Weil er ein Schloss bauen will: Neuhofner kauft Ruine. Gewölbebauer Anton Wagner aus Neuhofen hat die Ruine Perwarth gekauft. Er möchte ihr wieder zu altem Glanz verhelfen.

Von Anna Faltner. Erstellt am 23. September 2020 (05:45)
Nach der Kaufvertragsunterzeichnung besichtigten Gemeinderätin Brigitta Grohs (von links), Bürgermeisterin Claudia Fuchsluger und der neue Inhaber Anton Wagner die Schlossruine Niederperwarth.
Anna Faltner

Wenn Anton Wagner mit seinem Auto vorfährt, ist gleich klar, was seine große Leidenschaft ist. „Ich bau‘ dir ein Schloss“ steht in großen Lettern auf seiner Heckscheibe. Und diesen Traum möchte er in Perwarth verwirklichen. Donnerstagabend unterzeichnete er den Kaufvertrag für die Ruine Niederperwarth.

Idee für Gewölbebaufirma kam vor 15 Jahren

Zwischen 1555 bis 1561 wurde die Schlossruine Niederperwarth errichtet, jahrzehntelang war sie im Besitz des Bundes – und verfiel immer mehr. Die Marktgemeinde wollte da nicht länger zusehen und erwarb das gesamte Grundstück 1998.

Aber: „Wir haben uns mit dem Denkmalschutz beschäftigt. Eine Restauration wäre sehr schwierig und sehr teuer gewesen – ohne Fachleute sowieso. Jeder hat uns abgeraten, da groß etwas zu tun“, erzählt VP-Bürgermeisterin Claudia Fuchsluger. Also machte sie sich auf die Suche nach jemandem, der das nötige Know-how und die Leidenschaft für verfallene Schätze mitbringt.

Durch Zufall erfuhr der Neuhofner Gewölbebauer Anton Wagner davon und meldete sich am Gemeindeamt. „Ich habe einfach eine Schwäche für Ruinen, Burgen und Schlösser“, sagt er.

Die Idee, eine Gewölbebaufirma ins Leben zu rufen, kam dem Mathematik- und Sportlehrer am Gymnasium Amstetten, wo er bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren unterrichtete, vor 15 Jahren. „Da haben alle gesagt, das ist ein Vogel. Aber mittlerweile fliegt der Vogel – sogar ziemlich weit“, ist er stolz. Ob Ruine Kollmitz, Schallaburg oder Ruine Aggstein – sein Team hat bereits viel Erfahrung auf dem Gebiet gesammelt. „Und wir sind alle denkmalschutzgeschult“, ergänzt er.

Mit dem Kauf der Ruine Perwarth startet Wagner sein erstes, richtig eigenes Projekt. Sein oberstes Ziel ist es, die Ruine wieder für Besucher zu öffnen. Das heißt: Statisch sichern, entgrünen und begehbar machen. „Es ist in keinster Weise angedacht, einen finanziellen Zweck zu erwirtschaften oder ein großes touristisches Projekt zu gestalten. Ich will einfach, dass die Ruine erhalten bleibt und die Bevölkerung sie wieder bestaunen kann“, erklärt er.

„Ruine übt im Zustand des Verfalls Reiz aus“

Zuerst will er mit der Entgrünung und Absicherung starten, alles Weitere folgt in konzipierten Arbeitsschritten. Beginnen möchte er mit dem Eingangsbereich, ein Herzensanliegen sind ihm die Süd- und Westfassade. Ein wirkliches Ende wird aber nie in Sicht sein. „Jede Ruine übt im Zustand des Verfalls einen gewissen Reiz aus. Da ist immer etwas zu tun“, weiß er.

Der Verkaufspreis lag übrigens bei 30.000 Euro. Inkludiert ist das gesamte Grundstück samt Kellergebäude, mit Ausnahme des Radweges, der vorbeiführt. „Profit stand für uns nie im Vordergrund. Wir wollten den Erhalt der Ruine sicherstellen. Anton Wagner ist ein Fachmann und Liebhaber, der die Leidenschaft und die Expertise dafür hat. Es war ein Geschenk für uns, dass er die Ruine gekauft hat“, betont die Ortschefin.