Fast vergessene Schätze im Keramikmuseum. Seit 2006 zeigt das Ehepaar Hottenroth im Scheibbser Keramikmuseum seine umfangreiche Sammlung von Produkten der Keramikerzeugung in Scheibbs.

Von Karin Katona. Erstellt am 01. August 2018 (05:00)
Karin Katona
Keramik-Sammler Hans Hagen Hottenroth vor seinen Lieblingsstücken: „Die Scheibbser Tonindustrie hat in den 1920er-Jahren mit bedeutenden Jugendstil-Künstlern der Wiener Werkstätte zusammengearbeitet. Entstanden sind farbenfrohe, expressive Kunstwerke.“

Seit 95 Jahren wird (mit wenigen Unterbrechungen) in Scheibbs Keramik hergestellt, seit 25 Jahren sammeln Johanna und Hans Hagen Hottenroth weltweit Keramikobjekte aus Scheibbs.

Durch Zufall ist das Ehepaar auf die spannende, doch fast vergessene Geschichte der „Tonindustrie Scheibbs“ gestoßen. „Niemand in Scheibbs schien sich mehr daran zu erinnern, dass diese Vorgängerin der Scheibbser Keramik zwischen 1923 und 1933 mit hervorragenden Künstlern eine farbenfrohe, äußerst expressive Kunstkeramik hergestellt hat, unter anderem mit Künstlern der berühmten Wiener Werkstätte“, schildert Hans Hagen Hottenroth den Anfang seiner Sammelleidenschaft.

„Ich habe die Geschichte recht interessant gefunden und beschlossen, ein Buch darüber zu schreiben. Dazu musste ich natürlich auch einige Stücke kaufen.“ Aus „einigen Stücken“ wurden schnell mehr: „Schon nach kurzer Zeit hat es mich gepackt und nicht mehr losgelassen.“ Zu Beginn, erzählt der begeisterte Sammler, habe es nur wenige Anhaltspunkte gegeben, welche Stücke genau die Tonindustrie hergestellt hatte.

Dann der Durchbruch: „Auf dem Dachboden der Familie Steinkellner – der Großvater, Florian Steinkellner, war Brennmeister in der Tonindustrie gewesen – haben wir einen wahren Schatz gefunden.“ In einer Truhe lagen ein Katalog mit Werbematerial, Fotos, Beschreibungen, Skizzen, sogar Preisangaben aller Stücke. Für die Hottenroths „ein Gefühl wie bei der Öffnung eines ägyptischen Grabes“.

„Das war ein Gefühl, wie wenn man ein ägyptisches Grab öffnet.“Hans Hagen Hottenroth über den Fund von Original-Unterlagen der Tonindustrie Scheibbs

Bereits 1995 war Hottenroths Buch „Die Scheibbser Tonindustrie“ fertig, mittlerweile ist es längst vergriffen. Vier Jahre nach dem Erwerb des ersten Stücks hatten Johanna und Hans Hagen Hottenroth bereits eine Sammlung von mehr als 2.000 Objekten. Doch damit nicht genug: Durch einen Händler wurde das Ehepaar darauf aufmerksam, dass sich viele Scheibbser Stücke in den USA finden lassen. „Ich war noch nie in den USA gewesen, aber unsere nächste Reise führte uns natürlich nach New York – wo wir tatsächlich fündig wurden“, schildert Hans Hagen Hottenroth. „Mittlerweile waren wir 13 Mal in New York und sind jedes Mal mit Taschen voller Keramik heimgekommen – insgesamt einige hundert Stück, wunderschön erhalten.“

Langsam aber wurde der Platz in der Hottenroth‘schen Wohnung eng. Dazu kam der Wunsch, die Sammlung auch öffentlich zu zeigen. Wieder hatte das Ehepaar Glück. Nach dem Tod ihres letzten Besitzers stand die Keramikfabrik Scheibbs zum Verkauf. „Wir haben 2006 den Museums-Verein Scheibbs gegründet und mit finanzieller Hilfe von Land, Stadt Scheibbs und privaten Sponsoren das desolate Fabriksgebäude renoviert und adaptiert.“

Mehr als 2.500 Stücke sind ausgestellt

Das Keramikmuseum wurde ein Erfolg und erhält sich mit 3.500 Besuchern pro Jahr selbst. Die Sammlung umfasst etwa 2.500 Stücke. Im Zentrum stehen dabei die Objekte der künstlerischen Jugendstil-Keramik der Tonindustrie Scheibbs. „Aus Gründen der Vollständigkeit zeigen wir auch Produkte aus allen anderen Stadien der Scheibbser Keramikerzeugung sowie meine Sammlung von bäuerlichem Gebrauchsgeschirr aus vier Jahrhunderten“, erklärt Hans Hagen Hottenroth. Regelmäßige Sonderausstellungen anderer Sammler erweitern das Spektrum.