Radweg ist auf Schiene. Ybbstalradweg / Prüfung bringt kein neues Ergebnis: Ybbstalradweg wird wie geplant auf Teilen der Bahntrasse umgesetzt. Verwunderung und Verärgerung bei Bahnfreunden.

Erstellt am 25. Juni 2013 (00:00)
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Einstimmigkeit im Radwegverband: Stellvertreter Helmut Schagerl, Obmann Martin Ploderer und Landtagsabgeordneter Anton Kasser unterzeichnen das Radwegprojekt, das nun bei der Behörde eingereicht wird.Kössl
Von Andreas Kössl

YBBSTAL / Die Nachricht sorgte für Verwunderung unter den Ortschefs im Ybbstal. Eine Woche vor der Landtagswahl im März verkündete Landeshauptmann Erwin Pröll in der ORF-Pressestunde, dass er sich eine Kombination von Bahn und Radweg durch das Ybbstal sehr gut vorstellen könne. Dem voran gegangen war ein Gespräch zwischen dem Landeshauptmann und Vertretern der beiden Vereine „Pro Ybbstalbahn“ und „Club 598“, im Zuge dessen die Bahnfreunde dahin gehende Pläne vorlegten.

Von März bis Mai wurde nun geprüft, ob eine solche Lösung realisierbar sei. Vertreter der Ybbstalgemeinden, Experten und Bahnfreunde trafen sich zu Gesprächen. Über deren Inhalt wurde der Mantel des Schweigens gebreitet, wiewohl bereits Medienberichte eine Kombination von Bahn- und Radweg als nicht möglich erklärten.

Seit vergangenen Freitag ist es nun offiziell: Der Ybbstalradweg wird – wie ursprünglich geplant – auf Teilen der Bahntrasse umgesetzt. Das gaben die Vertreter des Radwegverbandes bei einem Pressegespräch in Lunz bekannt. Es sei geprüft worden, ob sich die Entscheidungsgrundlagen seit der ersten Entscheidung geändert haben, so der Lunzer Bürgermeister Martin Ploderer (ÖVP), der gleichzeitig Verbandsobmann ist. Es würden jedoch keine wesentlichen neuen Fakten vorliegen, weshalb das bisher vorliegende Radwegsprojekt realisiert werde. Anfang Juli soll dieses bei der Bezirkshauptmannschaft Amstetten, eingereicht werden. Der Beschluss dazu fiel im Radwegverband einstimmig.

„Dieser Radweg ist das für unser Tal geeignetste Projekt“, ist Ploderer überzeugt. Die Entscheidung sei in der Region getroffen worden und mit Landeshauptmann Erwin Pröll abgesprochen. „Wir haben uns die Sache nicht leicht gemacht und die verschiedensten Varianten geprüft“, sagt St. Georgen/Reiths Bürgermeister (SPÖ) und Verbandsobmann-Stellvertreter, Helmut Schagerl. Sowohl ein Tourismuszug als auch eine Nostalgiebahn seien in Kombination mit einem Radweg aus technischen und wirtschaftlichen gründen nicht realisierbar. „Ich stehe zu 100 Prozent hinter diesem Entschluss.“

Landtagsabgeordneter Anton Kasser stößt ins selbe Horn. Der Radweg unter Einbeziehung der Trasse sei die beste Lösung. „Von den Eisenbahnfreunden ist nichts Neues gekommen – nicht ein Beistrich. Alles wurde schon diskutiert.“

Das Radwegprojekt, das nun realisiert werden soll, sieht die Führung eines durchgängigen Radweges von Gstadt nach Lunz/See auf Teilen der ehemaligen Bahntrasse vor. Rund 26 Kilometer des knapp 48 Kilometer langen Radweges sollen dabei auf der Bahntrasse geführt werden, der Rest auf bestehenden Straßen. Zwischen Göstling und Lunz wird der vor rund 20 Jahren errichtete Radweg an die modernen Erfordernisse angepasst und bis zum Lunzer See verlängert. Die Führung von Nostalgiezügen auf der Strecke zwischen Kienberg-Gaming und Göstling wird ausdrücklich unterstützt.

Radwegbau soll im Spätherbst starten

Im besten Falle möchte man mit dem Bau des Radweges bereits im Spätherbst beginnen. Als längst mögliche Bauzeit werden fünf Jahre angegeben, gewünscht wird eine Umsetzung in nur zwei Jahren.

Mit den vom Land NÖ zur Verfügung gestellten 10 Millionen Euro werde man auskommen, ist Verbandsobmann Ploderer überzeugt. Dies werde auch durch die Expertise eines Ziviltechnikers belegt.

Parallel dazu wird gemeinsam mit der Eisenstraße an einem touristischen Konzept für die Region gefeilt. Dieses soll Ende des Jahres fertig gestellt sein.

„Club 598“-Obmann Siegfried Nykodem zeigt sich verwundert, dass man bereits mit einer Pressekonferenz zu den Gesprächen vorgeprescht ist. Es gelte noch ein Stillhalteabkommen, so der Bahnfreund. „Von Landeshauptmann Pröll habe ich noch nichts gehört“. Nykodem plädiert dafür, das Ofenloch aus Umweltschutzgründen unberührt zu lassen. Dieses solle weiterhin mit der Bahn passierbar sein, ab Hollenstein könne man dann ein Radfahrerparadies umsetzen.

Verärgert über die Entscheidung des Radwegverbandes zeigt sich Bahnfreund Erwin Krexhammer. Der Salzburger ist Mitglied von „probahn Österreich“ und hat sich gemeinsam mit Bahnfreunden aus der Region sowie Fachleuten aus den Bereichen Wirtschaft, Tourismus und Verkehr in der „Ybbstal-Touristik & Mobilität Projektträgergesellschaft“ zusammengefunden. Deren Ziel ist es, das Ybbstal touristisch aufzuwerten. Dies soll durch die Installierung einer Tourismusbahn von Gstadt nach Hollenstein in Kombination mit einem neben der Bahntrasse geführten Radweg erfolgen. 14 Millionen Euro soll ein derartiger Radweg kosten. Den Fehlbetrag zu den 10 Millionen Euro vom Land NÖ möchte man durch EU-Förderungen und Sponsorengelder auftreiben.

Ein 65-seitiges Konzept wurde dem Radwegverband Anfang Juni vorgelegt. Eine Wertschöpfung von 1,2 Millionen Euro pro Jahr für die Region wird erwartet. „Das Ybbstal ist touristisch derzeit leider sehr unterentwickelt“, so Krexhammer, „Potential ist aber da.“ Eine Studie für die touristische Erschließung des Ybbstals ist in Arbeit und soll Ende Juli vorliegen.