Erlauftaler Veranstaltungsbranche im Lockdown. Für die beiden Event-Veranstalter des Bezirks machte das verheißungsvolle Jahr 2020 im März einen Knick. Beide blicken aber noch vorne.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 01. Oktober 2020 (05:14)
Eva Frank und Hermann Wurzenberger haben auch in der Krise das Lächeln nicht verlernt: „Natürlich zieht es dir zuerst den Boden unter den Füßen weg, aber jetzt blicken wir nach vorne und versuchen das Beste aus der Situation zu machen und konzentrieren uns beide voll und ganz auf den Ramsauhof.“
Christian Eplinger

Es hätte eines der wirtschaftlich besten Jahre in der 23-jährigen Geschichte der Show Express Eventmanufactur werden können. „Wir waren für 2020 im Eventbereich zu 100 Prozent ausverkauft – sowohl bei den externen Veranstaltungen als auch bezüglich Feiern am Ramsauhof. Ich bin dafür fünf Monate Tag und Nacht unterwegs gewesen, um dieses Auftragsvolumen an Land zu ziehen. Dann kam der 12. März und innerhalb von ein paar Stunden war alles weg. Da zieht es einem den Boden unter den Füßen weg“, schildert Hermann Wurzenberger, der gemeinsam mit Eva Frank die Show Express Eventmanufactur und den Event-4-Kanter Ramsauhof in Gimpering führt.

Volle Konzentration auf Gastro und Ramsauhof

Im Sommer gab es ein kurzes Aufflackern. „Wir hatten die ersten Hochzeiten und blickten halbwegs zuversichtlich den Weihnachtsfeiern entgegen“, schildert Wurzenberger. Inzwischen ist auch das schon wieder Geschichte. Von 63 geplanten Hochzeiten gingen nur vier über die Bühne.

Von den großen Firmenweihnachtsfeiern, die am Ramsauhof traditionell schon ab Mitte November starten und für die man normal eineinhalb Jahre im Vorhinein Termine resrevieren muss, sind alle storniert. „Der Eventbereich ist auf Null runtergefahren. Die gesamte Veranstaltungsbranche ist seit März im Lockdown und wir rechnen nicht, dass sich das bis Ende 2021 ändert“, ist Wurzenberger Realist.

„Wir haben schon so vieles geschafft. Warum sollen wir es nicht schaffen, den Ramsauhof als Top-Speiselokal zu etablieren?“Hermann Wurzenberger

Die Folge: Es heißt umorientieren und neue Wege suchen. Nach dem Kurz-Intermezzo als Zentrallager und Servicecenter für Neurosocks, konzentrieren sich Eva Frank und Hermann Wurzenberger jetzt ganz auf den Ramsauhof.

„Wir waren in den letzten Wochen so viel beisammen, wie schon seit Jahren nicht mehr. Da ergeben sich bei Gesprächen natürlich unterschiedliche kreative Ansätze. Die wollen wir jetzt verwirklichen“, sagt Eva Frank. Das Hauptaugenmerk gilt dem Ramsauhof und das Team zieht mit. „Bei uns sind alle Mitarbeiter in Kurzarbeit, wir mussten niemanden kündigen. Ein paar sind von sich aus gegangen, aber das restliche Team ist in der Krise näher zusammengerückt und arbeitet dort mit, wo man gerade gebraucht wird“, freut sich Eva Frank.

Der Plan: Der Ramsauhof soll zum perfekten und 100 Prozent coronasicheren Speiselokal werden. „Wir haben es geschafft, aus einem Haus, wo Kühe gelebt haben, eine national bekannte Eventlocation zu machen und hier im Niemandsland zehn Jahre lang ein Variete zu veranstalten. Warum sollen wir es nicht schaffen, mit der Erfahrung von über 6.000 internationalen Events, jetzt den Ramsauhof als Top-Speiselokal zu etablieren“, gibt sich Hermann Wurzenberger optimistisch.

Aktuell wird am Ramsauhof einiges adaptiert und umgebaut, wobei der Gastrobetrieb am Freitag, Samstag und Sonntag normal weiterläuft. Ab Mitte Oktober will man das neue Gesicht des Ramsauhofes der Öffentlichkeit präsentieren. „Wir haben im Restaurant Platz für 230 Personen auf mehreren Etagen mit mehreren Räumen und vier eigenen Eingängen“, weist Eva Frank auf die am Ramsauhof gut zu erfüllenden Corona-Abstandsmaßnahmen hin.

Übrigens: Agricola, das Variete am Ramsauhof, wird es heuer nicht geben. Alleine schon wegen der Unsicherheit der internationalen Künstler. „Wer noch Gutscheine hat, kann diese als Wertgutscheine für ein Essen am Ramsauhof einlösen“, klärt Eva Frank auf.

Eventmühle wurde zu reinem Familienbetrieb

Schauplatzwechsel nach Oberndorf. Knapp 13 Kilometer liegen zwischen dem Ramsauhof und der Burmühle, dem Stammsitz der Eventmühle GmbH von Sepp Wondraczek. Auch dort gab es im März den großen Knick. Über 30 Jahre Aufbauarbeit als Eventveranstalter und Eventlocation waren mit einem Schlag zunichte gemacht.

Ernster Blick bei Eventmühle-Geschäftsführer Sepp Wondraczek: „Wir erreichen heuer maximal zehn Prozent unseres normalen Jahresumsatzes.“
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„Wir haben einem sehr guten Jahr entgegengeblickt, aber natürlich alles auf die Gastronomie aufgebaut. Jetzt stehen wir bei zehn Prozent unseres normalen Jahresumsatzes und da wird nicht mehr viel dazukommen“, stellen Gerlinde und Sepp Wondraczek fest.

Auch Sepp Wondraczek rechnet nicht mit einer Wiederbelebung der Veranstaltungsbranche vor der zweiten Jahreshälfte 2021. Daher hat man alle Mitarbeiter gekündigt, führt das Unternehmen jetzt als reiner Familienbetrieb und hat sich etwa über den Sommer mit Aushilfen gerettet.

„Wir sind als Familie zusammengerückt. Marcel, der von seinem Do&Co-Engagement nach Hause gekommen ist, erledigt die Büroarbeit. Wir werden diese Krise gemeinsam meistern und als Unternehmen überleben, auch wenn es ans Familiensilber geht“, sagt Sepp Wondraczek. Sein Wunsch wäre, dass die Politik wieder wegschwenkt von einer „Politik der Angst zurück zur alten Normalität mit Hausverstand. Wir alle in der Gastronomie und Eventbranche wollen arbeiten und wieder Geld verdienen.“