Die Bienen trifft der Klimawandel. In wärmeren Wintern gehen die Bienenvölker nicht in die Winterruhe. Schädlinge können sich in den Stöcken besser vermehren.

Von Karin Katona. Erstellt am 27. März 2020 (03:34)
Imkervereins-Obmann Hermann Höhlmüller mit seinen Bienen, die heuer zwei Wochen früher als sonst ausgeflogen sind.
Katona

Bereits wieder voll im Einsatz sind die sprichwörtlich fleißigsten Lebewesen: die Bienen. Doch auch im Leben der Bienenvölker hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Seit der Klimawandel für wärmere Winter sorgt, fällt die Winterruhe aus, die Bienen brüten den Winter über durch. Was sich nicht nur nachträglich auf die Lebensdauer der Bienenkönigin, sondern auch auf die Arbeit der Imker auswirkt. „Während der Winterruhe führen wir sonst die Varroamilben-Bekämpfung durch“, erklärt Hermann Höhlmüller, Obmann des Imkervereins Purgstall-Oberndorf und Sprecher der Eisenstraße-Imker.

„Wenn die Bienen durchbrüten, kann sich die Varroamilbe auch besser verbreiten und das Bienenvolk schädigen. Die Varroa hat uns fest im Griff“, erklärt Höhlmüller. Diese Situation erfordere eine intensivere Beobachtung und Betreuung der Völker: „Die Bienen einwintern und bis zum Frühjahr sich selbst überlassen, das geht nicht mehr.“

Die Bauernregel „Am 19. März klopft der Imker bei den Bienen an“, gelte nicht mehr: „Wir sind, wie auch im Vorjahr, zwei Wochen früher dran.“ Höhlmüller appelliert daher an Gartenbesitzer und Landwirte, früh blühende Pflanzen stehen zu lassen: „Besonders die Palmkätzchen sind für die Bienen als erste Nahrung extrem wichtig.“

Genug Blüten, aber zu schwache Bienen

„Wenn die Bienen so früh ausfliegen, hinken sie der Natur hinterher“, erklärt der Oberndorfer Imker Harald Fuchssteiner die komplexen Zusammenhänge. „Es gibt zwar genug Blüten, aber die Völker sind nach dem Winter noch zu schwach, um mehr zu sammeln, als sie unbedingt brauchen.“ Honigvorräte könnten die Völker in dieser Situation nicht anlegen: „Dadurch gibt es leider, wie auch im vergangenen Jahr, immer weniger Blütenhonig. Kommt dann noch eine Kälteperiode dazu, wirkt sich das auf die Honigernte fatal aus.“

Tricks, die Bienen im Stock zu halten, gibt es für Imker nicht: „Wir können das Ausfliegen nicht verhindern. Wir tun aber alles, um die Bienenvölker jetzt zu stärken, wie etwa durch Fütterung.“ Im März findet in den Bienenstöcken der sogenannte „Massewechsel“ statt. Die Winterbienen brüten ihren Nachwuchs, die Sommerbienen, aus. „In dieser Zeit geht das Volk zurück, bevor dann die jungen Arbeitsbienen ausfliegen“, erläutert Fuchssteiner und bittet Gartenbesitzer, den Bienen möglichst viele Futterpflanzen anzubieten.

„Natürlich kann ein Garten nicht eine große, natürliche Bienenweide ersetzen. Aber es ist dennoch ein wichtiger Beitrag.“ Die wichtigste Bienentracht nach der Obstbaumblüte sei der Löwenzahn: „Für viele ist der Löwenzahn unerwünschtes Unkraut. Wir Imker appellieren an alle, ihre Löwenzahnflächen so spät wie möglich zu mähen.“