Neue MS-Direktorin: „Schule ist wichtiger Ankerplatz“. Seit Schulanfang ist Gunda Mayer aus Ybbs Direktorin der MS Purgstall. Mit der NÖN sprach sie über die ersten Wochen im Amt.

Von Karin Katona. Erstellt am 16. Oktober 2020 (11:49)
Mittelschul-Direktorin Gunda Mayer an ihrem Schreibtisch. Der gelbe Smiley-Ball im Vordergrund ist ein Geschenk von ihrem Vorgänger Franz Hofmarcher, über den sie sagt:„Er ist immer noch mein Telefonjoker.“
Karin Katona

NÖN: Corona dominiert Ihr erstes Jahr als Schulleiterin – wie ist das?

Gunda Mayer: Natürlich ist Corona ein großes Thema. Aber wir lassen es nicht dominieren. Wir machen, was wir können, befolgen strikt alle Vorschriften, versuchen aber alles, um für die Kinder den Tag so normal wie möglich zu gestalten.

„Neue Normalität“ also?

Mayer: Mit dem Begriff fange ich nichts an. Aber die Schule ist für die Kinder ein wichtiger Ankerpunkt, der ihnen Struktur, soziale Kontakte und Halt gibt. Wir sorgen für ihre Sicherheit und Gesundheit. Wir schauen, dass sie möglichst immer nur im Klassenverband sind und viel im Freien machen.

Haben die Kinder durch den Lockdown Wissenslücken?

Mayer: Nein, denn es wurde ja gearbeitet. Die Kinder wurden betreut, hatten Aufgaben zu erfüllen und haben etwas gelernt.

Und wenn es wieder zu einem Lockdown kommt?

Mayer: Man muss ja damit rechnen, dass jederzeit ein partieller Lockdown kommen kann, dass zumindest eine oder mehrere Klassen in Quarantäne müssen. Darauf sind wir vorbereitet.

Wie kann man sich auf so etwas am besten vorbereiten?

Mayer: Indem wir die Online-Lernplattform kontinuierlich verwenden und üben. Die Kinder bekommen Hausaufgaben und Übungen, die online zu erledigen sind – so, dass man ohne Übergangsfrist gleich wieder mit Online-Unterricht starten kann. Digitalisierung ist – mit oder ohne Corona – eine wichtige Säule, an der wir intensiv arbeiten. Dazu gehört auch, dass die Kinder selbstständig und eigenverantwortlich lernen.

Gehört das eigenverantwortliche Lernen zum pädagogischen Konzept an Ihrer Schule?

Mayer: In der Schule sollen Kinder lernen, wie man sich im Leben Wissen aneignet. Da war die MS Purgstall schon früh ein Vorreiter. Damit Kinder eigenverantwortlich lernen, dann brauchen sie Lernstrategien, Stressbewältigungsmethoden und Leistungsmotivation.

Wie kann man Kinder zum Lernen motivieren?

Mayer: Indem man ihnen zeigt, dass sie Talente haben und ihnen den Rahmen gibt, in dem sie diese verwirklichen können. Durch Wahlpflichtfächer, die Lernwerkstätte – die Ideen der Talentehauptschule, so wie man sie in Purgstall praktiziert hat.

Wie ist der Wechsel vom Lehrerzimmer in den Direktorensessel?

Mayer: Es ist natürlich eine ganz andere Arbeit. Als Direktorin kann ich jetzt ein Umfeld schaffen, in dem ein gutes Lern- und Arbeitsklima gedeihen kann. Ich bin froh, an einer Schule zu sein, wo schon so viel pädagogisch gearbeitet wurde und die so gut dasteht. Ich kann auf einer sehr guten Basis aufbauen und sie weiterentwickeln.