Wabe Erlauftal: Wie eine große Familie. Mitarbeiter in Wohnheim und Werkstätte für Menschen mit psychischen Krankheiten leiden unter Corona-Ausgangssperre. Tätigkeit in der Werkstätte hilft.

Von Karin Katona. Erstellt am 03. Mai 2020 (03:43)
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Die Arbeit in der WABE-Kreativwerkstätte ist eingeschränkt. Betreuer Patrick Berger mit Stefan Brunthaler, Josefa Gruber und Bernhard Hauß (von links).
privat

Wenn Sandra Schumitsch, Leiterin der WABE Erlauftal, über ihre Klienten spricht, dann ist es derzeit nicht ohne Sorge. Doch diese gilt nicht den 14 Bewohnern des Wohnheims der Tagesstätte für Menschen mit psychischen Krankheiten, sondern den elf Externen. „Diese Klienten leben selbstständig, brauchen aber dringend die sozialen Kontakte und die Tagesstruktur, die sie bei uns bekommen“, sagt Schumitsch. Arbeit in der Werkstätte, Austausch, Freundschaften und Gemeinschaft – davon sind die Externen derzeit ausgeschlossen. „Manche rufen oft an und fragen, wann sie wieder kommen dürfen“, sagt Schumitsch.

In Werkstätte und Wohnheim ist mittlerweile Corona-angepasste Fast-Normalität eingetreten. Die Werkstätte hat ihren Betrieb in reduzierter Besetzung wieder aufgenommen. Die elf Betreuer arbeiten in zwei Teams, damit nicht die ganze Mannschaft in Quarantäne muss, wenn es einen Corona-Ansteckungsfall gibt. Die Stimmung im Wohnheim, berichtet Leiterin Sandra Schumitsch, sei gut:

„Die Bewohner sind sehr diszipliniert. Auch das Zusammenleben ist sehr harmonisch und rücksichtsvoll, es hat noch keine Konflikte gegeben. Der Zusammenhalt ist wie in einer großen Familie.“ Auch, wenn viele die Außenkontakte, die für Menschen mit psychischen Krankheiten besonders wichtig sind, vermissen: „Einkaufen, die Familie besuchen, sprich: ein so weit wie möglich selbstbestimmtes Leben führen, das muss jetzt hintanstehen“, sagt Schumitsch.

In der Arbeit versuche man das durch einen noch intensiveren Austausch zwischen Klienten und Betreuern auszugleichen. „Wir versuchen, einen möglichst normalen Alltag zu gestalten“, sagt Betreuer Thomas Hiesberger. „Die derzeitige Situation erfordert eine hohe Flexibiliät, sowohl auf Seiten der Dienstgeber als auch der Dienstnehmer. Das trifft natürlich auch auf unsere Situation hier in der WABE-Werkstätte zu.“

Klient Stefan Brunnthaler fühlt sich, wie er selbst sagt, in der WABE-Gemeinschaft gut aufgehoben, doch: „Ich fühle mich wegen der Ausgangsbeschränkungen auch eingesperrt, weil ich nirgends hinfahren kann. Ich freue mich, wenn ich mich wieder frei bewegen kann.“ Sein Kollege Bernhard Hauss vermisst die externen Klienten: „Der Alltag ist jetzt anders. Ich freue mich, wenn wir alle wieder beisammen sein können. Aber die Lage ist ernst, und wenn sich jeder an die Regeln hält, können wir es gemeinsam schaffen.“