Christian Weigl: „Bin einer von vielen Kollegen“

Er sei gekommen, um zu bleiben, sagt der neue 47-jährige Wittur-Geschäftsführer Christian Weigl aus Pfaffstätten.

Christian Eplinger
Christian Eplinger Erstellt am 23. September 2021 | 06:39
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Seit Mai ist Christian Weigl Geschäftsführer der Wittur Austria GmbH in Scheibbs. Sein Ziel ist es, den Standort Scheibbs als Systemlieferanten zu positionieren und damit auf breitere Beine zu stellen.
Foto: Eplinger

Eines haben die jüngsten Wechsel in der Geschäftsführung bei Wittur Austria gemeinsam. Sie gehen still und leise über die Bühne. Nachdem Michael Bach nach drei- einhalb Jahren im Jänner 2020 die Geschäftsführung an Isfried Janetschek übergeben hatte und in die Automobilbranche zu iSi Automotive nach Wien gewechselt war, hat Wittur Austria seit Mai wieder einen neuen Geschäftsführer.

Er ist den umgekehrten Weg von Bach gegangen. Christian Weigl war 18 Jahre lang in der Automobilindustrie, genauer gesagt bei Magna in Ebergassing tätig. „Ich habe dort nach dem Studium der Kunststofftechnik in Leoben begonnen, war ab 2008 für den Produktionsbereich zuständig, wurde 2013 Assistent General Manager und übernahm 2016 schließlich die Geschäftsführung des Standortes Ebergassing“, schildert der 47-jährige, gebürtige Weinviertler, der jetzt mit seiner langjährigen Lebenspartnerin und seinen beiden Kindern (11 und 13 Jahre alt) in Pfaffstätten bei Baden lebt.

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„Ein super Team, das gierig ist nach neuen Herausforderungen, mit denen es auch wachsen kann.“ Christian Weigl

In Scheibbs habe er sich schon gut eingelebt und sei gekommen, um zu bleiben. „Ich bin einer, der längerfristig plant und zu 100 Prozent dahintersteht“, lächelt Weigl, angesprochen auf die nur einjährige Geschäftsführer-Zeit seines Vorgängers. „Das war von Beginn weg so geplant. Isfried Janetschek war als Interims-Manager gekommen, der einiges umstrukturiert hat. Daran knüpfe ich nun an“, sagt Weigl, der in seiner Freizeit begeisterter Sportler (Mountainbiken, Klettern, Bergsteigen, Windsurfen) ist.

Zu Scheibbs und den Wittur-Standort hat er durchaus auch privaten Bezug. Ein Verwandter seines „Schwiegervaters“ Josef Reisenbichler, der aus St. Anton und nun im Weinviertel lebt, hat bei Kone Sowitsch gearbeitet. Und auch die Firmpatin seiner Frau lebt in Scheibbs – mit Blick auf den Wittur-Turm.

Von den 500 Mitarbeitern in Scheibbs spricht Weigl in höchsten Tönen. „Es ist ein super Team hier am Werk – in allen Bereichen. Von den Konstrukteuren über die Techniker bis hin zur Produktion. Dabei ist jeder gleich wichtig für den Gesamterfolg des Unternehmens. Alle sind gierig nach neuen Herausforderungen, mit denen sie auch wachsen können. Man kann alles erlernen, das Wichtigste ist, man will es erlernen“, gibt Weigl als Motto in seinem Unternehmen aus. Wobei Weigl nicht von seinen Mitarbeitern sprechen will. Denn „Wir sind alles Kollegen. Ich bin einer von vielen hier“, sagt Weigl, der anderes als seine Vorgänger nur für den Standort Scheibbs zuständig ist. Den Standort in der Slowakei betreut derzeit Hans Königshofer, der COO der Wittur Group, mit.

Von Komponentenwerk zum Systemlieferanten

Dabei ist Weigl aber mit klaren Zielen für den Standort angetreten. Der soll auf breitere Beine gestellt werden. „Bisher waren wir vor allem ein Kone-Standort, der Sicherheitskomponenten entwickelt und produziert hat. Nun wollen wir uns als Systemlieferant positionieren. Wir bieten den Kunden Gesamtlösungen für seine Produkte“, schildert Weigl und freut sich, mittlerweile auch schon die ersten Aufträge für den Schweizer Aufzughersteller Schindler abzuwickeln. Wenn alles gut geht, könnte auch Thyssen bald zu den Scheibbser Wittur-Kunden zählen. „Das öffnet Türen für mehr und auch neue Produkte.“

Scheibbs habe sich in den vergangenen Jahren im westeuropäischen Markt aber auch als Standort für Sonderlösungen etabliert. Rund 25 Prozent der in Scheibbs hergestellten Komponenten werden nur einmal konstruiert und produziert. „Wir sind kein Massenware-Standort, sondern ausgelegt für komplexe Lösungen. Wir haben das Know-how und die Mitarbeiter dazu. Das ist durchaus ein Alleinstellungsmerkmal für den Standort“, weiß Weigl und nennt dabei das Schlagwort „Lokalisierung“. So werden aktuell in Scheibbs Produkte aus China für Mexiko zusammengebaut und fix-fertig nach Nordarmerika verschickt.

Die Corona-Krise hat der Standort Scheibbs relativ unbeeindruckt hinter sich gebracht. Der Jahresumsatz von rund 160 Millionen Euro sei annähernd gleich geblieben. Die Auftragslage sei zwar 2020 leicht gesunken, dafür liege man heuer weit über dem geplanten Budget. „Unsere Hauptsorgen derzeit sind Lieferprobleme bei Elektronikkomponenten und die Steigerung bei den Rohstoffpreisen. Da hat sich die Dynamik stark erhöht. Liefertermine werden oft kurzfristig nicht eingehalten. Das verursacht einen enormen Zusatzaufwand. Da kommt es schon vor, dass ich selbst mit dem Lieferanten vom Lieferanten telefoniere, um Komponenten zu bekommen“, erzählt Weigl, der aber gerade in diesem Punkt auch eine Chance für den Standort Scheibbs sieht. „Die Corona-Krise holt auch wieder vieles zurück nach Europa. Instabile Lieferketten und Abhängigkeiten gerade aus Asien sind ein Problem geworden. Daher überdenken viele Unternehmen ihre Strategie. Davon können Standorte in Österreich profitieren“, ist Weigl überzeugt.