Beim Dachdecken abgestürzt: Dienstgeber vor Gericht

Arbeiter stürzte ohne Seil und Gurt vom Dach. Sein Dienstgeber sitzt nun vorm Richter.

Erstellt am 29. April 2018 | 05:00
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Dachdecker Symbolbild
Symbolbild
Foto: Shutterstock.com, Radovan1

„Meine Handgelenke waren zertrümmert, die waren ein Bröselhaufen“, sagt ein Bauarbeiter. Beim Dachdecken in Randegg rutschte der Mann auf nassen Planken aus und stürzte kopfüber vier Meter in die Tiefe. Weil er nicht wie laut Bauarbeiterschutzverordnung vorgeschrieben mit Seil und Gurt gesichert war, sitzt sein Arbeitgeber nun vorm Strafrichter.

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Unter anderem Kammbeinbruch, gebrochene Ellen und Speichen sowie Ellbogenbruch attestierten Ärzte nach dem Arbeitsunfall. Fahrlässige Körperverletzung wird dem Arbeitgeber aus Oberösterreich (49) im Prozess am Landesgericht St. Pölten nun vorgeworfen.

Seit Unfall berufsunfähig

„Sie hätten Sturzsicherung veranlassen müssen“, sagt der Richter zum Angeklagten. Dieser stimmt zu. Er bedauert und sagt: „Es war nur noch eine halbe Stunde zu arbeiten, dann hat es zu nieseln begonnen.“

„Nach Vorschrift gesichert wird ja in den wenigsten Fällen. Warum nicht?“, will der Richter wissen. Die Frage beantwortet das Opfer: „Weil es unpraktisch ist“, erklärt der Arbeiter. Und weiter: „Ich habe es aus Gewohnheit nicht gemacht.“

Das Opfer ist seit dem Unfall berufsunfähig. Ob es Schmerzensgeld möchte? „Es stünde Ihnen eine Menge zu“, meint der Richter. Geld fordern will der Bauarbeiter aber nicht. „Ich bin genauso schuld“, sagt er.

Der Richter bietet dem Angeklagten Diversion an. 2.600 Euro muss er bezahlen, dann kann das Verfahren gegen ihn eingestellt werden.