Reporterinnen vor Ort: „Moria soll im Gespräch bleiben“. Scheibbserin Magdalena Punz und Veronika Mauler aus Gresten berichteten für Puls 24 und ORF vor Ort aus Flüchtlingslager.

Von Karin Katona. Erstellt am 08. Januar 2021 (04:00)
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Puls 24-Chefreporterin Magdalena Punz aus Scheibbs und ORF-Radioredakteurin Veronika Mauler aus Gresten (Bild unten im Text) haben sich auf einer Reise gemeinsam mit anderen Journalisten ein Bild von den Zuständen der Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos gemacht:
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Es ist der Inbegriff für Flüchtlingselend und wird auch „Schande Europas“ genannt: das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. Nachdem das Lager Anfang September abgebrannt ist, wurden 7.500 Menschen in einem Nachfolgelager untergebracht. Die Scheibbserin Magdalena Punz, Chefreporterin beim Nachrichtensender Puls 24, und ORF-Radioredakteurin Veronika Mauler aus Gresten waren im Dezember vor Ort. Initiiert wurde die Reise durch Schauspielerin Katharina Stemberger, Gründerin der Initiative „Courage – Mut zur Menschlichkeit“, die sich für die Flüchtlinge in Lesbos einsetzt. Erste Station: das abgebrannte, ehemalige Zeltlager Moria.

„Es war erschütternd, zu sehen, was die Menschen in Panik beim Brand zurückgelassen haben“, schildert Veronika Mauler. Sie arbeitet als ORF-Radioreporterin, für Ö1, Ö3, FM4 und die ORF-Landesstudios. „Ein Kinderschuh, ein Handschuh, ein Heft – man denkt an die Menschen, denen diese Dinge gehört haben und die Angst, die sie gehabt haben müssen.“

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„Es ist schwer, sich daran zu erinnern, dass das alles in der EU passiert“, sagt ORF-Radioredakteurin Veronika Mauler aus Gresten
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Das Moria-Nachfolgelager Kara Tepe liegt direkt am Meer. Betreten durften es die Journalisten nicht. Magdalena Punz schildert die Lebensumstände: „Die Menschen leben wie in einem Gefängnis hinter Stacheldraht, dürfen das Lager nur einmal pro Woche verlassen. Es gibt keinen Strom und kein warmes Wasser.“ Das Schlimmste im Lager sei aber der Schlamm. „Weil das neue Lager nahe am Meer steht, kommt es häufig zu Überschwemmungen. Das heißt, die Menschen leben buchstäblich im Dreck. Und weil es kaum Trockenmöglichkeiten gibt, müssen sie ständig ihre feuchte Kleidung tragen. Das und die mangelnde Hygiene macht viele krank“, schildert Punz.

Viele der Flüchtlinge, besonders Kinder, seien traumatisiert: „Zu den Schrecken der Flucht kommen auch noch die des Brands. Manche Kinder sind so geschockt, dass sie einfach aufhören zu sprechen. Wenn man sieht, wie die Kinder trotz allem versuchen, sich ein Stück Normalität zu erhalten und zwischen den Zelten hinter dem Stacheldraht spielen, geht das ans Herz“, sagt die Scheibbserin.

„Volksschulkinder äußern Gedanken über Selbstmord.“ Veronika Mauler, ORF-Radioredakteurin

In einem Interview habe ihr eine Psychologin von „Ärzte ohne Grenzen“ von den Selbstmordgedanken vieler Kinder erzählt, so Radioreporterin Veronika Mauler aus Gresten, die für den ORF mehrere Reportagen über ihre Reise nach Lesbos verfasst hat. „Sie sehen keinen Ausweg, glauben, dass sie nie mehr aus dem Lager herauskommen werden“, sagt Mauler. „Bei den Zuständen auf Lesbos ist es fast unmöglich, sich vorzustellen, dass das alles in der EU passiert“, sagt Mauler.

Seit Kurzem gibt es eine gemeinsame Absichtserklärung der EU und Griechenland, bis September 2021 ein neues Aufnahmezentrum sowie drei kleinere Lager auf Lesbos zu errichten. „Den Menschen dort muss so schnell wie möglich geholfen werden“, sind sich Punz und Mauler einig. „Wir müssen dafür sorgen, dass das Thema Moria im Gespräch bleibt.“