Ein Blick in den Krisenstab: „Anspannung ist hoch“. Mitarbeiter des Contact Tracing-Teams der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs erzählen im NÖN-Gespräch über ihre Aufgaben, Erlebnisse und Zusammenhalt.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 11. Dezember 2020 (11:54)
Bezirkshauptmann Johann Seper (2. von links) mit vier Mitarbeitern des Scheibbser Krisenstabes. Christoph Fallmann, Stefanie Dünwald, Anita Krenn und Georg Janker (von links) berichteten stellvertretend über die Arbeit hinter den Kulissen beim Contact Tracing und im Krisenstab.
Christian Eplinger

Rund 45 Personen umfasst der Pool des Krisenstabes der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs, der seit März versucht, der Coronakrise Herr zu werden. Eingesetzt in Teams, in unterschiedlicher Intensität und mit unterschiedlichen Aufgaben. An Spitzentagen waren im November im Bezirk um die 70 bis 80 Neuinfektionen täglich abzuarbeiten. Die Folge: jede Menge Telefonate, Datenerfassung und Bescheiderstellungen.

„An Spitzentagen waren unsere Leute zwölf Stunden und mehr im Einsatz – auch am Wochenende. Und bei all dem darf man nicht vergessen, dass die eigentliche Arbeit in den Abteilungen auch nicht liegen bleiben darf. Ich bin sehr stolz auf mein Team“, lobt Bezirkshauptmann Johann Seper seine Mannschaft, die während der Coronakrise mit maximal drei Bundesheersoldaten und zusätzlichen Angestellten über das Epidemiegesetz verstärkt wird.

Manchmal ist Kaffeepause nötig

„Oft ist es auch nicht ganz einfach, dein Gegenüber am Telefon von der Notwendigkeit der Maßnahme zu überzeugen.“ Contact Tracer Georg Janker

So wie etwa Christoph Fallmann. Der Jusstudent aus Scheibbs absolvierte im Sommer ein Verwaltungspraktikum an der Bezirkshauptmannschaft und verpflichtete sich im Anschluss gleich weiter. „Das Arbeitsklima hier war schon während meines Praktikums exzellent und da ich ohnehin auf meine letzte Prüfung warten musste, habe ich mich entschlossen, mitzuhelfen. Ich habe es nicht bereut, auch wenn dir beim Contact Tracing schon vieles unterkommt und man zeitweise gerne mal aufsteht und sich einen Kaffee holt“, schildert Fallmann.

Ebenfalls freiwillig für den Dienst als Contact Tracer gemeldet hat sich der Berufssoldat Georg Janker aus der Biragokaserne Melk. „Ich habe es nicht bereut. Es ist ein ganz anderes Aufgabengebiet, ein oft sehr herausforderndes. Denn während manche Telefonate gerade bei Gesundheitsmeldungen nur ein oder zwei Minuten dauern, kann sich bei der Nachverfolgung ein Gespräch auch ziemlich in die Länge ziehen und zwischen 15 und 20 Minuten in Anspruch nehmen. Es ist auch nicht immer ganz einfach, das Gegenüber am Telefon von der Notwendigkeit der Maßnahme zu überzeugen. Da braucht es mitunter auch schon mal die Unterstützung der Mediziner“, sagt Georg Janker und lobt die Zusammenarbeit in der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs.

Heikle Fälle werden intern, wenn die Zeit bleibt, nachbesprochen. „Das ist wichtig, genauso wie die Unterstützung durch die Stabsleitung. Denn manchmal muss man schon länger mit den Leuten am Telefon diskutieren. Da ist es wichtig, sachlich und ruhig zu bleiben, wobei ich mir vorstellen kann, dass es im städtischen Bereich vielleicht sogar noch schwieriger ist als hier im Bezirk Scheibbs“, ergänzt Christoph Fallmann. Beschimpfungen am Telefon kommen nur selten vor. „Mir ist das bisher zwei Mal passiert. Nach solchen Gesprächen ist es aber mal gut, den Hörer zur Seite zu legen und durchzuatmen. Sonst geht man zu emotional in das nächste Gespräch“, schildert Janker seine Erfahrungen.

Die Coronakrise hätte die ohnehin schon gute Teamarbeit auf der Bezirkshauptmannschaft noch zusätzlich verbessert bestätigen auch Anita Krenn und Stefanie Dünwald. Die beiden Sachbearbeiterinnen sind normalerweise in der Verkehrs- beziehungsweise Sozialabteilung der Bezirkshauptmannschaft im Einsatz. In den letzen Monaten waren sie aber vor allem mit der Erfassung der Daten, der Weitergabe von Telefonlisten für die Contact Tracer und der Erstellung von Bescheiden – egal ob Absonderungs- oder Gesundheitsbescheiden – befasst.

Große Unterstützung aus der Kollegenschaft

„Die normale Arbeit läuft nebenbei mit. Zum Glück haben uns unsere Kollegen bestens unterstützt, sodass gerade bei dringenden Fällen wirklich nichts zurückbleibt“, schildert Anita Krenn, die zugibt, sich zu freuen, wenn sie wieder verstärkt in der Verkehrsabteilung arbeiten kann. „Einmal wegzukommen von Coronalisten und normale Akten zu bearbeiten, tut gut. An Spitzentagen hatte man oft das Gefühl, die unbearbeiteten Mails werden nicht weniger, obwohl man sie von der Früh an abarbeitet. Aber es kamen ständig neue Meldungen hinzu“, erzählt auch Stefanie Dünwald.

Bei der Frage „Wie die Sache weitergeht?“ zucken alle Beteiligten mit der Schulter. „Hoffen wir, dass die Maßnahmen greifen und die Zahlen nach unten gehen. Im Frühjahr war das für uns alle Neuland. Über den Sommer haben auch wir auf der Behörde viel gelernt. Nur solche Phasen wie im November möchten wir alle nicht mehr erleben. Da war die Anspannung schon sehr, sehr hoch“, sagt Stefanie Dünwald.