Rechtsfahrregel als Spielverderber. Der „Grand Prix des Sportlandes Niederösterreich“ in Scheibbs wurde abgesagt. Der Veranstalter klagt über Auflagen, die Behörde und über Uneinsichtigkeit.

Erstellt am 01. April 2014 (23:59)
NOEN, Baldauf
Peter Nausch, Präsident des Landesradverbandes: "Bei diesen Auflagen ist eine Durchführung unmöglich."
Von Christian Eplinger

Am 4. Mai hätte in Scheibbs der „Grand Prix des Sportlandes Niederösterreich“ über die Bühne gehen sollen. Ein Radrennen, das zur Serie der österreichischen „Tchibo-Top.Rad.Liga“ zählt. Diese Radliga beherbergt jene Rennen, die nach der Österreich-Rundfahrt den höchsten Stellenwert im österreichischen Radsport haben.

Scheibbs wäre aufgrund der Landesausstellung 2015 in Genuss dieses Rennens gekommen – quasi als „Probelauf“ für den eigentlichen Höhepunkt. Denn 2015 soll Scheibbs als Landesausstellungsort ein fixer Etappenort der „Österreich-Tour“ sein.

„Es gab Probleme mit dem Verkehrssachverständigen"

„Es ist seit Jahren in Niederösterreich so Gepflogenheit, dass wir im Jahr vor der Landesausstellung im jeweiligen Ort ein Cup-Rennen veranstalten und dann im Jahr der Ausstellung selbst dort eine Station der ,Österreich-Tour‘ haben“, schildert Peter Nausch, Präsident des Landesradverbandes der NÖN.

Jetzt muss der Landesradverband umplanen. Denn das Rennen in Scheibbs ist seit der Vorwoche abgesagt. „Es gab bei der Verkehrsverhandlung Probleme mit dem Verkehrssachverständigen. Wir haben wie immer ersucht, die Straßenverkehrsordnung für den Pulk aufzuheben und hätten die rund 200 Starter und 30 Begleitfahrzeuge mit zwölf Motorradpolizisten, zehn stehenden Polizeistreifen und 60 bis 70 Feuerwehrleuten abgesichert“, erläutert Nausch.

„Bei unserer Landschaft einfach zu gefährlich“ 

Für die Behörde zu wenig. „Wenn man die Straßenverkehrsordnung aufheben will, dann ist auch die Rechtsfahrregel außer Kraft gesetzt“, erläutert Bezirkshauptmann Johann Seper gegenüber der NÖN das Hauptproblem. Denn dann müsse der Veranstalter die Garantie abgeben, dass an keiner Stelle irgendjemand zwischen Vorausfahrzeug und Schlusswagen reinfährt oder reingeht.

„Ansonsten ist es bei unserem unübersichtlichen Gelände, den vielen Haus- und Hofausfahrten viel zu gefährlich für alle Beteiligten“, weiß Johann Seper. Da bei Radrennen in Österreich die 10-Minuten-Regelung gilt, könnte sich der Pulk bis zu sieben Kilometer auseinanderziehen. Und das bei einem über 34 Kilometer langen Rundkurs.

"Ich kann für die Sicherheit nicht garantieren"

„In einem flachen Gelände, wo man weit aussieht, ist das vielleicht etwas anderes. Bei unseren Landschaftsgegebenheiten kann ich für die Sicherheit nicht garantieren und daher auch keinen positiven Bescheid ausstellen. So leid es mir selbst um die Veranstaltung ist“, sagt Seper. Noch sei der Bescheid aber nicht draußen. „Wenn der Antrag abgeändert wird und die Straßenverkehrsordnung in Kraft bleibt, steht dem Rennen von uns aus nichts im Wege“, betont Seper.

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Nur da zeigt sich derzeit auch der Landesradverband nicht einsichtig. „Wir haben bei all unseren Rennen diese Regelung und nirgends ist es ein Problem. Nur hier müssten wir die gesamte Strecke absperren. Diese Verantwortung können wir nicht übernehmen. Somit bleibt uns keine andere Wahl, als die Veranstaltung abzusagen“, kontert Nausch.

„Schade, es wäre sicher eine gute und werbewirksame Veranstaltung für uns und die Region geworden. Aber uns als Stadtgemeinde sind hier die Hände gebunden. Auch wir können diese Verantwortung nicht übernehmen“, erklärt Bürgermeisterin Christine Dünwald.

Keine Probleme bei Erlauftaler Radsporttagen

Für Diskussionen sorgt der Vorfall jedenfalls auch in der Radsportszene. Bei den Erlauftaler Radsporttagen, die heuer von 25. bis 27. Juli zum 43. Mal in Purgstall über die Bühne gehen, und bei der genauso Landes- und Bundesstraßen befahren werden, gab es bisher nie ein Problem.

„Wir hatten bislang bestes Einvernehmen sowohl mit der Bezirksbehörde als auch der Polizei. Aber natürlich gilt bei uns grundsätzlich die Straßenverkehrsordnung mit einigen kleineren Ausnahmen. Das wird aber von allen Seiten so toleriert. Ansonsten bringt man den Radsport um, außer es gibt eine gesetzliche Regelung, die für alle Radsportveranstaltungen gilt. Aber die kann nur die Politik beschließen“, weiß Reinhard Windpassinger, einer der Hauptorganistoren der Erlauftaler Radsporttage vom ARBÖ Radclub Purgstall.

Forderung nach österreichweiten Regelung

Genau da will auch Peter Nausch einhaken. „Wir brauchen eine österreichweit oder zumindest niederösterreichweit einheitlich gültige Regelung. Es kann nicht sein, dass es von Bezirkshauptmannschaft zu Bezirkshauptmannschaft unterschiedliche Auffassungen gibt“, sagt Nausch.

Übrigens: Trotz der derzeitigen Aufregung um das Tchibo-Cup-Rennen ist Scheibbs als Etappenziel bei der Österreich-Rundfahrt 2015 nicht in Gefahr. „Das versicherten uns alle Verantwortlichen. Dafür wird es eine Lösung geben“, sagt Bürgermeisterin Christine Dünwald.