Hospizverein: „Einfach nur da zu sein, kann genügen“

Im vergangenen Jahr führte der Hospizverein um ein Viertel mehr Begleitungen durch, im Lockdown war nur Telefonieren möglich.

Erstellt am 20. Februar 2021 | 05:09
Einfach nur da zu sein, kann genügen
Regina Blümel ist Einsatzkoordinatorin des Hospizvereins Scheibbs. Foto: privat
Foto: privat

Seit November 2000 gibt es den Hospizverein Scheibbs, ursprünglich gegründet als Verein Palliative Care/Hospiz Region Mostviertel. „In diesen zwanzig Jahren sind rund 1.700 schwerkranke Personen und deren Angehörige betreut worden“, erklärt die Purgstallerin Regina Blümel. Sie ist von Beruf diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und Einsatzkoordinatorin im mobilen Hospizdienst.

Das Team besteht aus 15 ehrenamtlichen Personen, die speziell zum Hospiz- und Trauerbegleiter ausgebildet sind. Sie stehen Schwerstkranken und deren Angehörigen in ihrer speziellen Lebenssituation zur Seite, bieten psychische und soziale Begleitung an. Der Hospizverein arbeitet dabei eng mit dem mobilen Palliativteam und der Palliativstation des Landesklinikums Scheibbs und dem Landespflegeheim Scheibbs zusammen.

„Zuwendung schenken, miteinander reden, lachen und weinen“

Als Hauptaufgaben des Hospizdiensts nennt Regina Blümel die Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung, wobei für sie der Aspekt Leben besondere Bedeutung hat. „Auch wenn jemand schwer krank ist, kann er immer noch Lebensqualität erfahren, sich am Leben im Hier und Jetzt erfreuen.“

Der mobile Hospizdienst begleite Menschen in ihrer letzten Lebensphase. „Manche Menschen betreuen wir jahrelang“, sagt Regina Blümel. Wie genau die Begleitung aussieht, hänge von den Menschen und ihren individuellen Situationen ab: „Zeit verbringen, Zuwendung schenken, zuhören, miteinander reden, lachen und weinen. Da sein und die Situation gemeinsam aushalten, kann oft schon genügen.“

Unterstützung gibt es auch für den Rest der Familie: „Familienmitglieder befinden sich oft in verschiedenen Trauerphasen, was zu Spannungen führen kann. Da tut es gut, mit jemand Außenstehendem zu reden.“ Im Zentrum dabei stehen Respekt, Wertschätzung und Würde. „Religiöse, politische und ethnische Zugehörigkeit spielen für unsere Tätigkeit keine Rolle“, sagt Regina Blümel.

Im Vorjahr hatte der Hospizverein etwa ein Viertel mehr Anfragen nach Trauerbegleitung zu verzeichnen. „Das lag wohl daran, dass es eine Zeit stark eingeschränkter sozialer Kontakte war“, vermutet Blümel. Im ersten Lockdown habe man Begleitungen ausschließlich telefonisch durchgeführt.

„Derzeit vereinbaren die Ehrenamtlichen mit den Betroffenen gemeinsam, ob sie eine telefonische oder persönliche Begleitung wünschen. Natürlich unter Einhaltung aller Corona-Regelungen.“ Ehrenamtliche zu finden, ist nicht leicht. „Ohne Ehrenamt wäre unsere Arbeit aber nicht möglich“, sagt die Koordinatorin und bittet Menschen, die sich für diese Tätigkeit interessieren, um Kontaktaufnahme.