Waldkauz wird auf Bauernhof aufgezogen. Kleiner, verletzter Waldkauz fand auf dem Hof von Familie Teufl in Purgstall eine menschliche Ersatzmama, die ihn jetzt aufzieht.

Von Karin Katona. Erstellt am 29. Mai 2021 (15:10)
Waldkauz Errol
Waldkauz Errol auf seinem derzeitigen „Wohnsitz“, dem Marillenbaum auf dem Hof der Familie Teufl in Purgstall. Als Ästling muss er noch mit Mäusen gefüttert werden, wenn er bereit ist, soll er ausgewildert werden.
privat

Ein Baby, das ständig hungrig ist, aber nicht nach dem Flascherl, sondern nach Mäusen schreit – das ist Errol, der kleine Waldkauz, den Sabine Teufl aus Petzelsdorf auf ihrem Bauernhof derzeit „aufpäppelt“. Der Name Errol stammt übrigens aus der Fantasy-Romanreihe „Harry Potter“, in der eine Briefeule namens Errol vorkommt.


Die Geschichte des Waldkauz-Kükens ist ebenso abenteuerlich wie rührend. „Ein Waldkauz-Pärchen hat heuer unsere Scheune als Kinderstube für seinen Nachwuchs ausgewählt“, schildert Sabine Teufl. „Bald schlüpften aus den drei Eiern drei Küken, richtige Flaumknäuel. Während zwei tüchtig größer wurden, blieb einer der jungen Käuze deutlich zurück.“ Schließlich fiel der Kleine mehrere Meter tief aus dem Nest, wurde vom Hauskater aufgegriffen, gerettet und wieder zurück zu seinen Geschwistern ins Nest gebracht.


„Im Nest ist es dem kleinen Kauz gar nicht gut gegangen, er wäre fast verhungert, weil er sich gegen seine Geschwister nicht durchsetzen konnte. Als ich das bemerkt habe, habe ich ihn in meine Obhut genommen“, sagt Sabine Teufl. „Und weil Errol artgerechtes Futter braucht, fangen und servieren wir ihm Mäuse – Mahlzeit!“ Mittlerweile ist Errol schon so weit entwickelt, dass er sein vom Menschen gebautes „Nest“ im Katzenkorb verlassen kann. „Er ist vom Nestling zum Ästling geworden“, berichtet seine stolze „Ersatzmama“: „Derzeit baut er mehrere Stunden am Tag Kondition und Muskeln auf, klettert auf unserem Marillenbaum und schlägt mit den Flügeln. Dazwischen wird gefiept, damit wir nicht vergessen, ihm seine geliebten Mäuse zu servieren. Die gibt es glücklicherweise auch tiefgekühlt“, lacht Sabine Teufl.

Hinter seinen Geschwistern ist Errol immer noch weit zurück. Diese sind bereits ausgeflogen, haben die Umgebung des Nests auf Nimmerwiedersehen verlassen, werden als „Ästlinge“ aber von ihren Eltern noch einige Zeit versorgt. „Meine frechen Söhne necken mich manchmal, ich wäre eine Hexe – jetzt ziehe ich auch noch eine Eule auf“, sagt Sabine Teufl. Zu zahm soll Errol allerdings nicht werden, denn ein auf den Menschen geprägter, erwachsener Waldkauz kann Menschen gefährlich werden. „Wenn er bereit ist, soll er seinen Eltern und Geschwistern in den Wald folgen“, sagt Sabine Teufl. Dass sie „ihren“ Waldkauz vermissen wird, weiß sie jetzt schon.