Nach Brandkatastrophe „Zeit, uns einmal zu bedanken“. Purgstaller Familie verlor bei Brand ganzes Hab und Gut. Dank großer Hilfsbereitschaft sieht ihre Zukunft gut aus.

Von Karin Katona. Erstellt am 22. Juni 2021 (09:33)

„Ich hatte nichts mehr zum Anziehen, nur meinen Pyjama“, lacht Elias. „Ich auch“, stimmt seine Schwester Lena ein. Was die beiden heute so fröhlich erzählen, geht jedoch auf ein dramatisches Ereignis zurück, das die beiden erst vor vier Monaten erleben mussten: Bei einem Wohnungsbrand im vergangenen Februar hat Familie Zeller-Halmschlager ihr gesamtes Hab und Gut verloren, die drei Kinder Lena, Elias und Kilian und ihr Vater David kamen nur knapp mit dem Leben davon.

Lachen können die Kinder über die Brandnacht nicht immer. Zu tief sitzt noch der Schock, den sie noch immer einmal pro Woche in einer Therapie aufarbeiten müssen. „Jeder bewältigt das Geschehene auf seine Weise“, sagt David Halmschlager. „Wir gehen offen damit um, machen es vor den Kindern nicht zum Tabuthema. Wenn der Schmerz herauskommt, ist es gut.“

„Jeder bewältigt das, was beim Brand passiert ist, auf seine Art. Wir gehen den Kindern gegenüber offen damit um.“ David Halmschlager, Brandopfer aus Purgstall

Der Vater schildert das Geschehene: „Die Buben haben bei mir im Zimmer geschlafen. Ich bin vom Schreien meiner Tochter aufgewacht, die sich nicht mehr aus ihrem Zimmer getraut hat, weil im Wohnzimmer schon alles voller Rauch war. Man konnte nicht einmal den Brandherd erkennen.“ Mit Mühe gelang es ihm, Lena zu sich ins Schlafzimmer zu holen, er erlitt dabei Brandwunden zweiten und dritten Grades. Durchs Dachfenster riefen die Eingeschlossenen um Hilfe. Und wurden gehört: Nachbar Elvir Sisic brach die Tür der brennenden Wohnung auf und rettete damit die Familie in letzter Minute.

Heute geht es allen gesundheitlich gut. Dass die drei Kinder und ihr Papa David wieder positiv in die Zukunft schauen können, verdanken sie den vielen großzügigen Menschen, die sofort nach dem Brand in einer beispiellosen Welle der Hilfsbereitschaft für die Familie Sach- und Geldspenden gegeben haben. Elisabeth Selner lud die Familie ein, vorübergehend auf dem Mostlandhof zu wohnen, der Verein Sirius richtete ein Spendenkonto ein.

Familie hat ein neues Zuhause gefunden

Mittlerweile hat die Familie ein neues Zuhause. Der auf dem Spendenkonto verbliebene Rest wurde nun von Sirius-Obmann Manuel Haselsteiner gemeinsam mit Bürgermeister Harald Riemer in Form von Purgstall-Gutscheinen an die Familie übergeben. „Mir fehlen die Worte, meine Dankbarkeit zu beschreiben“, sagt David Halmschlager. „Ich kenne doch viele dieser Menschen gar nicht, und doch haben sie uns so großzügig unterstützt. Für uns ist es an der Zeit, uns für diese Hilfsbereitschaft zu bedanken.“

Beim NÖN-Termin bei der Spendenübergabe in der neuen Wohnung sitzt strahlend noch eine weitere Person mit am Tisch: Elvir Sisic, der durch sein rasches Handeln der Familie das Leben gerettet hat. „Ihm gebührt unser größter Dank. Denn ohne ihn würden wir hier nicht sitzen“, sagt David Halmschlager. Der Retter bleibt bescheiden: „Ich habe es gemacht, ohne darüber nachzudenken. Der Gedanke an mögliche Gefahren ist mir dabei kaum gekommen. Ich würde immer wieder so handeln, das ist klar.“