Terror in Barcelona: Dieb als Schutzengel. Drei Freundinnen aus Purgstall waren am Weg zu den Ramblas, als das Auto in die Menschenmenge raste. Julia Schafranek erlebte den Anschlag im Büro mit.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 22. August 2017 (05:01)
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Nach dem Terroranschlag am Donnerstagabend, den Christina Karner, Nadja Schoberberger und Nicole Leikam (von links) in unmittelbarer Nähe mitbekommen haben, konnten die drei Freundinnen ihr gemeinsames Barcelona-Wochenende doch noch halbwegs genießen.
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Es sollte ein vergnügliches Wochenende in Barcelona werden. Die 22-jährige Christine Karner aus Purgstall und die gleichaltrige Nicole Leikam aus Erlauf waren am Donnerstag nach Barcelona geflogen, um ihre Freundin Nadja Schoberberger aus Feichsen (22) zu besuchen. Die Purgstallerin absolviert nach ihrem abgeschlossenen Grafikdesign-Studium seit Ende Juni ein dreimonatiges Auslandspraktikum in Barcelona bei der Firma HP (Helwett Packard). Doch statt unbeschwert über die Las Ramblas zu flanieren, fanden sich die drei mitten im Terrorgeschehen wieder.

Terroristen waren am Donnerstagabend mit einem weißen Lieferwagen vom Placa de Catalunya auf die Touristenmeile Las Ramblas gerast und fuhren dort im Zick-Zack-Kurs rund 600 Meter durch die Menschenmenge. Mindestens 14 Tote und 100 zum Teil schwer verletzte Personen lautete die traurige Bilanz.

„Auf einmal war überall irrsinnig viel Polizei da“

„Wir waren gerade in der Stadt unterwegs und kamen zum Placa de Catalunya, als Nici bemerkte, dass man ihr ihr Handy gestohlen hatte. Wir gingen daraufhin zur Polizeistation bei der Placa de Catalunya, um Anzeige zu erstatten“, schildert Nadja Schoberberger im NÖN-Telefonat am Tag danach. Während Nicole Leikam in der Station die Anzeige aufgab, warteten die beiden Freundinnen draußen.

„Auf einmal herrschte Panik. Menschenmengen liefen von den Ramblas Richtung Placa de Catalunya. Die Polizisten stürmten aus dem Gebäude zu ihren Autos und aus allen Richtungen hörte man Polizeisirenen. Nur wusste da noch keiner, was wirklich passiert war“, erzählt Schoberberger weiter.

Sie und Christine Karner schafften es schließlich, wieder in die Polizeistation eingelassen zu werden – „aber nur, weil unsere Freundin noch drinnen war“ –, mussten dort aber sofort ihre Handys abschalten und waren zum Warten verdammt. „Fast drei Stunden lang saßen wir dort fest, zunächst ohne Infos, was sich draußen abspielt beziehungsweise abgespielt hat. Erst nach knapp eineinhalb Stunden durfte ich das Handy wieder benutzen. Dann prasselten eh schon jede Menge Nachrichten herein“, sagt Schoberberger und weiß: „Im Grunde hatten wir großes Glück. Denn wäre das mit dem Handy nicht passiert, wären wir vielleicht schon auf den Ramblas gewesen. Das war wohl Schicksal.“

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„Ich bin schon zig Mal über die Ramblas gelaufen. Dass so etwas passieren kann, daran habe ich bisher noch nie gedacht“, sagt auch die 23-jährige Julia Schafranek aus Purg-stall – im Bild ganz links mit Arbeitskolleginnen –. Sie lebt und arbeitet seit fünf Monaten in Barcelona.
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Wie sich das Leben in Barcelona nun ändern wird, ließ sich für Nadja Schoberberger am Freitag noch nicht vorausahnen. „Heute Vormittag sind die meisten in ihren Wohnungen geblieben, aber ich glaube, dass schnell wieder Alltag einkehren wird. Bis jetzt habe ich nicht an so etwas gedacht und hatte hier immer ein gutes Gefühl. Aber so etwas kann leider scheinbar heutzutage immer und überall passieren“, ist Schoberberger realistisch. Für sie stand daher auch wenige Stunden nach den Anschlägen schon fest: „Ich bleibe in Barcelona bis zum Ende meines Praktikums Ende September.“

„Ich fühle mich wohl in Barcelona – immer noch“

Auch der 23-jährigen Julia Schafranek aus Purgstall kam der Gedanke, Barcelona vorzeitig zu verlassen, trotz der Anschläge nie in den Sinn. Schafranek arbeitet seit fünf Monaten in Barcelona bei der Firma HP als Business Manager für den Deutschen Markt. „Ich bleibe sicher hier, je nachdem wie sich mein Job entwickelt. Denn ich fühle mich sehr wohl in Barcelona – immer noch. Auch wenn derzeit natürlich Trauerstimmung und eine gewisse Beunruhigung unter den Menschen herrschen, vor allem weil man anscheinend ja noch nicht alle Täter gefasst hat. Heute früh war die Metro fast leer“, erzählt Schafranek im NÖN-Gespräch.

Sie hat den Anschlag im rund 2,5 Kilometer von den Ramblas entfernten Büro der Firma HP miterlebt. „Ich war kurz davor, das Büro zu verlassen, um die Metro nach Hause zu nehmen, als mir mein Arbeitskollege davon berichtet hat. Wir konnten es zunächst nicht glauben und waren alle geschockt, als uns plötzlich Videos von dem Attentat zugesendet wurden durch Freunde und Bekannte. Wir sind zunächst alle im Büro geblieben und haben gewartet, die Nachrichten verfolgt und konnten im Prinzip nichts tun, als Familie und Freunde zu verständigen, dass es uns gut gehe und zu versuchen, alle unsere Freunde hier zu erreichen. Wir sind dann nach ein paar Stunden zu Freunden heim und haben die Nacht dort gemeinsam verbracht“, schildert Schafranek.