Tierische Therapieform: Wie Tiere Trost spenden können. Die Randeggerin Stephanie Ecker ist spezialisiert auf Trauer- und Verlustbegleitung, ihre Alpakas helfen dabei.

Von Anna Faltner. Erstellt am 06. September 2020 (06:29)
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Viel Leidenschaft und Geduld steckte Stephanie Ecker in den letzten Jahren in die Zucht und Erziehung ihrer acht Alpakas.
Faltner

Den Verlust eines lieben Menschen zu verarbeiten, ist nicht einfach. Oft hilft es, mit jemandem zu reden. Und noch viel aufmunternder ist es, wenn man dabei nicht auf sich allein gestellt ist. Stephanie Ecker hat diese beiden Bausteine kombiniert. Die diplomierte Lebens- und Sozialberaterin hat sich auf Trauer- und Verlustbegleitung spezialisiert. Das besondere an ihrer Beratung: Meist findet diese gemeinsam mit ihren Alpakas im Stall, auf der Wiese oder während eines Spaziergang statt.

Vor vier Jahren suchte die heute 26-Jährige einen Ausgleich zu ihrem Beruf als Sachbearbeiterin im Innendienst und startete die Diplomausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin in Krems. Seit dem Vorjahr bietet sie nun nebenberuflich psychologische Beratungen (und auch Alpakatouren) auf dem Bauernhof ihrer Mama in Puchberg an.

„Man ist nicht alleine, man hat das Tier an seiner Seite. Das nimmt viel Druck weg.“ Stephanie Ecker, Lebens- und Sozialberaterin

Fast zur selben Zeit erfüllte sie sich einen weiteren lang gehegten Wunsch. Sie kaufte sich vier Alpakas. „Alpakas haben mich immer schon fasziniert. Und als ich sie dann gesehen habe, war es Liebe auf den ersten Blick“, strahlt sie. Zuerst waren die südamerikanischen Tiere für Spaziergänge (auch mit Publikum) und als „Rasenmäher“ für die Wiesen der heimischen Landwirtschaft gedacht. Schnell hat Stephanie Ecker aber bemerkt, dass das Potenzial ihrer Alpakas damit noch lange nicht voll ausgeschöpft ist. „Sie sind sehr feinfühlig und liebevoll. Man kann mit ihnen eine Beziehung aufbauen. Und sie haben eine senkende Wirkung auf den Stresspegel“, erzählt die Randeggerin. Und diese Vorzüge ihrer Haustiere hat sie in ihr Therapieprogramm eingeflochten.

Trauerphasen, Verluste, Ängste und Krisen – das sind die Probleme, mit denen die Menschen zu Ecker kommen. Nach einem kurzen Gespräch geht es gleich in den Stall. Dort können sich Mensch und Tier erst einmal „beschnuppern“. „Jedes Alpaka hat seinen eigenen Charakter, so wie die Menschen. Und genau so finden sie sich dann. Der Mensch sucht sich das Tier, das ihn anspricht. Im Vorhinein kann man nie sagen, wie sich das Ganze entwickelt“, berichtet die Lebensberaterin. Warum ein Alpaka gerade in diesen Lebenskrisen so unterstützend sein kann? „Man ist nicht alleine, man hat das Tier an seiner Seite. Das nimmt viel Druck weg. Man hat nicht das Gefühl, ständig etwas sagen oder tun zu müssen.“

Das Spannende: Das Tier spiegelt den Menschen wider. Ein Beispiel: Beim Spaziergang im Wald liegt ein Baumstamm auf dem Weg. „Dieser symbolisiert ein Hindernis im Leben des Menschen. Die Reaktion zeigt, was sich im Inneren der Person abspielt. Ist sie bereit, das Hindernis zu bestreiten, geht das Alpaka mit. Wenn nicht, bleibt es stehen“, schildert sie.

Zu welchem Zeitpunkt die Kunden nach Puchberg kommen – ob einen Tag nach einer Trennung oder einem Todesfall (akut) oder erst nach ein paar Wochen – ist ganz unterschiedlich. Genauso wie die Zeit, die es dauert, das Problem zu überwinden. „Ich begleite sie ein Stück auf ihrem Weg und helfe ihnen, diesen gestärkt alleine weitergehen zu können“, betont die Randeggerin.

Wie geht Stephanie Ecker selbst mit den Erlebnissen ihrer Kunden um? Wird man da nicht traurig? „Anfangs war das schon schwierig. Ich fühle mit, versuche, mich in sie hinein zu versetzen und sie zu unterstützen, aber nicht mitzuleiden.“ Dazu hat sie auch eigene Abgrenzungsrituale eingeführt. Nach der Sitzung schreibt sie alles zusammen, dann schließt sie die Tür zu ihrem Büro. „Damit ich mich nicht den ganzen Tag damit beschäftige“, sagt sie. „Und Stallausmisten hilft auch.“

Übrigens: Von vier haben sich die Stallbewohner schon auf acht verdoppelt. Die Geburten fanden alle bei schönem Wetter um die Mittagszeit statt und verliefen problemlos. Interessant, denn die Fohlen werden von den Stuten nicht trocken gelegt, an sonnigen Tagen haben sie bessere Überlebenschancen.