Lokalhistoriker: Die Sprachen der Gefangenen. Das Buch „Leben hinter Stacheldraht “ von Franz Wiesenhofer wird derzeit auf Italienisch und Russisch übersetzt und ist ab Juni Teil einer Ausstellung in Kärnten.

Von Karin Katona. Erstellt am 20. März 2021 (04:23)
Franz Wiesenhofer mit seinem Buch „Leben hinter Stacheldraht“.
privat, privat

Das Thema der Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs im Erlauftal lässt den Purgstaller Lokalhistoriker Franz Wiesenhofer schon seit 24 Jahren nicht los. Bereits 1998 hat er mit seinem Buch „Gefangen unter Habsburgs Krone“den Kulturpreis des Landes Niederösterreich erhalten.

Das Buch ist auch Grundlage für die Sonderausstellung „Leben hinter Stacheldraht“ im Purgstaller Feuerwehrmuseum, die einen historischen Rückblick über die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges im Erlauftal bietet und jährlich umgebaut und um neue Schwerpunkte erweitert wird. Durch die vielen Reaktionen auf die Ausstellung und die Veröffentlichung neuer Forschungsergebnisse ist das 80-seitige Buch „Leben hinter Stacheldraht“ entstanden.

Eine Sonderausstellung über die Kriegsgefangenenlager im Ersten Weltkrieg gibt es ab Juni auch im „Museum 1915 – 18“ in Kötschach in Kärnten. Und auch hier leistet Franz Wiesenhofer mit seinem Wissen einen wertvollen Beitrag.

„Schön, wenn man ein Schicksal klären kann“

Was zu einer weiteren Idee führte. „Weil viele der damaligen Häftlinge aus Italien stammten und sicher viele Menschen aus Italien die Ausstellung besuchen werden, habe ich ‚Leben hinter Stacheldraht‘ auf Italienisch übersetzen lassen“, lässt Franz Wiesenhofer wissen. „Die Ausstellung ist noch bis Ende September in Kötschach zu sehen und geht 2022 weiter nach Rom.“

Eine komprimierte Version von Wiesenhofers Buch wird in Kürze auch auf Russisch erscheinen. „Der Großteil der Gefangenen in den Lagern stammte aus Italien und Russland. Immer wieder melden sich Menschen, die noch immer auf der Suche nach ihren Angehörigen sind“, schildert Wiesenhofer. „Es ist logisch, wenn das Buch auch in die Sprachen der Gefangenen übersetzt wird.“ Mithilfe von Sponsoren sei es gelungen, die Übersetzungen zu finanzieren.

Ihn berühre es immer wieder sehr, Kriegsgefangenenschicksale manchmal noch nach 100 Jahren klären zu können. „Wenn man auch oft keine genauen Angaben zu einer Person machen kann, hilft es der Familie doch, zu wissen, was damals in den Lagern geschehen ist, dass die Insassen gut versorgt und human behandelt worden sind“, sagt Wiesenhofer. Er wolle „dafür sorgen, dass Geschichte dokumentiert wird und im Gedächtnis bleibt. Aber meine Arbeit gilt auch den Angehörigen, denen ich mit meinem Wissen helfen kann.“