spaß gemacht?

Gloser: Die Verbindung von Handwerk und Kunst, zum Beispiel schöne, kunstvolle Ball- und Hochzeitsfrisuren. Es ist ein Beruf, in dem man nie aufhört, zu lernen. Und es hat mir immer viel Freude bereitet, mein Wissen an meine Lehrlinge weiterzugeben. 20 waren es im Lauf der Jahre.

Vielleicht noch eine kleine Anekdote zum Schluss?

Gloser: Ein Mann ist zum Haareschneiden gekommen. Mittendrin sagt er, dass er zu seiner eigenen Hochzeit muss – und zwar in zehn Minuten. Da habe ich mir mit der Schere die Haut am Knöchel weggeschnitten.