Es „muht“ wieder in der Berglandhalle. Erste Großviehversteigerung in der Berglandhalle brachte guten Auftrieb aber noch nicht die erhofften guten Preise.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 20. Mai 2020 (04:45)
Am Mittwoch fand in der Berglandhalle die erste Großviehversteigerung Niederösterreichs statt. 400 Stück Großvieh aller Rassen und 120 Zuchtkälber wurden dabei aufgetrieben.
Christian Eplinger

Es herrscht wieder reger Betrieb rund um die Berglandhalle – Autos und Anhänger füllten die Parkplätze, hunderte Tiere die Stallungen. Rinderzüchter aus ganz Niederösterreich trieben rund 400 Stück Großvieh aller Rassen, darunter 90 Erstlingskühe, sowie 120 Zuchtkälber bei der ersten Großviehversteigerung Niederösterreichs seit dem Corona-Lockdown auf. „Das entspricht einem durchschnittlichen Auftrieb bei einer Versteigerung“, weiß Karl Zottl, Geschäftsführer vom NÖ Rinderzuchtverband.

Von Beginn weg mischen sich sowohl unter Züchtern als auch Käufern sowohl Freude über das Wiederaufsperren mit etwas Skepsis. „Welche Preise sind heute zu erzielen? Wieviele Käufer – auch internationale – sind vor Ort?“ Darüber wird in Züchterkreisen eifrig diskutiert. Ein paar Stunden später ist man klüger.

„Ohne den Export würden derzeit 50 Stück genügen.“Rinderzuchtverbands-Geschäftsführer Karl Zottl

„Die Preiserwartungen der Verkäufer wurden bereits nach den ersten zehn Tieren nach unten revidiert. Dennoch erzielten wir bei den Zuchtkälbern mit einem Durchschnittspreis von 560 Euro sowie bei den Kalbinnen mit 1.730 Euro gute Ergebnisse, wobei 98 Prozent davon in den Export vor allem nach Aserbaidschan, Italien und teilweise Spanien gehen“, erklärt Karl Zottl am Tag nach der Versteigerung.

Weniger zufriedenstellend waren die Preise bei den Erstlingskühen. Der Durchschnittspreis von 1.600 Euro bewegt sich rund 200 Euro unter dem Normalpreis. „Wenn die Molkerei sagt, ihr sollt um zehn Prozent weniger Milch liefern und die Futtersituation auch nicht berauschend ist, dann kaufst du keine Milchkühe“, erklärt Zottl und hofft, dass sich die Situation bis zur nächsten Großviehversteigerung am 24. Juni bessert.

Mit vor Ort waren auch NÖ Rinderzuchtverbandsobmann Leopold Buchegger, NÖ Landwirtschaftskammervizepräsidentin Andrea Wagner und NÖ Bauernbunddirektor Paul Nemecek (von links).
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Insgesamt ziehen dennoch alle ein positives Resümee über diesen ersten Versteigerungstag, den sich auch Landesobmann Leopold Buchegger aus Oberndorf, die neue Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Andrea Wagner, selbst Milchbäuerin und Züchterin, sowie NÖ Bauernbunddirektor Paul Nemecek nicht entgehen ließen.

„Die Zuchtviehversteigerungen sind die Lebensadern für unsere Kulturlandschaften im südlichen Teil Niederösterreichs. Die Bauern in dieser Region brauchen den Absatz und die Wertschöpfung. Ansonsten wird die Bewirtschaftung des Landes nicht mehr möglich sein. Und geht die Kuh, kommt der Wald. Kommt der Wald zu intensiv, geht der Mensch. Diese alte Weisheit bewahrheitet sich leider immer wieder“, weiß Buchegger, der bei der Versteigerung selbst seine ersten Tiere wieder auf den Markt brachte.

Geschäftsführer Karl Zottl hieß Züchter und Käufer willkommen und wies auf die Schutzmaßnahmen hin. 
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Auch Andrea Wagner unterstrich die Bedeutung der Großviehversteigerung. „Es ist ein wichtiges sichtbares Zeichen nach innen und außen, dass der Markt wieder stattfindet und neuen Schwung aufnimmt“, freut sich Wagner. Als positives Signal an die 5.500 Rinderbauern und die Landwirtschaft insgesamt in Niederösterreich sieht Direktor Paul Nemecek die Durchführung der Versteigerung: „Der markt hat auch einen großen psychologischen Effekt“, ist Nemecek überzeugt. Daneben werde es aber weiter wichtig sein, marktunterstützende Maßnahmen ins Leben zu rufen. Den von Bundeskanzler Kurz und Bauernbundpräsidenten Strasser angedachten Regionalbonus bei den Lebensmitteln gelte es jetzt, im Handel, der Gastronomie und den öffentlichen Küchen umzusetzen.