Reinsberg

Erstellt am 09. März 2018, 04:25

von Christian Eplinger

Raiffeisenbank: Vision bargeldlose Gemeinde. Aus der Not eine Tugend machen. Das will Reinsbergs Bürgermeister Franz Faschingleitner. Nachdem „seine“ Raika-Filiale geschlossen wird, denkt er an die Zukunft.

Ortsstellenversammlung der Raiffeisenbank in Reinsberg am vegangenen Mittwoch. Auch nach dem offiziellen Teil gab es noch viel Gesprächsstoff, von links: Vizebürgermeister Christian Vogelauer, Bürgermeister Franz Faschingleitner, Obmann Leopold Gruber-Doberer und die Direktoren Leopold Grubhofer und Johann Vieghofer.  |  NOEN, Christian Eplinger

Ortsversammlung der Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel Region Gresten-Randegg-Reinsberg im Gasthaus Stadler. Es ist die letzte Versammlung in Reinsberg, bei der es noch eine eigene Bankstelle im Ort gibt. Am 4. Mai hat diese zum letzten Mal geöffnet. Dann müssen die Kunden für ihre Bankgeschäfte nach Gresten, Randegg oder Scheibbs fahren.

„Die Rahmenbedingungen in der Zeit der Digitalisierung haben sich auch für uns geändert. Diese Maßnahmen machen wir nicht gerne, aber sie sind alternativlos“, betont Raiffeisenbank-Direktor Johann Vieghofer. „Wir tun es nicht, um euch zu ärgern, sondern um das Eigentum abzusichern und auch in Zukunft Hausherren zu bleiben“, ergänzt Obmann Leopold Gruber-Doberer.

Wer jetzt einen Aufschrei der Reinsberger erwartet hat, wird enttäuscht. Die Sitzung verläuft ruhig weiter. Viel mehr noch. Bürgermeister Franz Faschingleitner (ÖVP) lässt mit einem Vorschlag aufhorchen: Reinsberg soll eine bargeldlose Gemeinde werden.

Zuerst „angefressen“, dann an Zukunft gedacht

„Ich war die ersten zwei Wochen, nachdem ich von der Entscheidung erfahren hatte, massiv angefressen und frustriert, hatte etliche heiße Diskussionen mit den Raika-Direktoren. Dann kam das Angebot mit dem Bankomaten. Wenn wir 200 Euro pro Monat zahlen, bleibt er erhalten. Aber ich will nicht für etwas zahlen, das enden wollend ist“, betont Faschingleitner und rechnet damit, dass spätestens in fünf Jahren wieder dieselbe Diskussion aufpoppt. Noch dazu wo der Bankomat in Reinsberg einer mit den wenigsten Behebungen ist und auch den älteren Menschen nicht wirklich weiterhelfe.

Daher neu denken: „Stellen wir ein System für die Zukunft des Ortes auf die Beine und schaffen wir die bargeldlose Gemeinde“, fordert Faschingleitner. Die Zukunft könnte also so ausschauen, dass es in Reinsberg rund 45 Bankomatkassen gibt, wo man bargeldlos bezahlen kann. Dazu soll man über die Bankomatkassen im Gasthaus Stadler und im Reinsberger G‘schäft auch Bargeld beheben können. Eine Vision, die auch die Direktoren Johann Vieghofer und Leopold Grubhofer begeistert. Sie sagen ihre Unterstützung bei Entwicklung und Umsetzung dieser Vision zu. Denn derzeit gibt es erst drei Bankomatkassen in Reinsberg. „Wir werden gemeinsam ein Projekt aufsetzen, das Hand und Fuß hat und auch die Landesbank ins Boot holen“, verspricht Vieghofer.

Dieses soll bis 31. Dezember umgesetzt sein. Bis dahin bleibt der Bankomat in Reinsberg bestehen. „Reinsberg macht aus der Not eine Tugend. In diesem Konzept sind viele Chancen drinnen. Das könnte beispielgebend für viele Gemeinden sein“, ist auch Leopold Gruber-Doberer, selbst Bürgermeister in Ruprechtshofen, überzeugt.