Pflegenotstand: „Weiß nicht, wie es weitergehen soll“

Zahnarzt Franz Zach steht nach Notfall seit zwei Wochen ohne Pflegekraft für seine behinderte Tochter da.

Karin Katona
Karin Katona Erstellt am 04. Juni 2018 | 07:47
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Franz Zach und Tochter Susanne sind in einer Notlage.
Foto: NOEN, privat

„Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte“, sagt der Zahnarzt über seine derzeitige Situation. Der alleinerziehende Vater einer behinderten Tochter (31) geriet durch den kurzfristigen Ausfall seiner 24-Stunden-Pflegekraft in Bedrängnis. Seine verzweifelte Suche nach einem Ersatz blieb bisher ohne Ergebnis. „Ich verstehe nicht, dass es unser System nicht schafft, für Notfälle, wo eine Pflegekraft unerwartet ausfällt, eine Lösung zu finden. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf“, fordert der Steinakirchner Arzt.

Derzeit befindet sich Susanne, die durch mehrere Behandlungsfehler nach einer Herzoperation vor 18 Jahren schwere Behinderungen davontrug, im Krankenhaus. „Sie hat plötzlich einen Fieberanfall bekommen, ich habe sie so rasch wie möglich ins Spital gebracht und bin seither fast rund um die Uhr bei ihr“, schilderte Zach der NÖN am vergangenen Freitag. „Ich kann mein Kind nicht allein lassen. Susanne ist multiallergisch, sie könnte auf jede Infusion al-lergisch reagieren. Sie kann sich nicht artikulieren und sagen, wie es ihr geht.“

Flexible Lösungen gesucht

Den Notdienst am vergangenen Wochenende musste Zach absagen, wie es weitergehe, wisse er noch nicht: „Eine Lösung der Pflegesituation ist momentan noch nicht in Sicht.“

„Die Politik ist gefordert, für prekäre Situationen wie unsere flexible Lösungen zu schaffen. Ich bin ja nicht der einzige Betroffene. Wenn ich dringend einen Arzt brauche, wähle ich den Notruf. Es braucht dringend eine Hotline auch für Pflege-Notfälle“, fordert Franz Zach.

„24-Stunden-Pflegekräfte sind selbstständige Unternehmer, die von einem Privaten beauftragt werden“, entgegnet Landtagsabgeordneter und VPNÖ-Sozialsprecher Anton Erber. „Wir beraten in Notfällen Angehörige einer pflegebedürftigen Person über die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Wenn man aber einen Ersatz für eine 24-Stunden-Pflegekraft möchte, sollte man die Agentur in die Pflicht nehmen, die die Pflegekraft vermittelt hat.“