Benefizveranstaltung: „Werte sind eine Stütze“. Barbara Stöckl, das „soziale Gewissen“ des ORF, liest am Donnerstag, 22. September, im kultur.portal Scheibbs aus ihrem Buch „Wofür soll ich dankbar sein?“.

Von Karin Katona. Erstellt am 21. September 2016 (04:07)
ORF
Barbara Stöckl hält eine Benefiz-Lesung in Scheibbs.

Barbara Stöckl hat in ihrem Buch „Wofür soll ich dankbar sein?“ ihre persönlichen Erfahrungen aus ihrer eigenen Lebensgeschichte und Begegnungen mit Menschen, die schwerste Schicksalsschläge erlebt haben, verarbeitet. Mit der NÖN hat die Autorin über diese Erfahrungen gesprochen.

NÖn: In Ihrem Buch geht es um „wahre Werte“, „erfüllende Momente“ und „echte Freunde“ – wie definieren Sie das?

Stöckl: Das kann nur jeder Mensch für sich selbst definieren. Für mich sind das Momente, Menschen, Begegnungen, bei denen man das Gefühl hat: das ist echt, ehrlich, es stimmt. Ich muss nicht überlegen, hinterfragen, sondern kann ganz vertrauen, mich so zeigen, wie ich wirklich bin. Jeder, der das erlebt, weiß wie gut das tut!

Kann man anderen Menschen überhaupt sagen, was wahre Werte sind – die sind doch individuell unterschiedlich?

Stöckl: Natürlich ist jeder auf individueller Suche, nach den Werten, die für ihn wichtig und richtig sind. Aber darüber hinaus gibt es Werte, die eine Gesellschaft zusammenhalten. Manches davon bröckelt, deshalb ist die Sehnsucht der Menschen nach solchen verbindlichen Werten so groß. Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Verbindlichkeit, ich weiß, dass das für manche sehr altmodisch klingt. Aber da bin ich sehr gerne altmodisch. Werte sind eine wichtige Stütze im Leben, geben Halt und Zugehörigkeit, Dinge, die wir gerade jetzt so brauchen!

Sie sprechen von Menschen, die nach schlimmsten Schicksalsschlägen weiterleben – haben diese Menschen etwas gemeinsam, wie sie mit dem Erlebten umgegangen sind?

Stöckl: Viele von den Menschen, die ich getroffen haben, konnten trotz schlimmster Erfahrungen auf das in ihrem Leben blicken, was ist, und nicht auf das, was fehlt. Aber das kann man nicht von außen verordnen, das wäre zynisch und dumm, aber oft können Situationen, die wir als sehr schmerzhaft erleben, auch eine Gelegenheit sein. Meist braucht diese Erkenntnis einen zeitlichen Abstand und sie steht einem nur selbst zu.

Was haben Sie selbst von diesen Menschen gelernt? Was können wir von diesen Menschen lernen?

Stöckl: Dass das Leben wunderschön ist. Dass keiner von uns weiß, wie sehr man an welchem Leben hängt. Demut, Dankbarkeit. Mit dem glücklich sein, was man hat. Es geht uns gut. wir müssen es nur erkennen und schätzen lernen.

Wenn man Menschen mit schwerem Schicksal begegnet, nimmt man sich als Außenstehender oft vor, selbst das Schöne im Leben mehr zu schätzen. Warum wird aus diesem Vorsatz meistens nichts?

Stöckl: Was das Genießen der schönen Dinge im Leben angeht: Ich übe da auch nur, so wie alle anderen. Aber Übung macht auch in diesen Dingen den Meister. Wenn man sich vornimmt, jeden Abend oder jeden Morgen kurz darüber nachzudenken, was man alles Schönes im Leben hat – das können auch Kleinigkeiten sein – dann verändert sich tatsächlich etwas! Dieses Wissen hilft dann auch, wenn es mal schwierig oder belastend wird. Bruder Martin (aus Melk) hat kürzlich bei einer Andacht im Museumsdorf Niedersulz gesagt: Jedes Gänseblümchen ist eine Botschaft an uns – das klingt vielleicht auf den ersten Blick banal, ist aber sehr weise!

Lesung: Barbara Stöckl: „Wofür soll ich dankbar sein?“

Donnerstag, 22. September, 19.30 Uhr, kultur.portal Scheibbs.

Karten: 10 €, beim RK Scheibbs, Direktion Schule Rogatsboden 0676/4033670, Caritas 0676/83844601 und vor Beginn der Veranstaltung.

Der Erlös kommt ausschließlich den Veranstaltern Rotes Kreuz Scheibbs, Lebenshilfe und Schule Rogatsboden wie Caritas Betreuen und Pflegen zuhause zugute.