Primärversorgungszentrum: Ärzte gründen eine GmbH. Im Frühjahr 2022 eröffnen fünf Allgemeinmediziner und ein Kinderarzt eine Praxis am Purgstaller Kirchenplatz.

Von Karin Katona. Erstellt am 16. Dezember 2020 (06:02)
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Viel zu besprechen: Allgemeinmediziner und PVZ-Koordinator Leopold Auer und Bürgermeister Harald Riemer mit den Plänen und dem Konzept für das Primärversorgungszentrum Purgstall.
Karin Katona

Was die Zukunft der medizinischen Versorgung betrifft, werden in Purgstall Nägel mit Köpfen gemacht. Das Primärversorgungszentrum am Kirchenplatz, Hauptthema der jüngsten Gemeinderatssitzung, ist mehr als ein bloßer Grundsatzbeschluss. Es hat bereits eine sehr konkrete Form.

Seine rasche Entwicklung hat das Projekt seinem Koordinator, Allgemeinmediziner Leopold Auer, zu verdanken. „Doktor Auer an Bord zu holen, war das Beste, was uns passieren konnte“, sagt VP-Bürgermeister Harald Riemer. Seit mehr als einem Jahr sei die Gemeinde intensiv auf Ärztesuche gewesen. „Aber erst durch die Mitarbeit von Doktor Auer ist es gelungen, die fixen Zusagen von fünf jungen Ärzten, darunter vier Allgemeinmediziner und ein Kinderarzt, zu bekommen.“ Die Ärzte werden, gemeinsam mit dem Purgstaller Arzt, eine GmbH gründen und als solche das Ärztezentrum führen.

„Dass Dr. Auer beim PVZ mit an Bord ist, ist das Beste, was uns passieren konnte.“ Bürgermeister Harald Riemer

„Die Ärzte teilen sich die Infrastruktur, das heißt, die Räumlichkeiten, die EDV und auch das Personal“, erklärt Auer. Das Zentrum soll auch anderen medizinisch verwandten Berufen offenstehen. „Wir werden einen Wundmanager haben, aller Voraussicht nach einen Case and Care Manager, vier bis sechs Krankenschwestern“, sagt Auer. „Wir werden auch ein erweitertes Angebot bieten können, wie etwa mit kleinchirurgischen Eingriffen.“ Enge Zusammenarbeit wird es auch mit dem benachbarten Therapie- und Fachärzte-Zentrum geben.

Besonders patientenfreundlich sind die Öffnungszeiten, Montag bis Freitag, sieben bis 19 Uhr. „Wer zu einem Arzt seiner Wahl gehen möchte, kann das natürlich weiterhin tun“, sagt Auer. Er wird mit seiner Ordination ebenfalls in das PVZ am Kirchenplatz ziehen. Die persönliche Betreuung der Patienten werde weiterhin gegeben sein: „Man macht sich mit dem Arzt seines Vertrauens eben einen Termin aus.“

Jeder Arzt hat mehr Zeit für eigene Patienten

Durch die Anstellung eines PVZ-Managers, der sich um die administrativen Belange des Zentrums kümmert, haben die einzelnen Ärzte sogar noch mehr Zeit für ihre Patienten. „Endlich kann ich mich wieder ausschließlich dem widmen, weswegen ich Arzt geworden bin: der Medizin“, sagt Leopold Auer. Er freut sich, in absehbarer Zeit seine 60-Stunden-Wochen reduzieren zu können. Er wird den jungen Ärzten mit seiner Erfahrung zur Verfügung stehen, aber durch die Zusammenarbeit im PVZ entlastet.

Für die Eröffnung des Primärversorgungszentrums bis zum 2. Quartal 2022 sei alles auf Schiene. Im Voranschlag 2021 ist eine Summe von 1,5 Millionen Euro für das PVZ vorgesehen. „Das Konzept für das Projekt wurde in einem Hearing vor Vertretern der ÖGK und der Ärztekammer ausführlich präsentiert und sehr positiv angenommen“, berichtet Auer. Nach der Gründung der GmbH, voraussichtlich im Frühjahr 2021, werde es nochmals eine detaillierte Präsentation geben. Für Bürgermeister Harald Riemer ist das PVZ „eine Sorge weniger“, nämlich die, wie man dem Ärztemangel in der Gemeinde entgegenwirken kann.

„Unsere beiden praktischen Ärzte, Doktor. Auer und Doktor Brandstetter, gehen in absehbarer Zeit in Pension. Wie schwierig die Neubesetzung frei gewordener Arztstellen ist, wissen wir. Für den pensionierten Gemeindearzt Johannes Bergauer wird seit einem Jahr vergeblich nach einem Nachfolger gesucht.“ Durch den Zuzug junger Ärzte sei jetzt eine Kontinuität da. Der Ortschef erwartet sich auch eine Umwegrentabilität für die umliegenden Unternehmen: „Wieder ein wertvoller Impuls für den Ort.“